Zu
welchem Zeitpunkt „frau“ so in den besten Jahren ist, darüber läßt sich
streiten. Anfang Dreißig oder vielleicht auch später? So manche meiner
Geschlechtsgenossinnen sieht gar um die
Vierzig noch super aus. Noch ein paar Jährchen älter, aber attraktiver
denn je: Die Burgfestspiele Jagsthausen. Sie gehen in ihr 48. Jahr. Natürlich
gibt es in der Spielzeit 1997 wieder das „Jagsthäuser Muß“: Götz von Berlichingen. Ebenso das
Musical „Kiss me, Kate“. Freuen können sich auch die Kids: Erstens auf „Rumpelstilzchen“ und zweitens auf den
„Kindertag im Burghof“. Bei hoffentlich hochsommerlichem Wetter. 1997 wollen
die Open-Air-Profis an der Jagst aber noch einen Zahn zulegen. Neben dem
Burghof warten sie mit zwei neuen Spielstätten auf: Der Bergwaldhalle der
Gemeinde Jagsthausen und dem Rittersaal in der Götzenburg. Das ist die frohe
Botschaft für alle Evas: Kultur erleben ohne dicke Wolldecke oder Regenmantel.
Das Hair-Styling überlebt den Abend ohne naß zu werden. Den Auftakt macht Cornelia Froboess. Die einstige
Berliner Göre kommt mit „Berliner Satire“. Schon im März. Weitere Höhepunkte
folgen. Ich freue mich vor allem auf den „strammen Max“. Herr Raabe und sein Palastorchester beklagen sich wieder, weil „Kein
Schwein...“ sie anruft. Vielleicht hängt das damit zusammen, daß die
Burgfestspiele jetzt im Internet sind. Da werde ich am 2. Dezember auch mal
reinsurfen, wenn der Vorverkauf beginnt.
Schöne
Zeiten
Irgendwann
im nächsten Jahrtausend – also vielleicht schon in zehn Jahren könnten Olympische Spiele im Ruhrgebiet
stattfinden. Und dann könne kaum jemand mehr die Sportler aus allen Teilen der
Welt von den Einheimischen dort unterscheiden. Behauptete neulich ein Moderator
im Fernsehen. Warum nicht? Na, weil dann ja alle in Trainingsanzügen durch die Gegend laufen. Wär ja auch nicht weiter
schlimm. Denn es gibt auch genügend Männer, die immer noch weiße Socken zu ihren Anzügen tragen. Geschmack ist halt eine ganz
individuelle Angelegenheit – und kennzeichnet doch immer wieder sehr genau den
Träger. Warum sich deutsche Politiker in Batik-Bindern
gefallen oder mülleimergraue Hosen und Waschseidenblousons
à la Klaus Kinkel durch die Welt
tragen? Wie sich ein deutscher Modemacher in Frankreich diesen
Katastrophengeschmack erkläre, wollte neulich ein Reporter von Karl
Lagerfeld wissen. Der Modezar korrigierte: „Sie vergessen das eigentliche
Modedrama: schrumpelige Socken und der Blick auf behaarte Männerschenkel.
Grauenhaft! Der letzte gut angezogene Politiker in Deutschland war Walther Rathenau. Vielleicht sind
Minister auch nur deshalb so horribel gekleidet, weil die Wahlbürger selber ein
Schreck sind. In Deutschland trägt man doch die ganze Woche über
Weekend-Kleidung.“ Stimmt nicht, Herr Lagerfeld! Politiker und
Wirtschaftskapitäne in der Provinz tragen Anzug. Das gehört sich. Wenn auch
mausgrau oder seltsam gemustert, mit ebenso eigentümlichen Krawatten und
Schuhen mit durchgehender Gummisohle (wegen des häufigen Regens). Jeder muß
schlußendlich nach seiner Façon selig werden. Dabei ist guter oder schlechter
Geschmack bekanntlich selten eine Frage des Geldes. Denn wie sagte die große,
alte Dame der Mode doch? Luxus ist nicht
das Gegenteil von Armut, sondern von Geschmacklosigkeit. Recht hatte sie,
die Coco Chanel.
Fleiner
Geschichten
Die
kleine Gemeinde vor den Toren Heilbronns, bekannt durch ihren weltberühmten
Wein und beliebt als Wohnort für einen Teil der Uppercrust Heilbronns, war
durch ihren ehemaligen CDU-Gemeinderat Axel
von der Herberg bundesweit in ein schiefes Licht geraten. Jetzt aber ist
wieder Ruhe in den Gemeinderat eingekehrt. Bürgermeister Jürgen Schmid (SPD) verpflichtete den 31jährigen Betriebswirt Walter
Schwaß (auch Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Flein und Zweitbewerber im
Landtagswahlkreis Eppingen) als Nachrücker für Axel von der Herberg im Fleiner
Rat. Somit ist die Dreimann-Fraktion der Christdemokraten (Alfred Kulka, Albrecht Löhl
und Walter Schwaß) wieder vollzählig. Damit sei auch wieder dem Wählerwillen
entsprochen, meinte Alfred Kulka vor seinen Ratskollegen, die zuvor einem
Antrag der Gemeindeverwaltung einstimmig zugestimmt hatten, Axel von der Herberg die Bürgerrechte für
Flein zu entziehen. Denn nach der Zwangsräumung seiner Wohnung sei er auch
kein Bürger Fleins mehr. Trotz der nicht begründeten harschen Angriffe Herbergs
gegen seinen Ratskollegen und Parteifreund Alfred Kulka, bedauerte der in
seiner Stellungnahme „ganz persönlich“ die Vorkommnisse und Entwicklungen der
letzten Monate. Und Kulka stellte darüber hinaus klar, „daß die Ursache für die
Abwesenheit von CDU-Gemeinderat Axel von der Herberg allein in seiner Person zu
suchen und zu finden ist“. Weder Verwaltung noch Gemeinderäte in Flein,
speziell CDU-Gemeinderäte und Fleiner CDU-Mitglieder, könnten dafür
verantwortlich gemacht werden, auch wenn in Medienberichten zuweilen der
Anschein erweckt worden sei, daß die Ursache für den Skandal bei anderen
Personen liegen könnte. Mir scheint die Affaire, um es schwäbisch zu sagen,
mehr in die Richtung zu gehen, als ob da einer in Flein versuchte, seinen Furz
an die Wand zu nageln, um ihn dann auch noch schwarz anzustreichen. S’hat noch
koiner bisher gschafft. Aber explodiert isch er. Ond gschdunke hat’s au.
Mordsmäßig.
Verkehr
verkehrt?
Es
ist ja noch längst nicht heraus, ob die Heilbronner nun tatsächlich ihren
Regionalflughafen kriegen, oder nicht. Die IHK macht zwar gewaltig Dampf, aber
der Widerstand in den Gemeinden des Landkreises Heilbronn wächst. Die Kassen
sind leer – und wen wundert’s da noch, wenn nun plötzlich die gute alte Heilbronner Waldheide gelegentlich
wieder ins Gespräch gebracht wird. Während die einen wohl schon von
Zubringerflügen nach Stuttgart und Frankfurt-Rhein-Main träumen, stellt sich
für andere die Frage, ob es denn wirklich so dringend einen Regionalflughafen
braucht. Schließlich hat Heilbronn doch einen Hauptbahnhof. Ich kann mich
jedenfalls noch gut daran erinnern, welch reger Betrieb einst auf diesem
Bahnhof herrschte – als das Auto noch kein Massen-Transportmittel war. Es gab mächtig viel Rot in den Fahrplänen
für die Eil- und D-Züge. Man konnte nach Kiel fahren, ohne umzusteigen,
oder nach Bremen und München. Und für eine zeitlang hat es sogar mal einen
Kurswagen direkt nach Paris gegeben. Das ist schon lange her. Jetzt geht nach
neun Uhr abends auf dem Heilbronner Hauptbahnhof kaum mehr etwas. Daran ändern
auch so klangvolle Zugbeschreibungen wie „City-Express“ oder „Regional-Express“
nicht viel. Dahinter verbirgt sich in der Regel ein hundsgewöhnlicher
Bummelzug. Und damit kommt man auch nicht schneller ans Ziel. Tatsache ist: Wer
heutzutage mit der Bahn von und nach Heilbronn reisen muß, ringt alsbald beide
Hände. Es haben wohl jene recht gehabt, die bereits in den Sechzigern vor einer
Verödung des Schienennetzes rund um die Käthchenstadt gewarnt haben. Man hat
sie damals ausgelacht. Heute liegen wir im sogenannten Verkehrsschatten. Und es
ist mal wieder die Rede von einem Ausbau der Hauptstrecken nach Stuttgart,
Würzburg und Heidelberg, von der Dringlichkeit einer Anbindung Heilbronns ans
ICE-Netz. Aber daran mag niemand mehr so recht glauben. Vor allem solange der Pendolino, der keiner ist, sondern ein
Neigetechnik-Zug, wohl auf der Schiene steht, aber kaum fährt. Jetzt
konzentriert sich die Verkehrsdiskussion (gelegentlich) auf den
Regionalflughafen. Aber in unserer Bürgerinitiativen-Zeit glaube in nicht an
dessen Realisierung. Zumindest nicht in diesem Jahrtausend.
Spitzenplatz
Das
Radioprogramm S4-Baden-Württemberg hat seinen Spitzenplatz unter den
erfolgreichsten Programmen in Baden-Württemberg gefestigt, am Wochenende sogar
noch ausgebaut. Beim Marktanteil liegt das Programm inzwischen noch deutlicher
als zuvor an der Spitze aller Programme im Land. Für Südfunk-Intendant Hermann Fünfgeld ist diese Beschreibung das Fazit
aus der großen Media-Analyse 1996. In der Durchschnittsstunde schalten im
Schnitt 360.000 Hörer S4 ein, das bedeutet eine Steigerung im Vergleich zum
Vorjahr um 30.000 Personen. Wenn man die Liste der öffentlich-rechtlichen und
privaten Programme durchgehe und nach Programmen schaue, die eine Reichweite
wie S4 oder eine größere Reichweite haben, dann sei S4 bei den wenigen
Programmen, die überhaupt eine Steigerung zu verzeichnen hätten. Allerdings
liege das Durchschnittsalter der S4-Hörer bei 59 Jahren. Trotzdem zieht der
Intendant den Schluß: S4 ist inzwischen
ein breit akzeptiertes Massenprogramm, dessen Reichweiten sich auf hohem Niveau
halten und dessen Marktanteil stetig expandiert. Wenn ich mir allerdings
das Auf und Ab bei den Untersuchungen anschaue, dann stelle ich fest: Was den
Hörern diesem Jahr noch gefallen hat, das muß ihnen im nächsten schon nicht
mehr zusagen. Viele private Sender vor allem im Norden Deutschlands haben das
in diesem Jahr schmerzlich zu spüren bekommen. Das hat dann auch gleich
konkrete Folgen: Die Werbeeinnahmen fließen nicht mehr so üppig. Sparen ist
angesagt. Was bei SWF und SDR demnächst ansteht, Fusion zu einem Sender, das
blüht in abgewandelter Form so manchem privaten Hörfunksender demnächst im
Lande. Kooperation heißt hier das Stichwort. So wie bei S4. Die Musik allüberall die gleiche, auch die Präsentation. Nur zu
gewissen Stunden schalten sich die regionalen Studios mit ihrer
Berichterstattung zu – wie das Frankenradio aus Heilbronn, das demnächst sogar
seine erweiterten Räumlichkeiten an der Allee vorstellen wird. Die
Regionalisierung beim Südfunk schreitet also munter voran. Und deshalb kann
Studioleiter Lutz Wagner auch befriedigt feststellen: Sein Radio sei „der
Haussender der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung in der Region Franken“.
Eingebürgert
Wer
kennt nicht die Leichtathleten Alina
Astafei und Andrej Tiwontschik,
den Kunstturner Waleri Belenki, die
Ringer Oleg Kutscherenko und Rifat Yildiz und viele andere? Was
haben die erwähnten Personen allesamt gemeinsam? Alle sind herausragende
Athleten in ihrer Sportart, sie sind im Ausland geboren und wurden von den
Deutschen aufgrund ihrer sportlichen Erfolge im Handumdrehen eingebürgert.
Zuerst einmal ist das ein Schlag ins Gesicht für heimische Sportler, die top in
ihrer Sportart sind, nun aber einen eingedeutschten Ausländer, der noch ein
Stückchen besser ist, vor die Nase gesetzt bekommen und somit um die Chance bei
Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften starten zu dürfen, gebracht
werden. Aber wie muß diese deutsche „Angewohnheit des Medaillenscheffelns bei
Sport-Großveranstaltungen“ dann erst einmal ausländische „Durchschnittsbürger“
treffen, die in Deutschland geboren wurden und der deutschen Sprache somit
mächtig sind. Wollen sie bundesdeutsche Bürger werden, rattern die Mühlen der
Bürokratie sehr, sehr langsam oder bisweilen gar nicht. Eine traurige Sache,
wenn man bedenkt, daß laut Grundgesetz alle Menschen gleich sind. Doch wer schnell läuft, hoch springt, Salti
schlägt oder viele Tore schießt – wie der Südafrikaner Sean Dundee, den der
Bundes-Berti jetzt für Deutschland stürmen lassen will – ist anscheinend ein
besserer Mensch und verdient es, schneller Deutscher zu werden. Diese Zweifach-Klassifizierung riecht stark
nach Drittem Reich. In Zukunft sollte das bedacht werden, denn so mancher
ausländische Arbeiter hat sich mit Sicherheit verdienter um seine Heimat
Deutschland gemacht als ein eingebürgerter Sportler.
Heißer
Herbst
Alles
redet vom heißen Herbst – aber niemand glaubt so recht an dieses Versprechen.
Viele Arbeitgeber wollen die gesetzlich verankerte Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall in der neuen Regelung einführen – und einige haben es auch schon
getan. Ohne daß sich darüber sonderlich Protest regte. Nur bei den Konzernen
und Staatsbetrieben geht man auf die Barrikaden. Allerdings auch nicht so
heftig wie versprochen. Denn jeder der
Beteiligten weiß sehr genau, daß es um den Wirtschaftsstandort Deutschland
derzeit mehr als schlecht bestellt ist. Und die Prognosen verheißen nichts
Rosiges. Deshalb wird laut mit den Waffen geklappert, Bösartiges über den
Gegner mit bierernstem Gesichtausdruck in die Mikrofone gedonnert, um sich
später am Konferenztisch in irgendeinem Hotel friedlich zu verständigen und zu
einigen. Denken wir doch nur einmal an die Schlachten, die um das Reförmchen „Änderung der Ladenschlußzeiten“
geschlagen wurden. Man hätte meinen können, die Welt des deutschen
Einzelhandels und seiner Beschäftigten sei kurz vor dem Untergang gestanden.
All das ist der Schnee vom vergangenen Monat, den es im Sommer und Frühherbst
noch nicht mal gegeben hatte. Das wär eine Katastrophe gewesen. Aber das
Reförmchen war es nicht. Und auch nicht die Veränderung der Lohnfortzahlung.
Die Dauerarbeitslosigkeit, auch das ist eine Katastrophe. Aber die ist ja zur
Zeit kein Thema für Arbeitsplatzbesitzer.
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