Weindorf
läßt grüßen
Waren
Sie schon mal auf dem Weinfest in Ludwigsburg? Nein? Na ja, da haben Sie auch
nichts versäumt. Besucher gibt es dort wie in Heilbronn. Zwar ist alles in
Ludwigsburg etwas kleiner, aber nicht feiner. Weniger
Weingärtnergenossenschaften schenken dort schlechtere Weine aus. Nehmen wir
beispielsweise einmal Grantschen. Die sind in Heilbronn und in Ludwigsburg
vertreten. Doch in der Unterländer
Metropole würden sich die Grantschener nicht erlauben, solch mittelmäßige Weine
für soviel Geld zum Verkosten anzubieten. Sechs Mark das Viertele eines
eisgekühlten Trollingers! Da bekommt der passionierte Weinzahn in Heilbronn
beinahe schon eine Flasche dafür. Die Ludwigsburger haben dennoch getrunken und
nicht zu knapp. An manchen Ständen gingen die Probiergläser aus. Auch undenkbar
in Heilbronn. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß außerhalb der
kritischen Weingemeinde Heilbronns von den Unterländer WGs Masse statt Klasse
geliefert wird. Gemach, gemach ihr protestierenden Wengerter, ich war auf
diesem Ludwigsburger Weinfest. Und da hätten die Weingärtner ruhig ein bißchen
mehr fürs Renomée tun können. Denn die Gäste waren wohlbetucht, immerhin
konnten sie sich Shrimps und wohlschmeckende Salate leisten. Dazu hätte eine
richtig gute Flasche Wein gepaßt.
Neuer
Duden
Langsam
aber sicher erblickt die Rechtschreibreform das Licht der Orthographie-Welt.
Zwar wird sie erst im Jahr 1998 offiziell eingeführt, ABC-Schützen in der
Hälfte der deutschen Bundesländer lernen aber schon ab sofort das Schreiben
nach den 112 neuen Regeln. Was der Bibel die zehn Gebote sind, ist der Duden
für die Rechtschreibung. Und so kann man in der völlig neu bearbeiteten Auflage
der orthographischen Schrift, die in diesen Tagen erschienen ist, zum Beispiel
folgendes nachlesen: „Der Tollpatsch
schnäuzt in den rauen Flanelllappen.“. Das muß jetzt so sein, weil
„Tolpatsch“ ja von „toll“ und „schneuzen“ von „Schnauze“ kommt. „Rauh“ klingt
doch genauso wie „grau“, wozu dann noch ein läppisches „h“? Tollerant (siehe
„Tolpatsch“) zeigt sich die Reform bei „Flanellappen“, denn dieser muss (auch
neu!) nicht unbedingt mit „lll“, sondern kann auch im Bedarfsfall mit
Bindestrich geschrieben werden. Was soll ich dazu sagen? Ich sage schlicht:
Liebe Reformer, warum so umständlich? lassen wir doch die gross- und
kleinschreibung gänzlich weg, wozunochauseinanderschreiben, wennmandochsovielmehrplatzsparenkann?satzzeichengebrauchenistdochebensolästigund
warumkomplizirtschreibenwennesdocheinfacherget
drumsergeerteortografenwozuüberhaupteinerechtschreibreform .
Selbstjustiz
Es
gibt Städte, die weisen eine hohe Kriminalitätsrate auf. Woran es liegt?
Darüber spekulieren die Fachleute. Heilbronn
ist zum Beispiel für seine Drogenkriminalität im ganzen Land Baden-Württemberg
bekannt. Jahrelang hatte man die Augen davor verschlossen, wollte nicht zur
Kenntnis nehmen, was jedem aufmerksamen Bürger auf den Straßen, in den Parks,
in den Hausecken schon längst ins Auge gestochen war. Erst als der Protest der
Bürger heftig wurde, ging man in der Innenstadt gegen Dealer und ihre Klientel
vor. Gleichzeitig wollte man von Seiten
der Stadt in einer konzertierten Aktion den Drogensüchtigen helfen, einen
Kontaktladen in der City einrichten. Schöne Schreibtisch-Träume, die sich
offensichtlich bis zum heutigen Tag nicht in konkrete Pläne umsetzen ließen.
Wer will auch schon einen solchen Laden, der in seinem Umfeld auch immer ein
Kontakthof für Dealer ist, in seiner Wohn- oder Geschäftsumgebung haben? Dabei
könnte die Stadt ihren Plan schnell in die Tat umsetzen. Eigene Gebäude und
Räumlichkeiten in der Innenstadt besitzt sie ja mehr als genug. Wenn der
demokratische Staat keine Willenskraft mehr besitzt, seine eigenen Gesetze in
die Tat umzusetzen, wenn Straftäter juristisch besser abgesichert als die Opfer
sind, dann ist nicht nur was faul im Staate D., dann wird auch langsam aber
sicher der Selbstjustiz Tür und Tor geöffnet. In Südafrika gehen muslimische
Fundamentalisten unter dem Beifall der Bevölkerung mit Waffengewalt gegen
Dealer und Banden vor. Man will die Gesellschaft vom Abschaum reinigen, heißt
es dort. Wer dazu gehört, das bestimmen dann nicht mehr die Gesetze, sondern
die Selbstreiniger. Mir graut vor solchen Zuständen.
Rathaus-Spitze
Heilbronn
hat mehr als 400 Millionen Mark
Schulden. Eine stolze Zahl. Und deshalb wird die Aufstellung des Etats 1997 für
den Ersten Bürgermeister Werner Grau
auch eines der schwierigsten Haushaltsverfahren, das es je gegeben hat. Aber
das allein macht für ihn die Arbeit auf dem krisengeschüttelten Heilbronner
Rathaus als amtierender Oberbürgermeister nicht zur Plage. Die 5.300
Mitarbeiter in der Stadtverwaltung scheinen immer noch wie gelähmt durch die
kriminellen Machenschaften einiger Kollegen, durch die aufgedeckten
Schlampereien in zu vielen Verwaltungsabläufen. Durchgeforstet soll jetzt werden – in allen fünf Dezernatsbereichen und
vierzig Amtsleiterstellen. Was bisher so an den Tag kam, ist kaum
beschreibbar, so skandalös ist es. Und hinzu kommt jetzt eine Dezimierung der
Verwaltungsspitze. Oberbürgermeister Manfred Weinmann befindet sich im Urlaub
und wird sich danach einer Herzoperation unterziehen. An seinem Schreibtisch
wird er wahrscheinlich frühestens im Dezember wieder sitzen. Verkehrs- und Sozialbürgermeister Harald Friese muß
demnächst eine komplizierte Hüftoperation über sich ergehen lassen. Und der Kulturbürgermeister Reiner Casse, so
schrieb letzte Woche die Stuttgarter
Zeitung, muß derzeit seine ganze Kraft zusammennehmen, um wenigstens seine
üblichen Pflichten zu erfüllen. „Wie schwer der notorische Raucher an
Rückenschmerzen sowie an den Folgen einer knapp überstandenen bösartigen
Krankheit leidet, ist für seine Umgebung sehr klar ersichtlich: Casse
verzichtet inzwischen sogar auf seine geliebten Glimmstengel.“ Das Rathaus rutscht also in die „Grau-Zone“,
so sollen ratlose Verwaltungsleute mit Galgenhumor formuliert haben. Neben
Werner Grau steht dann noch der voll einsatzfähige Baubürgermeister Ulrich Frey, der die Kaiserstraße so im
derzeitigen Zustand belassen will, obwohl der OB anderes versprochen hat. Eine Bewährungsprobe
für die beiden neuen starken Männer im Gemeinderat, die Fraktionsvorsitzenden Artur Kübler (CDU) und Harry Mergel (SPD).
Weinemakers
Wir
alle zahlen Steuern. Wenn wir arbeiten. Oder Besitz angehäuft haben. Der Staat
hält die Hand auf, wo immer ihm das opportun erscheint und möglich ist. Abgaben
werden von Jahr zu Jahr erhöht, die Staatsquote liegt bei über 50 Prozent –
beschlossen von den Parlamenten, ob im Bund, Ländern oder in den Kommunen, in
denen teilweise schon 70 Prozent Beamte sitzen. Der Staat, das sind kaum mehr
wir Bürger, sondern vornehmlich jene, die ihn auch verwalten. Inkompatibilität, ein schwieriges Wort, das
einfach ausdrückt, was in einer Demokratie der Normalfall sein sollte: Die
Unvereinbarkeit von Amt und Mandat. Ein Beamter oder Angestellter des
Staates darf nicht Abgeordneter sein – also Gesetze beschließen, die er später
selbst auszuführen hat. Aber genau das ist bei uns üblich. Legislative und
Exekutive, Gesetzgeber und die Ausführenden der Gesetze, sind nicht mehr scharf
getrennt. Die Gewaltenteilung, ein Grundprinzip der bürgerlichen Demokratie,
funktioniert nicht mehr wie eigentlich gewollt. Aber offenbar ist dieses
Prinzip nicht nur beim Staat in eine Schieflage geraten. Margarethe
Schreinemakers, Showmasterin beim Fernsehsender Sat 1, hatte die Schlagzeilen
der letzten Woche fest im Griff. Sie wollte eine persönliche Erklärung über
ihre Steuermoral in ihrer Fernsehsendung abgeben. Gottseidank hat uns der
private Fernsehsender vor dieser geschwätzigen Erklärung eines Showgirls, das
sich Journalistin nennt, bewahrt. Wo kämen wir auch hin, wenn jeder Journalist
das Medium, in dem er arbeitet, als Publikationsorgan für seine privaten
Belange und Einsichten benutzt. Mit journalistischer Arbeit und Ethos hat das
wenig oder gar nichts zu tun. Natürlich geschieht sowas gelegentlich auch bei
uns in der Region – wenn eine Redakteurin ihren Bruder, der als Bürgermeister
kandidiert, in ihrem Medium besonders hervorhebt. Aber das war dann so
offensichtlich, daß es diesem Herrn mehr geschadet als genutzt hat. Vor Ort
kennt man halt seine Pappenheimer.
Jagsthausen
Wenn
Jagsthausen und seine Burgfestspiele Bilanz eines Theatersommers ziehen, dann
sind seit Jahren schon Rekorde zu vermelden. 73.782 Zuschauer in 76
Vorstellungen im Burghof derer von Berlichingen. Das entspreche einer Platzausnutzung von 101,2 Prozent. Sagt die
Festspielleitung. Nach meiner Rechnung hat man demnach in jeder Vorstellung
11,46 Stühle dazugestellt. Was natürlich nur in Jagsthausen möglich ist. Denn
in Schwäbisch Hall auf dem Marktplatz
vor der 54stufigen Treppe können bis zu 1.500 Stühle aufgestellt werden und viele Leute dazu noch
vor dem Rathaus herumstehen – an preiswerten „Stehplätzen“. Von Platzausnutzung
ist dann keine Rede mehr, da zählen nur die absoluten Zahlen. Deshalb sei
vermerkt: Spitzenreiter war in Jagsthausen das Musical „Kiss me Kate“ mit
27.342 Zuschauern in 25 Vorstellungen; das Traditionsstück, Goethes „Götz von
Berlichingen“ (diesmal mit dem „Seewolf“ Raimund Harmstorf in der Titelrolle)
lockte 19.975 Zuschauer in 20 Vorstellungen in den Burghof; und das Märchen
„Schneewittchen“ sahen 21.886 Kinder und Erwachsene in 24 Vorstellungen.
Darüberhinaus gab es auch noch Gastspiele: vier Vorstellungen „Das
Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“ mit 2.068 Zuschauern, die Gastspiele des
„Palast-Orchesters“ (1014 Besucher), der Musikgruppe „Des Gayers Schwarzer
Haufen“ (720 Zuschauer) und die Musical-Gala mit Petra Constanza (798
Besucher). Und im nächsten Jahr ab dem 12. Juni sind wieder Burgfestspiele
angesagt. Fest steht heute schon: Auf den „Götz“ und „Kiss me Kate“ können sich
die Freilichttheater-Fans sich heute schon einrichten. Wer auch immer den
derben schwäbischen Gruß durch den Burghof schmettern wird. Und die
Zuschauerzahlen werden wieder Rekordhöhe erreichen. Das bleibt so. Denn –
Jagsthausen hat Weltniveau, weil es so deutsch und heimatverbunden ist.
Rauchen
macht krank
Zehn
Mark soll demnächst die Schachtel Zigaretten kosten. Rauchen im Auto, am
Arbeitsplatz,in öffentlichen Gebäuden, in der Nähe von Kindern soll verboten
werden. Keine schönen Aussichten für die
Nikotin-Jünger. Denn Rauchen ist eine gesundheitszerstörende Sucht. Sagen einige Fundi-Politiker aus CDU und
SPD. Die Argumente sind bekannt. Vor allem aus der Prohibitionszeit in den
Vereinigten Staaten. Damals ging es um Alkohol. Und das Gesetz war ein Schuß,
der gehörig nach hinten losging. Ja es war sogar ein Wegbereiter für die
wachsende Macht der Mafia und vieler krimineller Banden in den Staaten. Da
hatten sich die hysterischen und frommen Damen der guten Gesellschaft, die
nichts als den Schutz der schwachen Menschen im Sinne hatten, was Schönes
eingehandelt. Auswirkungen dieses Geistes sehen wir heute noch in den
skandinavischen Ländern, wo alkoholische Getränke teuer sind, meistens in den
eigenen vier Wänden oder in gewissen Kaschemmen getrunken werden dürfen. Der
Konsum wurde dadurch nicht sonderlich eingedämmt. Und wer schon mal Schweden,
Dänen oder Norweger an Mittelmeerländern erlebt hat, der weiß, was ein Verbot
anrichten kann. Auf jeden Fall fördert es nicht den sinnvollen Umgang mit einem
Rauschmittel, mit dem seit Jahrtausenden in diesen Breitengraden relativ
vernünftig umgegangen wird. Sind Tabakwaren nun Genußmittel oder Rauschmittel?
Dieselbe Frage läßt sich in unserem Land beim Wein oder Bier stellen. Krank
werden kann man von diesen Mitteln immer dann, wenn sie im Übermaß genossen
werden werden. Wie bei allem. Sagte doch der CSU-Politiker Peter Keller: „Alle
reden über Aids und Drogen – dabei sind Alkohol und Rauchen viel schlimmer.“
Ich sage: Nur in Bayern nicht. Denn da herrscht das Reinheitsgebot.
Dienst
am Kunden
Jammern
ist Mode in Deutschland. Die öffentlichen Kassen sind leer, der Sozialstaat
blutet aus, immer mehr Menschen suchen Arbeit. Auch im Unterland ist diese
Versorgungsmentalität festzumachen. Ein Beispiel an den Amerikanern sollten wir
uns nehmen. Bei Produkten und Dienstleistungen gelten dort viel stärker die
Gesetze des Marktes, während bei uns zuviel reguliert ist – von den Löhnen bis
zu Existenzgründungen. Da gibt es Menschen wie Herbert Henzler, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey,
der mit rund drei Millionen neuen Arbeitplätzen bei uns rechnet, würden wir
mehr Dienstleistungen anbieten. Henzler tat dies unlängst vor einem erlauchten
Kreis Unterländer Wirtschaftsbosse und Politikern kund. Falsch läuft, laut Henzler,
besonders folgendes: Bei uns sind in den letzten 15 Jahren die neu geschaffenen
Jobs zu mehr als einem Drittel im öffentlichen Dienst entstanden. Wir haben
mittlerweile einen Anteil der Staatsausgaben an der gesamtwirtschaftlichen
Leistung von über 50 Prozent. In den USA liege die Staatsquote nur bei 30
Prozent. Da schaffen natürlich viel mehr die Unternehmer neue Arbeitsplätze.
Beleg dafür ist, der Anteil der Selbstständigen an den Erwerbstätigen ist in
den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Er liegt nur noch bei acht
Prozent. Eine Tendenz, die Henzlers Zuhörer auch im Unterland festgemacht
haben. Henzlers Fazit und Tip: Wir
müssen flexibler, innovativer und mobiler werden.
Faulheit?
Zugegeben,
besonders reizvoll war dieser Sommer nicht. Sonne und Regen wechselten sich in
schöner Regelmäßigkeit ab. Wenig profitiert haben davon die Freibäder im
Unterland und anderswo. Die Badegäste erschienen nicht so zahlreich wie in den
Jahren zuvor. Dennoch, die Gemeinden mit Pool unter freiem Himmel halten ihre
Schwimmbecken geöffnet. Pech hat
allerdings derjenige, der bei dunklen Wolken am Himmel seine Bahnen im
Untergruppenbacher Freibad ziehen will. Der Kontrollanruf, ob denn trotz
des wenig schönen Wetters geöffnet ist, wird mit „ja freilich“ beantwortet. Der
vermeintliche Badegast, der etwa eine Stunde später vor den Pforten des
Untergruppenbacher Freibades steht, wird mit den Worten abgewiesen „es herrscht
Gewitterstimmung“. Okay, am Himmel sind einige dunkle Wolken, aber von
gefährlichen Blitzen oder Donner nichts zu sehen bzw. zu hören. Und im
Oberstenfelder Freibad? Da ist geöffnet, obwohl hier das gleiche Wetter
herrscht. Da werde ich den Verdacht nicht los, daß das Untergruppenbacher
Badepersonal sich einen schönen Nachmittag machen wollte. Es sei ihnen ja
gegönnt, aber dann doch bitte nicht am Telefon erklären, daß das Schwimmbad
geöffnet ist. Denn der Badegast wird bei durchwachsenem Wetter künftig immer
wieder ins Oberstenfelder Mineralfreibad abtauchen. Untergruppenbach hat einen
Kunden verloren.
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