Herbstliches
Viele
Menschen meinen, der Herbst als dritte Jahreszeit sei die schönste im Reigen
der vier. Die Natur bietet momentan ein einmaliges Farbenschauspiel. Die
Blätter verfärben sich in unzähligen Schattierungen, schweben sacht von den
Ästen und bedecken in all ihrer Pracht den Boden. Die Tage werden immer
schneller kürzer. Kinder können wieder ihre Drachen steigen lassen. Viele
Zeitgenossen nutzen die letzten sonnigen Herbsttage, um in der Natur geruhsame
Spaziergänge zu unternehmen und gelegentlich ein paar reife Trauben – ob rot
oder weiß – in den Weinbergen zu kosten, einfach um zu schmecken, wie der neue
Jahrgang werden wird. Das gereicht nicht
zur Freude unserer Wengerter, im Gegenteil: Sie sind darüber mehr zornig als
froh. Es würde unseren Kleingärtnern ja auch nicht gefallen, wenn die
flanierende Bürgerschaft in ihren Gärten die eine oder andere Blume abschneiden
oder vom Kirschbaumkosten würde. Bei den Bürger-Scharen, die durch unsere
Weinberge pilgern, kann dieses gelegentliche Naschen zu erheblichen Einbußen
bei der Ernte führen. Erst neulich sah ich eine forsche Joggerin, die nach
ihrem Lauf sich mit einer Handvoll
Trauben stärkte. Meinen mißbilligenden Blick beantwortete sie mit einem
ruckartigen Zurückwerfen des Kopfes und stolzen Davontrabens, weiterhin die
stibitzten Trauben munter in sich hineinwerfend. Nach den Schmatzlauten zu
urteilen haben die Heilbronner Trauben offenbar gemundet. Hoffentlich unterstützt sie unserer Wengerter
demnächst auch durch den Kauf guter Tropfen aus dem Ländle.
Schöner
Sonntag
Das
war nicht nur ein sonniger Herbst-Sonntag, das war auch ein Paradebeispiel von
Kundennähe in Heilbronn – am 13.
Oktober. Ich habe selten in dieser Stadt die Menschen so entspannt durch die Straßen
flanieren sehen. Einkaufen machte richtig Spaß. Und wer sein Geld nicht ausgeben wollte, konnte dem Treiben in den
Fußgängerzonen Fleiner Straße, Sülmer City oder Kaiserstraße zuschauen. Zu
sehen gab es mehr als genug: Musikgruppen spielten auf, Eisenbahnen für Kinder
drehten ihre Runden, für den kleinen Hunger gab es an jeder Ecke etwas
Schmackhaftes, ob Brezeln, Pizza oder Döner – und die Straßencafés waren
überfüllt. Ein seltenes Bild in der Innenstadt Heilbronns. Man muß nur auf die
Menschen zugehen, ihnen Möglichkeiten bieten – und schon kommen sie zuhauf. Der
Umsatz an diesem Sonntag in den Heilbronner Einzelhandelsgeschäften und den
Möbelhäusern in Böckingen war ein gutes Zubrot, auch wenn einige kritische
Stimmen meinen, an diesem Tag sei nur gekauft worden, was später an den
normalen Werktagen ohnehin von den Kunden erstanden worden wäre. ich meine, so
genau kann man das ja nun auch nicht abwägen und beurteilen. Auf jeden Fall herrschte in den
Heilbronner Straßen eine Stimmung und ein Flair, das ansonsten nur beim
Pferdemarkt im Februar in Ansätzen vorhanden ist. Warum eigentlich nicht zwei-
oder dreimal im Jahr einen verkaufsoffenen Sonntag veranstalten? Ich weiß, dem stehen viele gesetzlichen
Vorschriften in deutschen Landen davor. Aber alles ist änderbar. Auf jeden
Fall nutzten die beiden großen innerstädtischen Kaufhäuser, um ihre Kunden auf
ihre neuen Ladenöffnungszeiten aufmerksam zu machen: Werktags von 9.30 bis 20
Uhr und samstags von 9 bis 16 Uhr – ab 1. November.
Kluger
Kopf
Hinter
so manchem Blatt steckt ein kluger Kopf. Das mußte ich dieser Tage wieder
ungeniert feststellen. Schrieb doch Johannes
Gross in jenem Blatt, das diesen Spruch als Werbung für sich benutzt, daß
die großen Gefahren in Deutschland gefährlicher seien als anderswo. „Das galt
vom Waldsterben, der Strahlung nach Tschernobyl, das gilt vom Ozonloch und von
Scientology. Wenn die
Scientology-Bewegung eine religiöse ist, dann gewiß eine der jämmerlichsten,
die je der Menschengeist ersann, gegen deren heilige Schriften von Ron L.
Hubbard die der Mormonen göttlich inspirierte Wahrheit sein müssen. Daß die
anderen Religionen, die Kirchen, Verantwortungsträger der Gesellschaft
überhaupt, sich mit Mitteln der Aufklärung, der Überzeugung, der Polemik gegen
Erfolg und Wirkung von Scientology wenden, die sie als so schädlich erkannt
haben, ist schon recht – daß der Staat mit seinen Mitteln der Verfolgung gegen
sie einschreiten müsse, aber nicht. Wird Scientology Kriminelles nachgewiesen,
Täterschaft, Anstiftung oder Begünstigung, strafbare Handlungen, dann müssen in
der Tat Staatsanwaltschaft und Polizei energisch tätig sein; ist dergleichen
nicht nachweisbar, dann muß der Staat Scientology in Ruhe lassen: Sonst ist er
kein Rechtsstaat mehr.“ – Wie wahr, kann ich da nur sagen. Wollen wir wirklich
wegen ein paar Spinnern, die auf abstruse Glaubenssätze in ihrer Sucht nach
absoluter Wahrheit hereinfallen, die
Religionsfreiheit in unserem Staat in Mißkredit bringen lassen? Jeder soll nach
seiner Façon selig werden, solange er nicht anderen, die seine Auffassungen
nicht teilen, an Leib und Leben Schaden zufügt.
Fleiner
Ruhe
Das
war schon ein Drama. Wenn auch aus der tiefsten Provinz, so doch zunächst
bundesweit um so spektakulärer. Da verschwindet von einem Tag auf den anderen
um die Jahreswende der CDU-Gemeinderat und Stukkateurmeister Axel von der Herberg aus seiner
Heimatgemeinde Flein. Zunächst fällt das nicht besonders ins Gewicht. Aber als
er bei mehreren Gemeinderatssitzungen fehlt, werden die Bürger,
Geschäftspartner und Kollegen doch unruhig. Eine bundesweite Suche geht los.
Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen schalten sich ein. Ein spurlos verschwundener
Gemeinderat wird spektakulär gesucht. Aber da die Familie sagt, sie wisse, wo
sich Axel von der Herberg befinde, bricht die Richard-Kimble-Story in sich zusammen. Viele wollen den Rat in
Flein sogar gelegentlich gesehen haben. Die Neckar Express-Redaktion traf ihn dann sogar, fotografierte ihn vor
dem Rathaus und einem Ortschild von Flein, interviewte ihn – und so spurlos wie
er aufgetaucht war, verschwand er auch wieder. Sein Raunen von
lebensbedrohlichen Konflikten, seine heftig-deftigen Vorwürfe gegen seine
Mitbürger verhallten und verpufften (allerdings mit gewaltiger Resonanz in
Flein). Sein Gemeinderatsmandat, das ja seine „Lebensversicherung“ sein sollte,
wie von der Herberg dramatisch im NE-Interview formulierte, ist jetzt weg. Die
Wohnung des 31jährigen CDU-Politikers wurde nämlich dieser Tage zwangsgeräumt,
damit hat er keinen Wohnsitz mehr in Flein und sein Mandat im Rathaus ist
perdu. Ein spürbares Aufatmen geht jetzt durch die kleine 5.800-Seelen-Gemeinde
vor den Toren Heilbronns. Die Affaire
„Axel von der Herberg“ ist aber noch nicht verdaut, geschweige denn
begriffen. Wie auch, wenn alles im ominösen Dunkel bleibt. Fragt sich nur in
welchem und wessen Dunkel.
Weniger
Schule
Heftig
wird diskutiert. Die Argumente sausen wie Schneebälle durch die Luft. Sind dreizehn Jahre Schulzeit, wie derzeit,
besser als etwa zwölf? Unsere Kultusministerin will ab 1997/98 zum derzeitigen
Abschluß auch das „Expreßabitur“ anbieten. Gegen die Gefahr des
„Zwei-Klassen-Gymnasiums“ bringen Kritiker hehre Positionen der Gleichheit in
Stellung. Dabei müssen Eltern und Lehrer sich doch ernsthaft fragen, warum in
anderen Ländern Europas (von den USA ganz zu schweigen) die jungen Leute
schneller durch die Schulen geschleust werden. Und soviel dümmer als ihre
deutschen Kollegen sind sie ja dabei auch nicht erzogen worden. Am deutschen
Schulwesen kann die Welt nun wahrlich nicht genesen. Abschlüsse aus anderen
europäischen Ländern, sowohl in Schulen
als auch Universitäten, werden oft qualitativ höher eingestuft als jene aus
hiesigen Landen. Nicht die Zeit allein ist dabei entscheidend, sondern auch der
Lehrstoff. An deutschen Gymnasien meinen doch viele Pauker, das Wissen ihrer
Disziplin veredle die Schüler zu besseren und intelligenteren Wesen. Dabei stopfen sie die jungen Hirne mit
Wissen voll, das nach dem Abitur meist schnellstens vergessen wird.
Angelernter Überfluß, der nicht dazu befähigt, eine Banküberweisung
auszufüllen, eine Bewerbung in fehlerfreiem Deutsch zu verfassen, einen eigenen
Haushalt ordentlich zu führen, geschweige denn Nahrung zuzubereiten. Von einem
Überblick über deutsche, europäische Literatur oder Geschichte ganz zu schweigen.
Weniger Fachidiotie, mehr Allgemeinbildung und Spezialisierung zum gegebenen
Zeitpunkt – schlicht eine Entrümpelung der Lehrpläne von überflüssigen Ballast,
das führt schnell zu zwölf Schuljahren, ohne daß die Schüler übermäßig
strapaziert werden. Eine Vielzahl anderer Länder können da als Vorbild dienen.
Stadt
am Fluß
Heilbronn
hat einen neuen Leiter des Stadtplanungsamtes. Dr. Christoph Böhmer, 37 Jahre alt,
bringt neue Ideen für die Stadtqualität in die Diskussion - und das
nicht gerade zurückhaltend. Was Heilbronn nur gut tun kann. „Die Stadt am Fluß“
müsse neu belebt werden. Das ist einer seiner Leitsätze. Die Untere
Neckarstraße soll dabei zum Beispiel zur gastronomischen Meile werden. Und dazu
gehöre zum Beispiel auch, daß die Uferbäume abrasiert werden. Denn der Fluß
brauche harte Kanten, um die weiche Insel besser zur Geltung zu bringen.
Derzeit verschwimme nämlich alles im Grün. Um all das zu erreichen, so die
Vorstellungen des ehemaligen Dozenten an der Staatlichen Akademie der Künste
Stuttgart, müsse Städteplanung und Architektur zum öffentlichen Thema werden.
Politiker, Architekten und Bürger sollten in einen Diskussionsprozeß für ein
schöneres Heilbronn eintreten. Denn Zeichnungen reichen nicht mehr, man müsse
in die dritte Dimension gelangen. Nach dem Krieg sei die Stadt in viel zu
sturer Geradlinigkeit wieder aufgebaut worden. Die alte Atmosphäre mit den
gewachsenen wackeligen Linien solle bei der Neuplanung wieder betrachtet
werden. Das heißt nicht, Fachwerkhäuser in der Kaiserstraße, sondern mit
modernen Mitteln dem alten nachspüren. Recht hat Christoph Böhmer, wenn er
sagt, daß „Everybody’s darling is
everybody’s depp“. Im Schwäbischen
heißt das: Jedermanns Liebling isch jedermanns Dackel. Aber d’ Leut müssen sich
vorsehen in unserer Stadt. Schon so mancher, der als Adler gestartet ist,
landete als Suppenhuhn. Vergleichen wir doch einmal die Architektur der
Heilbronner Innenstadt mit anderen vergleichbaren Kommunen – oder nur mit
jenen, die in nächster Nähe sind. An den Bauwerken erkennt man den Geist, der
in der Stadt herrscht.
Raus
aus der Provinz
„Die
Fiat AG sieht sich am Main dichter am Markt“, lautet die Überschrift eines
Artikels in der Fachzeitschrift „Horizont“ vom 27. September. In einem Gespräch mit Dr. Johann Wohlfarter, Commercial Director
und Vorstandsmitglied beim deutschen Headquarter des Turiner Autokonzerns,
wurde die Frage aufgeworfen, warum Fiat vom Neckar an den Main gezogen ist.
Antwort: „Der Umzug hat einen historischen Hintergrund. 1922 kam Fiat nach Deutschland,
zunächst mit Sitz in München, um kurz darauf nach Berlin umzuziehen. Die
Produktionsstätte befand sich damals in Heilbronn auf einem Teil des
NSU-Geländes. Nach dem Krieg, als alles in Trümmern lag – auch die Zentrale in
Berlin, wurden alle Unternehmensteile in Heilbronn zusammengefaßt. Wir waren
durchaus mit dem Standort zufrieden. Einschränkungen waren allerdings die
Verkehrsanbindung und Erreichbarkeit, auch für das Turiner Management.“ Und
welche Vorteile bringt nun der neue Standort? Wohlfarter: „Vor allem die zentrale Lage, natürlich der Flughafen und – damit
verbunden – die Logistik und Infrastruktur. Kürzere Wege zu den Zulieferern,
nach Italien, aber auch zu unseren Agenturen, von denen der Großteil im
Rhein-Main-Raum sitzt. Größere Nähe zu den Medien und Vermarktern – all das
sind die Vorteile für unser Unternehmen.“ Und dann gibt es da noch das Wort
vom „Tempoverlust“ von Rhein-Main im Wettbewerb der Wirtschafts- und
Kommunikationszentren. Hat Fiat dieses Negativ-Image nicht abgeschreckt?
Antwort des Managers Wohlfarter: „Ach, wissen Sie, wir kommen aus der Provinz.
Für uns ist hier erst mal alles ganz toll. Außerdem haben wir hier
repräsentative Ausstellungsräume für alle drei Marken und eine erheblich
verbesserte Arbeitsqualität durch moderne Büros auf dem neuesten technischen
Stand.“ – So ist das halt, wenn die Provinz Heilbronn an Attraktivität
verliert. Liebliche Landschaft, Wein und ein Fest nach dem andern bieten großen
Firmen offensichtlich nicht die Lebensqualität, die sie benötigen. Jetzt
heißt’s: Nachdenken.
Weniger
Abfall
Die
Müll-Ideologen haben uns braven Bürgern als Steuer- und Gebührenzahler
weisgemacht, daß wir alle durch Trennen und weniger Verbrauch beim Abfall
sparen sollten. Dann würde alles besser auf dieser müllgeplagten, ansonsten aber recht brauchbaren Welt – vor
allem billiger. Aber wir kennen das ja aus dem Osten: Wenn Ideologen etwas
versprechen, dann wird alles meistens wesentlich teurer. Das heißt, sie breiten
ihre Ideologie auf dem Rücken des kleinen Mannes aus. „Die Gebühren müssen
steigen, weil die Abfallmengen zurückgehen“, ließ ein Vertreter der Stadt
Heilbronn letzte Woche wissen. Er hätte ebenso sagen können, die Gebühren
müssen steigen, weil die Stadt in den vergangenen Jahren eine miserable Müllpolitik
betrieben hat. Aber so hart formuliert und denkt in unseren Weich-Ei-Zeiten ja
niemand mehr. Harte Fakten werden da meist in lustigem, schön knisterndem
Geschenkpapier verpackt. Dann merkt es der Zeitgenosse nicht so schnell. 1990
wurden in Heilbronn noch 416.000 Tonnen Abfall produziert. Kosten für die
Entsorgung 23,5 Millionen Mark. 1996 werden für 54.700 Tonnen Abfall 21,8
Millionen Mark aufgewandt. Daß diese „Schere“ den Menschen schwer zu erklären
ist, das dürfte mehr als verständlich sein. Ich finde es sogar ungeheuerlich,
so etwas überhaupt erklären zu wollen. Das
haben wohl auch unsere Heilbronner Stadträte gemerkt und erst einmal die
Beschlüsse über die steigenden Müllgebühren verschoben. Allerdings nicht
auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.
Was
besonderes?
Franziska
van Almsick, Berliner Schwimmstar und deutsches Sportaushängeschild, will ihre
Karriere fortsetzen. Diese Meldung geistert momentan durch sämtliche Medien.
Was ist daran aber so besonders? Eine 18jährige, die im Schwimmsport alles erreicht
hat, was man erreichen kann – Olympasiegerin, Weltmeisterin, Weltrekordhalterin
und Europameisterin –, vermeldet nach einer für sie enttäuschenden Olympiade
(Silbermedaille über 200 Meter Freistil und mehrere Staffelmedaillen), sie
ziehe vielleicht einen Schlußstrich unter die Schwimmerei und die damit
verbundene Trainingsquälerei. Okay, so weit so gut. Die mehrfache
Werbemillionärin wußte aber mit Sicherheit schon nach den Spielen in Atlanta,
daß man mit 18 Jahren noch lange nicht zu alt für den Leistungssport Schwimmen
ist. Zudem lebt es sich als Lieschen Müller – sprich mit „nicht ganz“ so viel
Moos – nicht so toll. Daß dem so ist und immer so sein wird, das hätte Dir,
liebe Franzi, aber auch Dein Manager oder irgendjemand anderes sagen können. Warum mußte dann dieses Geplappere vom
möglichen Karriereende sein? Das Gerücht, daß jemand nur so lange
interessant ist, solange er in Fernsehen, Funk und Zeitungen erwähnt wird, hat
sich im Fall „Franzi“ ein weiteres Mal bestätigt. Aber was ein Mann von reiferem
Alter – ja, Bayern-Loddar, Dich meine ich – nicht kapiert, kann man einer
18jährigen Göre nicht vorwerfen.
Tennis-Eltern
Mit
sechs Jahren zum erstenmal den Tennisschläger in der Hand, und das eigentlich
nur so zum Spaß. Mit zehn Jahren der erste Turniersieg, ganz zur Freude der
Eltern. Vier Jahre später - Profi! Und nach weiteren zwei Jahren sollten die ersten Millionen auf
dem Konto sein, und ein Ranglistenplatz so knapp hinter der Steffi wäre nicht
schlecht. Diese, beziehungsweise eine
ähnliche Laufbahn ist der
Wunschtraum fast aller „Tennis-Eltern“. So weit so gut. Aber was ist wenn
dieser Traum nicht in Erfüllung geht? Wenn
die angestrebte Karriere durch Verletzungen oder anderen unvorhersagbaren
Einflüsse unterbrochen wird. Alles Fragen, die von den Eltern meist nicht
berücksichtigt werden. Für die zählt nur der Erfolg, egal was es kostet.
Und wenn der Erfolg einmal für längere Zeit ausbleibt, wird entweder der
Trainer gewechselt, oder ein Elternteil übernimmt selbst das Trainingsprogramm,
um immer alles unter Kontrolle zu haben. Aber auch das geht nicht immer gut.
Das beste Beispiel ist das „Honey“ des amerikanischen Tennissports Jennifer
Capriati. Experten sagten ihr eine
großartige Karriere voraus. Zuerst sah es ja gar nicht schlecht aus, als sie
sich 1992 olympisches Gold erspielte. Sie war
auf dem besten Wege die Prophezeiungen der Fachleute zu erfüllen. Aber
auch Fachleute können sich täuschen. Das amerikanische Tenniswunderkind
entwickelte sich ganz anders. Anstatt die Weltrangliste zu erobern, versuchte
sie ihre versäumte Jugend nachzuholen, und verschwand für einige Jahre von der
Tennisleinwand. Jetzt, vier Jahre später versucht sie ein Comeback, leider ein
Trauriges. Auch bei diesem zweiten Anlauf blieb der erhoffte Erfolg aus. Und was
hat sie nun davon? - Eine verpfuschte Jugend und eine ungewisse Zukunft. Selbst
wenn es eine Steffi Graf geschafft hat, vor allem durch die Unterstützung ihres
übergierigen Vaters, so meine ich, ist Graf die Ausnahme, die die negative
Regel „Capriati“ bestätigt.
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