Harter
Winter
Die
Vögel sind schon da. Obwohl es noch eiskalt ist. In den Parks und Wäldern
picken sie im Laub herum, um etwas für den Schnabel zu erhaschen. Auf den
Gehwegen in Heilbronn, die ja zum Teil mit Grünstreifen zur Straße hin begrenzt
sind, ist die Erde noch bockelhart. Die armen Waldis und Bellos verfrieren sich
fast den Po, wenn sie von Frauchen oder Herrchen beim Gassi-Gehen zum Drücken
angehalten werden. Die niedlichen,
kleinen braunen oder gelben Häufchen frieren sogleich hart an und zieren die
Heilbronner Gehwege auf eine so kunstvolle Art, daß Dr. Andreas Pfeiffer vom
Museum oder die Damen bzw. Herren vom Kunstverein eine helle Freude haben
müßten an dieser von der Natur so herrlich klar, direkt und unverbildet kreierten
Kunst. Hinzu kommt, daß der Geruch dieses Gesamtkunstwerkes sich erst
später einstellen wird. In der sogenannten Auftauphase. Das wird ein Schnüffeln
und Schnuppern geben. Und dem Boden tut der Dünger gut. Können doch Brennesseln
und andere Pflanzen hier bestens gedeihen. Ich freue mich immer wieder, wenn
unsere vierbeinigen Freunde auch in der Stadt ihrem natürlichen Drange
entsprechend sich entfalten können. Wer hier nörgelt, der sollte immer daran
denken: Nicht die armen Tiere sind ja freiwillig zu uns in die Wohnungen
gekommen. Wir haben sie schließlich geholt. Erfreuen uns an ihrem Gebell. Und
somit sind wir auch für ihren Dreck voll verantwortlich zu machen.
Bruckmann-Villa
Wenn
die Stadt saniert, dann ordentlich. Als der Gemeinderat die Kosten für die
Renovierung der Bruckmann-Villa in der Cäcilienstraße Heilbronns
genehmigte, schien die Welt noch
eingermaßen in Ordnung. Das superteure technische Rathaus mit seiner üppigen
und prachtvollen Ausstattung, vielfach wegen der immensen Kosten gerügt, war
gerade erst eingeweiht, da wollte der Baudezernent Ulrich Frey von der SPD auch
noch das Schmuckstück Bruckmann-Villa dazu haben. 2,85 Millionen Mark sollte die Renovierung kosten. Die Stadträte
stimmten zu, denn schöne Bauten gibt’s wenige in Heilbronn. Wer damals annahm,
die Summe würde sich nicht erhöhen, der kennt unsere Stadt als Bauherr
schlecht. In Heilbronn wird es immer teurer als geplant. Nach dem alten
Metzger-Motto. Darf’s ein bißchen mehr sein? Selbstverständlich, der brave
Steuer-Bürger zahlt es ja, und wird garnicht erst gefragt. Schließlich haben
die Fürsten das Volk ja auch nie gefragt, ob dieses oder jenes Schloß teuerer
werden darf. Und heute freuen sich alle darüber. Und so wurden nochmals 800.000
Mark draufgesattelt – damit die 3,7-Millionen-Villa als Dienstsitz für den
Heilbronner Baubürgermeister auch in schönstem Glanz erstrahlt. Ich kann’s dem
Ulrich Frey nicht verdenken. Schließlich haben die Sozis es sich ja zum Ziel
gesetzt, daß es allen Bürgern einmal besser gehen soll. Und einer muß damit ja
mal anfangen. Also Vorbild sein. Vor allem in Zeiten, in denen Schmalhans durch
die Gassen der Stadt schleicht. Und so können die Bauwilligen beim Besuch des
Baubürgermeisters sehen, was es heißt,
gut und anständig zu renovieren. Es war ja immer etwas teurer, einen
guten Geschmack zu haben. Vor allem bei Sozis.
Neckarwestheim
Jetzt
hat Neckarwestheim es geschafft. Eindeutig. Mario Dürr aus Cleebronn heimste im zweiten Wahlgang satte 81,43
Prozent der Bürgerstimmen ein - und das bei 66,55 Prozent Wahlbeteiligung.
Jubel brandete im Atomdörfchen am Rande des Landkreises Heilbronn auf.
Schließlich hatte man auch allen Grund dazu. In der vergangenen Woche war der
alte Bürgermeister Horst Armbrust in Stuttgart vom Landgericht zu achteinhalb
Jahren Gefängnis verurteilt worden, weildie Gemeinde um 40 Millionen Mark
betrogen hatten. Hinzu kamen in den letzten Wochen die dubiosen Abrechnungen
von Gemeinderäten, die sich in Stuttgart im Gerichtsaal kundig machen wollten.
Der Amtverweser des Bürgermeisters trat daraufhin zornentbrannt zurück und
legte auch gleich sein Gemeinderatsmandat nieder. Der zweite Schlag erreichte
die Neckarwestheimer, als sich herausstellte, daß einer der BM-Kandidaten sich
als ein windiger Ossi entpuppte, gegen den die Staatsanwaltschaft immer noch
wegen dubioser Geschäfte zu seiner Thüringer Bürgermeister-Zeit ermittelt.
Dabei hatte der schneidige Ex-Hauptmann der DDR-Volksarmee so einen dynamischen
Eindruck vermittelt. Neckarwestheim hat wahrlich allen Grund, jetzt erst einmal
richtig tief durchzuatmen. Raus aus den Schlagzeilen der überregionalen Presse,
zurück in die Idylle anständiger Dörflichkeit. Wenn ich einmal reich wär – ohne
die verschwundenen 40 Millionen.
Ausländer
Gegen
Ausländer vorzugehen, scheint in Notzeiten ein beliebter Sport zu sein. Nicht
nur Deutschland. In Algerien ist der Mitteleuropäer sich seines Lebens nicht
sicher. In gewissen Urlaubsländern werden Touristen von terroristischen
Minderheiten entführt, um Geld und Genossen freizupressen. Wie eine Seuche
scheint Fremdenfeindlichkeit den Erdball zu überziehen. Erst kürzlich rief mich
ein Mann an, der mit einer Asiatin verheiratet ist. Einen Brief habe er
bekommen, unterzeichnet von der „DSV“, der „Deutschen Skinhead-Vereinigung“.
Anonym natürlich. In Kauderwelsch-Deutsch stand da zu lesen: „Du dreckiger Ausländer. Verpiß Dich aus
Deutschland. Das ist die erste Warnung. Verpißt Euch in Euer Scheißland. Sonst
wird es für Euch sehr ungesund.“ Wenn Sie sich jetzt noch in jedem Satz
vier Rechtschreibfehler hinzudenken, dann können Sie sich das Original gut vor
Augen führen. Es ist nur recht und billig, daß der deutsche Bürger, der dieses
Gesudel erhalten hat, sich vertrauensvoll an die Kriminalpolizei wandte.
Hoffentlich ermitteln unsere Beamten so, daß diese Schreiberlinge gefaßt
werden, die versuchen, ihre Mitbürger mit der übelsten Jauche aus ihrem
verdreckten Gedankengut zu überschütten. Dumme-Jungen-Streiche? Ich sage nur,
wehret den Anfängen. Mit unflätigen Briefen fängt viel an. Wo es endet, das
wissen wir in Deutschland dank zweier Diktaturen zur Genüge. Wie sagte einst
Kurt Schumacher, der große SPD-Vorsitzende, der Nachkriegszeit? Die Nazis
hätten es verstanden, die Dummheit in Deutschland vollständig zu mobilisieren.
Dumme gibt es immer noch. Im Moment fehlt es nur an politischen Rattenfängern.
Wahl
in Weinsberg
Die
Bürgermeister-Wahl in Weinsberg war am letzten Sonntag das Top-Ereignis im
Unterland. Schließlich ging es die Nachfolge des amtierendes Schultes Jürgen
Klatte, über dessen Gründe, sich aus dem Schultes-Geschäft zurückzuziehen,
heute noch in der Weibertreu-Stadt heftig gerätselt wird. Eine Frau und vier
Männer standen im ersten Wahlgang zum Kreuzles-Machen zur Auswahl, abgesehen
von den Dauerbewerbern. Als Favoriten galten die beiden Bürgermeister Rudi
Kübler (Kirchardt) und Karl Alber (Erelnbach) aus dem Unterland. Die
promovierte Anneliese Kowalczyk-Schaarschmidt aus Künzelsau hatte sich schon im
Vorfeld nicht gerade als mehrheitsfähig erwiesen. Ihr Resultat im ersten
Wahlgang mit knapp zehn Prozent war erwartet worden. Daß aber der gebürtige
Weinsberger, der Gruibinger Bürgermeister Walter Kuhn mit 48,16 Prozent an der
absoluten Mehrheit vorbeischrammte, war dann doch überraschend. Nur 91 Stimmen
fehlten für den Sieg im ersten Wahlgang. Weit abgeschlagen die beiden Schultes
Kübler (21,76 Prozent) und Alber (17,58 Prozent). Nun hat die Künzelsauer Dame
schon verzichtet, im zweiten Wahlgang am 11. Februar anzutreten – und ihren
Wählern empfohlen, Herrn Kuhn die Stimme zu geben. Allerdings läßt die Wahlbeteiligung mit 61,27 Prozent nicht die
Vermutung zu, die Weinsberger befänden sich derzeit im Wahlfieber. Aber
vielleicht wird der zweite Wahlgang spannender, wenn Kübler gegen Kuhn antritt,
der 47jährige Jungdynamiker gegen den bodenständischen 48jährigen. Wenn die
Zahlen fortgeschrieben werden, Weinsberg wieder einen Schultes zum Anfassen
möchte, dann kenne ich heute schon den Sieger.
Eppingen
BM-Wahl
Was
hatte ich da nicht alles im Vorfeld der Eppinger Wahl mir anhören müssen. Wenn
der alte Schultes wieder antritt, dann hatt der Pretz keine Chance. Flüsterte
man mir zu. Aber der „alte Schultes“, der Unternehmer Rüdiger Peuckert, zögerte
lange – und lehnte dann doch ab, in den Ring zu steigen. Zum Verdruß vieler
Eppinger. Bei den letzten Gemeinderatswahlen hatte er ja ordentlich abgesahnt,
was so manchen verdrossenen Bürger zur Ermunterung Peuckerts veranlaßte,
nochmal den Hut in den Ring zu werfen. Gegen
den CDU-Partreifreund Erich Pretz. Bis in den Januar hinein hatte Peuckert gezögert.
Dann war die Sache gelaufen. Allerdings einen großen Sieg konnte sein
kommunaler Kontrahent nicht verbuchen. Bei Bürgermeisterwahlen ohne ernsthaften
Gegenkandidaten zählt die Wahlbeteiligung. In Eppingen sah die am Sonntag
reichlich mies aus: Von 12.988 Wahlberechtigten gingen nur 5.889 an die Urne.
Das entspricht einer wahlbeteiligung von 45,3 Prozent. Hinzu kamen noch 5,7
Prozent ungültige Stimmen. Nur 4.630 Eppinger gaben also Erich Pretz ihre
Stimme. Gemessen an der Wahlbevölkerung sind das 35,65 Prozent. Aber nach
ordentlicher Zählung hat der 55jährige Verwaltungschef eben 83,4 Prozent der
Stimmen erhalten. Ich meine, es wäre langsam Zeit, daß bei Bürgermeisterwahlen
im ersten Wahlgang 50 Prozent Wahlbeteiligung vorgeschrieben werden müßte, damit
jemand mit der absoluten Stimmenanzahl gewählt ist. Wenn diese Wahlbeteiligung
nicht erreicht wird, dann muß er halt in den zweiten Wahlgang. Aber ich glaube
mein Vorschlag stößt auf taube Ohren. Denn potente Kandidaten sind mittlerweile
auch bei Bürgermeisterwahlen Mangelware.
Hasenmahl in Heilbronn
Im
letzten Jahr war das traditionelle Heilbronner Hasenmahl im Ratskeller der
prekären Finanzlage der Stadt zum Opfer gefallen. Aber in diesem Jahr wurde die
über 500 Jahre alte Tradition munter fortgesetzt – als ob nichts gewesen wäre.
Heilbronns OB war putzmunter als er den frohgelaunten Gästen mitteilte, daß man
im Gegensatz zu den Gelagen der Perser, Griechen, Römer und Germanen in
Heilbronn einen goldenen Mittelweg gefunden habe: „Bei uns würzen schmackhaftes
Wildbret und beste Weine das geistvolle Gespräch.“ Und Hasenmahlredner
Siegfried Schilling (stellvertretender Chefredakteur der Heilbronner Stimme)
erinnerte an die „knapp vier Dutzend Männer und eine Frau“, denen als
Hasenmahl-Redner der Neuzeit „einfach nicht so richtig klar war, ob sie nun
denen im Rathaus da droben die Leviten verlesen oder ob sie ganz schlicht eine
Büttenrede halten sollen“. Da der Hase
nicht mehr serviert wird, sondern die Sau, war der Vergleich zur Politik
schnell gezogen. Denn „Tatsache ist vielmehr, daß in Heilbronn zuletzt
immer mehr Schweine ihr Unwesen treiben“.
Und schon war der kommunalpolitische Beobachter im Rathaus, „denn nach
wie vor gibt es Unterschiede zwischen einer Saujagd und einer
Gemeinderatssitzung. Keine Sau stellt im Wald Anträge zur Tagesordnung oder
gibt gar persönliche Erklärungen ab“. Das alles war vom Sigger Schilling sehr
freundlich vorgetragen und schelmisch gemeint. Auch das Lob über den Optimismus
unserer Unterländer Stadtbahn-Politiker : „Er ähnelt in etwa dem der Pioniere
der Union Pacific, die einst im Wilden Westen von Amerika mitten durch die
Prärie Gleise verlegten und Feuerrösser laufen ließen. Die Indianer freundeten
sich zunächst aber nur ganz zögernd mit der Bahn an. So können wir alle nur
hoffen, daß künftig nicht nur ein paar Häuptlinge in die Stadtbahn einsteigen,
sondern auch die Indianer kommen.“ Welche Indianer? Die Gelbfuß-Indianer?
Wo
sind sie geblieben?
Im
gesamten Gäu wird heftigst darüber diskutiert und spekuliert: Wo sind sie
geblieben – die 1,13 Millionen Mark von
der Volksbank Heilbronn, die Geldkuriere aus einem gepanzerten Fahrzeug
verloren haben. Viele hätten das Geld gern – auf der Straße, möglichst im
Gebüsch oder anderswo – ganz heimlich gefunden. Aber die Tasche mit den Millionen
scheint spurlos vom Boden verschwunden zu sein. Die Polizei weiß nix, die Volksbank Heilbronn erst recht nicht, und die
beiden Geldkuriere reiben sich immer noch verwundert die Äuglein. Sie
beteuern weiterhin vehement ihre Unschuld. Was also kann geschehen sein? Ist
der Koffer schon auf dem Gelände der Volksbank gestohlen worden? Oder ist er
jemandem direkt aus dem Geldtransporter vor die Füße gefallen, irgendwo in der Moltke-, Gymnasium- oder Urbanstraße?
Ein Kriminalfall der besonderen Art. Staatsanwaltschaft und Polizei sehen dabei
reichlich ratlos aus der der Wäsche. Mehr als Spekulation sind derzeit offenbar
nicht drin. Und die treiben große, dicke Blüten – vor allem an den
Stammtischen. Nach so langer Zeit vermutet kaum noch jemand, daß ein Finder des
Geldkoffers sich freiwillig melden würde. Allerdings: Wenn der Koffer nicht
gestohlen, sondern nur gefunden worden wäre, auch dann macht sich der
Aufsammler strafbar. Denn beim Öffnen dürfte ihm klar werden, daß diese „fremde
bewegliche Sache“ nicht sein Eigentum ist oder werden kann. Aber wo kein Kläger
ist, da findet sich auch kein Richter. Für die Ordnungshüter ein „nur schwer
erträglicher Zustand“. Sie hoffen weiterhin tapfer, daß ein glücklicher Zufall
ihnen den Koffer samt Geld zuspielt. Aber wenn ich mich so umhöre, von dr Leut
glaubt kaum jemand dran. Wer soviel Geld so lässig verliert – naja, der hat
wohl auch ein wenig schlampert transportiert. Experten werden es genau
herausfinden. Und die Volksbank, seit Jahren ist sie schon von Plagen dieser
Art betroffen. Sie scheint eine magnetische Auswirkung auf Geldräuber zu
besitzen.
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