Samstag, 22. Februar 2014

Kiliansmännle, 16.10.1996




Herbstliches
Viele Menschen meinen, der Herbst als dritte Jahreszeit sei die schönste im Reigen der vier. Die Natur bietet momentan ein einmaliges Farbenschauspiel. Die Blätter verfärben sich in unzähligen Schattierungen, schweben sacht von den Ästen und bedecken in all ihrer Pracht den Boden. Die Tage werden immer schneller kürzer. Kinder können wieder ihre Drachen steigen lassen. Viele Zeitgenossen nutzen die letzten sonnigen Herbsttage, um in der Natur geruhsame Spaziergänge zu unternehmen und gelegentlich ein paar reife Trauben – ob rot oder weiß – in den Weinbergen zu kosten, einfach um zu schmecken, wie der neue Jahrgang werden wird. Das gereicht nicht zur Freude unserer Wengerter, im Gegenteil: Sie sind darüber mehr zornig als froh. Es würde unseren Kleingärtnern ja auch nicht gefallen, wenn die flanierende Bürgerschaft in ihren Gärten die eine oder andere Blume abschneiden oder vom Kirschbaumkosten würde. Bei den Bürger-Scharen, die durch unsere Weinberge pilgern, kann dieses gelegentliche Naschen zu erheblichen Einbußen bei der Ernte führen. Erst neulich sah ich eine forsche Joggerin, die nach ihrem Lauf sich mit  einer Handvoll Trauben stärkte. Meinen mißbilligenden Blick beantwortete sie mit einem ruckartigen Zurückwerfen des Kopfes und stolzen Davontrabens, weiterhin die stibitzten Trauben munter in sich hineinwerfend. Nach den Schmatzlauten zu urteilen haben die Heilbronner Trauben offenbar gemundet.  Hoffentlich unterstützt sie unserer Wengerter demnächst auch durch den Kauf guter Tropfen aus dem Ländle.

Schöner Sonntag
Das war nicht nur ein sonniger Herbst-Sonntag, das war auch ein Paradebeispiel von Kundennähe in Heilbronn – am  13. Oktober. Ich habe selten in dieser Stadt die Menschen so entspannt durch die Straßen flanieren sehen. Einkaufen machte richtig Spaß. Und wer sein Geld nicht ausgeben wollte, konnte dem Treiben in den Fußgängerzonen Fleiner Straße, Sülmer City oder Kaiserstraße zuschauen. Zu sehen gab es mehr als genug: Musikgruppen spielten auf, Eisenbahnen für Kinder drehten ihre Runden, für den kleinen Hunger gab es an jeder Ecke etwas Schmackhaftes, ob Brezeln, Pizza oder Döner – und die Straßencafés waren überfüllt. Ein seltenes Bild in der Innenstadt Heilbronns. Man muß nur auf die Menschen zugehen, ihnen Möglichkeiten bieten – und schon kommen sie zuhauf. Der Umsatz an diesem Sonntag in den Heilbronner Einzelhandelsgeschäften und den Möbelhäusern in Böckingen war ein gutes Zubrot, auch wenn einige kritische Stimmen meinen, an diesem Tag sei nur gekauft worden, was später an den normalen Werktagen ohnehin von den Kunden erstanden worden wäre. ich meine, so genau kann man das ja nun auch nicht abwägen und  beurteilen. Auf jeden Fall herrschte in den Heilbronner Straßen eine Stimmung und ein Flair, das ansonsten nur beim Pferdemarkt im Februar in Ansätzen vorhanden ist. Warum eigentlich nicht zwei- oder dreimal im Jahr einen verkaufsoffenen Sonntag veranstalten? Ich weiß, dem stehen viele gesetzlichen Vorschriften in deutschen Landen davor. Aber alles ist änderbar. Auf jeden Fall nutzten die beiden großen innerstädtischen Kaufhäuser, um ihre Kunden auf ihre neuen Ladenöffnungszeiten aufmerksam zu machen: Werktags von 9.30 bis 20 Uhr und samstags von 9 bis 16 Uhr – ab 1. November.

Kluger Kopf
Hinter so manchem Blatt steckt ein kluger Kopf. Das mußte ich dieser Tage wieder ungeniert feststellen. Schrieb doch Johannes Gross in jenem Blatt, das diesen Spruch als Werbung für sich benutzt, daß die großen Gefahren in Deutschland gefährlicher seien als anderswo. „Das galt vom Waldsterben, der Strahlung nach Tschernobyl, das gilt vom Ozonloch und von Scientology. Wenn die Scientology-Bewegung eine religiöse ist, dann gewiß eine der jämmerlichsten, die je der Menschengeist ersann, gegen deren heilige Schriften von Ron L. Hubbard die der Mormonen göttlich inspirierte Wahrheit sein müssen. Daß die anderen Religionen, die Kirchen, Verantwortungsträger der Gesellschaft überhaupt, sich mit Mitteln der Aufklärung, der Überzeugung, der Polemik gegen Erfolg und Wirkung von Scientology wenden, die sie als so schädlich erkannt haben, ist schon recht – daß der Staat mit seinen Mitteln der Verfolgung gegen sie einschreiten müsse, aber nicht. Wird Scientology Kriminelles nachgewiesen, Täterschaft, Anstiftung oder Begünstigung, strafbare Handlungen, dann müssen in der Tat Staatsanwaltschaft und Polizei energisch tätig sein; ist dergleichen nicht nachweisbar, dann muß der Staat Scientology in Ruhe lassen: Sonst ist er kein Rechtsstaat mehr.“ – Wie wahr, kann ich da nur sagen. Wollen wir wirklich wegen ein paar Spinnern, die auf abstruse Glaubenssätze in ihrer Sucht nach absoluter Wahrheit hereinfallen,  die Religionsfreiheit in unserem Staat in Mißkredit bringen lassen? Jeder soll nach seiner Façon selig werden, solange er nicht anderen, die seine Auffassungen nicht teilen, an Leib und Leben Schaden zufügt.

Fleiner Ruhe
Das war schon ein Drama. Wenn auch aus der tiefsten Provinz, so doch zunächst bundesweit um so spektakulärer. Da verschwindet von einem Tag auf den anderen um die Jahreswende der CDU-Gemeinderat und Stukkateurmeister Axel von der Herberg aus seiner Heimatgemeinde Flein. Zunächst fällt das nicht besonders ins Gewicht. Aber als er bei mehreren Gemeinderatssitzungen fehlt, werden die Bürger, Geschäftspartner und Kollegen doch unruhig. Eine bundesweite Suche geht los. Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen schalten sich ein. Ein spurlos verschwundener Gemeinderat wird spektakulär gesucht. Aber da die Familie sagt, sie wisse, wo sich Axel von der Herberg befinde, bricht die Richard-Kimble-Story in sich zusammen. Viele wollen den Rat in Flein sogar gelegentlich gesehen haben. Die Neckar Express-Redaktion traf ihn dann sogar, fotografierte ihn vor dem Rathaus und einem Ortschild von Flein, interviewte ihn – und so spurlos wie er aufgetaucht war, verschwand er auch wieder. Sein Raunen von lebensbedrohlichen Konflikten, seine heftig-deftigen Vorwürfe gegen seine Mitbürger verhallten und verpufften (allerdings mit gewaltiger Resonanz in Flein). Sein Gemeinderatsmandat, das ja seine „Lebensversicherung“ sein sollte, wie von der Herberg dramatisch im NE-Interview formulierte, ist jetzt weg. Die Wohnung des 31jährigen CDU-Politikers wurde nämlich dieser Tage zwangsgeräumt, damit hat er keinen Wohnsitz mehr in Flein und sein Mandat im Rathaus ist perdu. Ein spürbares Aufatmen geht jetzt durch die kleine 5.800-Seelen-Gemeinde vor den Toren Heilbronns. Die Affaire „Axel von der Herberg“ ist aber noch nicht verdaut, geschweige denn begriffen. Wie auch, wenn alles im ominösen Dunkel bleibt. Fragt sich nur in welchem und wessen Dunkel.

Weniger Schule
Heftig wird diskutiert. Die Argumente sausen wie Schneebälle durch die Luft.  Sind dreizehn Jahre Schulzeit, wie derzeit, besser als etwa zwölf? Unsere Kultusministerin will ab 1997/98 zum derzeitigen Abschluß auch das „Expreßabitur“ anbieten. Gegen die Gefahr des „Zwei-Klassen-Gymnasiums“ bringen Kritiker hehre Positionen der Gleichheit in Stellung. Dabei müssen Eltern und Lehrer sich doch ernsthaft fragen, warum in anderen Ländern Europas (von den USA ganz zu schweigen) die jungen Leute schneller durch die Schulen geschleust werden. Und soviel dümmer als ihre deutschen Kollegen sind sie ja dabei auch nicht erzogen worden. Am deutschen Schulwesen kann die Welt nun wahrlich nicht genesen. Abschlüsse aus anderen europäischen Ländern, sowohl  in Schulen als auch Universitäten, werden oft qualitativ höher eingestuft als jene aus hiesigen Landen. Nicht die Zeit allein ist dabei entscheidend, sondern auch der Lehrstoff. An deutschen Gymnasien meinen doch viele Pauker, das Wissen ihrer Disziplin veredle die Schüler zu besseren und intelligenteren Wesen. Dabei stopfen sie die jungen Hirne mit Wissen voll, das nach dem Abitur meist schnellstens vergessen wird. Angelernter Überfluß, der nicht dazu befähigt, eine Banküberweisung auszufüllen, eine Bewerbung in fehlerfreiem Deutsch zu verfassen, einen eigenen Haushalt ordentlich zu führen, geschweige denn Nahrung zuzubereiten. Von einem Überblick über deutsche, europäische Literatur oder Geschichte ganz zu schweigen. Weniger Fachidiotie, mehr Allgemeinbildung und Spezialisierung zum gegebenen Zeitpunkt – schlicht eine Entrümpelung der Lehrpläne von überflüssigen Ballast, das führt schnell zu zwölf Schuljahren, ohne daß die Schüler übermäßig strapaziert werden. Eine Vielzahl anderer Länder können da als Vorbild dienen.

Stadt am Fluß
Heilbronn hat einen neuen Leiter des Stadtplanungsamtes. Dr. Christoph Böhmer, 37 Jahre alt,  bringt neue Ideen für die Stadtqualität in die Diskussion - und das nicht gerade zurückhaltend. Was Heilbronn nur gut tun kann. „Die Stadt am Fluß“ müsse neu belebt werden. Das ist einer seiner Leitsätze. Die Untere Neckarstraße soll dabei zum Beispiel zur gastronomischen Meile werden. Und dazu gehöre zum Beispiel auch, daß die Uferbäume abrasiert werden. Denn der Fluß brauche harte Kanten, um die weiche Insel besser zur Geltung zu bringen. Derzeit verschwimme nämlich alles im Grün. Um all das zu erreichen, so die Vorstellungen des ehemaligen Dozenten an der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart, müsse Städteplanung und Architektur zum öffentlichen Thema werden. Politiker, Architekten und Bürger sollten in einen Diskussionsprozeß für ein schöneres Heilbronn eintreten. Denn Zeichnungen reichen nicht mehr, man müsse in die dritte Dimension gelangen. Nach dem Krieg sei die Stadt in viel zu sturer Geradlinigkeit wieder aufgebaut worden. Die alte Atmosphäre mit den gewachsenen wackeligen Linien solle bei der Neuplanung wieder betrachtet werden. Das heißt nicht, Fachwerkhäuser in der Kaiserstraße, sondern mit modernen Mitteln dem alten nachspüren. Recht hat Christoph Böhmer, wenn er sagt, daß „Everybody’s darling is everybody’s depp“. Im  Schwäbischen heißt das: Jedermanns Liebling isch jedermanns Dackel. Aber d’ Leut müssen sich vorsehen in unserer Stadt. Schon so mancher, der als Adler gestartet ist, landete als Suppenhuhn. Vergleichen wir doch einmal die Architektur der Heilbronner Innenstadt mit anderen vergleichbaren Kommunen – oder nur mit jenen, die in nächster Nähe sind. An den Bauwerken erkennt man den Geist, der in der Stadt herrscht.

Raus aus der Provinz
„Die Fiat AG sieht sich am Main dichter am Markt“, lautet die Überschrift eines Artikels in der Fachzeitschrift „Horizont“ vom 27. September.  In einem Gespräch mit Dr. Johann Wohlfarter, Commercial Director und Vorstandsmitglied beim deutschen Headquarter des Turiner Autokonzerns, wurde die Frage aufgeworfen, warum Fiat vom Neckar an den Main gezogen ist. Antwort: „Der Umzug hat einen historischen Hintergrund. 1922 kam Fiat nach Deutschland, zunächst mit Sitz in München, um kurz darauf nach Berlin umzuziehen. Die Produktionsstätte befand sich damals in Heilbronn auf einem Teil des NSU-Geländes. Nach dem Krieg, als alles in Trümmern lag – auch die Zentrale in Berlin, wurden alle Unternehmensteile in Heilbronn zusammengefaßt. Wir waren durchaus mit dem Standort zufrieden. Einschränkungen waren allerdings die Verkehrsanbindung und Erreichbarkeit, auch für das Turiner Management.“ Und welche Vorteile bringt nun der neue Standort? Wohlfarter: „Vor allem die zentrale Lage, natürlich der Flughafen und – damit verbunden – die Logistik und Infrastruktur. Kürzere Wege zu den Zulieferern, nach Italien, aber auch zu unseren Agenturen, von denen der Großteil im Rhein-Main-Raum sitzt. Größere Nähe zu den Medien und Vermarktern – all das sind die Vorteile für unser Unternehmen.“ Und dann gibt es da noch das Wort vom „Tempoverlust“ von Rhein-Main im Wettbewerb der Wirtschafts- und Kommunikationszentren. Hat Fiat dieses Negativ-Image nicht abgeschreckt? Antwort des Managers Wohlfarter: „Ach, wissen Sie, wir kommen aus der Provinz. Für uns ist hier erst mal alles ganz toll. Außerdem haben wir hier repräsentative Ausstellungsräume für alle drei Marken und eine erheblich verbesserte Arbeitsqualität durch moderne Büros auf dem neuesten technischen Stand.“ – So ist das halt, wenn die Provinz Heilbronn an Attraktivität verliert. Liebliche Landschaft, Wein und ein Fest nach dem andern bieten großen Firmen offensichtlich nicht die Lebensqualität, die sie benötigen. Jetzt heißt’s: Nachdenken.

Weniger Abfall
Die Müll-Ideologen haben uns braven Bürgern als Steuer- und Gebührenzahler weisgemacht, daß wir alle durch Trennen und weniger Verbrauch beim Abfall sparen sollten. Dann würde alles besser auf dieser müllgeplagten,  ansonsten aber recht brauchbaren Welt – vor allem billiger. Aber wir kennen das ja aus dem Osten: Wenn Ideologen etwas versprechen, dann wird alles meistens wesentlich teurer. Das heißt, sie breiten ihre Ideologie auf dem Rücken des kleinen Mannes aus. „Die Gebühren müssen steigen, weil die Abfallmengen zurückgehen“, ließ ein Vertreter der Stadt Heilbronn letzte Woche wissen. Er hätte ebenso sagen können, die Gebühren müssen steigen, weil die Stadt in den vergangenen Jahren eine miserable Müllpolitik betrieben hat. Aber so hart formuliert und denkt in unseren Weich-Ei-Zeiten ja niemand mehr. Harte Fakten werden da meist in lustigem, schön knisterndem Geschenkpapier verpackt. Dann merkt es der Zeitgenosse nicht so schnell. 1990 wurden in Heilbronn noch 416.000 Tonnen Abfall produziert. Kosten für die Entsorgung 23,5 Millionen Mark. 1996 werden für 54.700 Tonnen Abfall 21,8 Millionen Mark aufgewandt. Daß diese „Schere“ den Menschen schwer zu erklären ist, das dürfte mehr als verständlich sein. Ich finde es sogar ungeheuerlich, so etwas überhaupt erklären zu wollen. Das haben wohl auch unsere Heilbronner Stadträte gemerkt und erst einmal die Beschlüsse über die steigenden Müllgebühren verschoben. Allerdings nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.

Was besonderes?
Franziska van Almsick, Berliner Schwimmstar und deutsches Sportaushängeschild, will ihre Karriere fortsetzen. Diese Meldung geistert momentan durch sämtliche Medien. Was ist daran aber so besonders? Eine 18jährige, die im Schwimmsport alles erreicht hat, was man erreichen kann – Olympasiegerin, Weltmeisterin, Weltrekordhalterin und Europameisterin –, vermeldet nach einer für sie enttäuschenden Olympiade (Silbermedaille über 200 Meter Freistil und mehrere Staffelmedaillen), sie ziehe vielleicht einen Schlußstrich unter die Schwimmerei und die damit verbundene Trainingsquälerei. Okay, so weit so gut. Die mehrfache Werbemillionärin wußte aber mit Sicherheit schon nach den Spielen in Atlanta, daß man mit 18 Jahren noch lange nicht zu alt für den Leistungssport Schwimmen ist. Zudem lebt es sich als Lieschen Müller – sprich mit „nicht ganz“ so viel Moos – nicht so toll. Daß dem so ist und immer so sein wird, das hätte Dir, liebe Franzi, aber auch Dein Manager oder irgendjemand anderes sagen können. Warum mußte dann dieses Geplappere vom möglichen Karriereende sein? Das Gerücht, daß jemand nur so lange interessant ist, solange er in Fernsehen, Funk und Zeitungen erwähnt wird, hat sich im Fall „Franzi“ ein weiteres Mal bestätigt. Aber was ein Mann von reiferem Alter – ja, Bayern-Loddar, Dich meine ich – nicht kapiert, kann man einer 18jährigen Göre nicht vorwerfen.

Tennis-Eltern
Mit sechs Jahren zum erstenmal den Tennisschläger in der Hand, und das eigentlich nur so zum Spaß. Mit zehn Jahren der erste Turniersieg, ganz zur Freude der Eltern. Vier Jahre später - Profi! Und nach weiteren  zwei Jahren sollten die ersten Millionen auf dem Konto sein, und ein Ranglistenplatz so knapp hinter der Steffi wäre nicht schlecht. Diese, beziehungsweise eine  ähnliche  Laufbahn ist der Wunschtraum fast aller „Tennis-Eltern“. So weit so gut. Aber was ist wenn dieser Traum nicht in Erfüllung geht? Wenn die angestrebte Karriere durch Verletzungen oder anderen unvorhersagbaren Einflüsse unterbrochen wird. Alles Fragen, die von den Eltern meist nicht berücksichtigt werden. Für die zählt nur der Erfolg, egal was es kostet. Und wenn der Erfolg einmal für längere Zeit ausbleibt, wird entweder der Trainer gewechselt, oder ein Elternteil übernimmt selbst das Trainingsprogramm, um immer alles unter Kontrolle zu haben. Aber auch das geht nicht immer gut. Das beste Beispiel ist das „Honey“ des amerikanischen Tennissports Jennifer Capriati. Experten  sagten ihr eine großartige Karriere voraus. Zuerst sah es ja gar nicht schlecht aus, als sie sich 1992 olympisches Gold erspielte. Sie war  auf dem besten Wege die Prophezeiungen der Fachleute zu erfüllen. Aber auch Fachleute können sich täuschen. Das amerikanische Tenniswunderkind entwickelte sich ganz anders. Anstatt die Weltrangliste zu erobern, versuchte sie ihre versäumte Jugend nachzuholen, und verschwand für einige Jahre von der Tennisleinwand. Jetzt, vier Jahre später versucht sie ein Comeback, leider ein Trauriges. Auch bei diesem zweiten Anlauf blieb der erhoffte Erfolg aus. Und was hat sie nun davon? - Eine verpfuschte Jugend und eine ungewisse Zukunft. Selbst wenn es eine Steffi Graf geschafft hat, vor allem durch die Unterstützung ihres übergierigen Vaters, so meine ich, ist Graf die Ausnahme, die die negative Regel „Capriati“ bestätigt.

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