Ballzeit
Der Herbst ist da – Zeit der Bälle. In Stuttgart wird
demnächst wieder der Landespresseball in der Liederhalle stattfinden, das
politisch-gesellschaftliche Großereignis im Ländle. Was Namen hat oder haben
möchte, wer gesehen werden oder Prominenz sehen will, dem ist dieser Termin in Stuttgart
ein „Muß“. Schließlich gibt’s ein großes
Auto als Hauptpreis der Tombola zu gewinnen. Im vergangenen Jahr war es ein
Audi, vielleicht ist’s heuer ein Mercedes. Auch in Heilbronn gab es in den
vergangenen zehn Jahren einige Pressebälle, die es in sich hatten. Wochen zuvor
waren schon alle Karten weg. Man riß sich förmlich darum. Am 19. Oktober sollte
mal wieder einer stattfinden. Anlaß: Der
fünfzigste Geburtstag der Tageszeitung „Heilbronner Stimme“. Am Samstag war
zu lesen, daß der Heilbronner Presseball abgesagt ist. Grund: Mangelndes Interesse bei den Lesern.
Wie sich die Zeiten doch wandeln – und das in so kurzen Zeitabschnitten. Dabei
hatte gerade der Heilbronner Ball oft eine angenehmere Atmosphäre als der
Stuttgarter. Vielleicht schließen sich beim nächsten Presseball-Termin einfach
mal alle in Heilbronn versammelten Medien zusammen, planen gut und rühren dann
ordentlich die Werbetrommel. Es muß doch was werden mit der Presseball-Tradition,
wenn die Tageszeitung Heilbronner Stimme,
der Neckar Express, der Tip, das Südfunk-Frankenradio, die Privatradios Antenne 1 und Radio Ton
sowie ein Szeneblatt wie Moritz
gemeinsam zum Presseball und einem guten Zweck aufrufen. Das wäre doch gelacht.
Einkaufen – bis wann?
Ab 1. November dürfen die Bäcker auch sonntags drei
Stunden lang frische Brötchen verkaufen. Und auch die Läden dürfen werktags bis
20 Uhr geöffnet sein, samstags bis 16 Uhr. Aber es scheint für viele Kaufleute
eher eine Qual zu sein, sich auf diese neuen Ladenschlußzeiten einzustellen. Als so manche Läden dazu übergingen, die
Pforten für die Kunden erst um 9 oder 10 Uhr zu öffnen, wurde wenig Aufhebens
gemacht. Als dann der lange Donnerstag eingeführt wurde, gab es einen Sturm
der Entrüstung – vor allem bei den Gewerkschaften. Und auch jenem verzagten
politischen Kompromiss, der ab 1.11. eingeführt wird, gingen Kämpfe voraus, als
ob der Bestand des deutschen Einzelhandels und seiner Beschäftigten auf dem
Spiel stünde. Dabei wäre es doch am sinnvollsten, wenn die Politik es den
Geschäftsleuten überließe, wann sie ihre Läden öffnen und schließen wollen.
Denn die haben ja wohl den intensivsten Kontakt zu den Kunden und sollten
wissen, was „der König“ will und verlangt. Aber dem ist das deutsche
Obrigkeitsdenken davor. Der Staat soll regeln. Schon hat man die Verantwortung
los. Die meisten haben, wie es der alte Goethe schon sagte, vor der Freiheit
einen mächtigen Bammel. Jetzt werden schwere Gedankenblöcke hin und her gewälzt,
ob man nun bis 19 oder 20 Uhr geöffnet haben soll. Ob samstags bis 14 oder 16
Uhr für Kunden die Ladentüren offenstehen. Die großen Kaufhäuser in Heilbronn
haben sich schon entschieden. Sie wollen die Öffnungszeiten voll ausnutzen. Mir
scheint, manche Kaufleute wollen nur ein gutes Geld verdienen, der Kunde ist
dabei ein lästiges, aber notwendiges Übel. Mit dieser Haltung aber wird es
weiter zu Konzentrationen im Handel kommen.
Teures Schwein
Die liebe Landwirtschaft – unser aller Ernährer. Ihr
geht es schlecht. Die Bauern und Metzger im Unterland sind seit langer Zeit
schon nervös geworden. Schuld ist der drastische Rückgang des
Rindfleischverbrauches wegen der Rinderseuche BSE, die uns die Freunde aus
England beschert haben. Zumindest erzählte mir das ein Metzger. Aber knitz
winkte er gleich wieder ab, die Deutschen essen dafür wieder mehr
Schweinefleisch. Und man zieht natürlich sofort seinen Profit aus dieser
Entwicklung. Die Ladenpreise fürs Schwein steigen. Ein Kilogramm Kotelett habe
im August im Schnitt 11,41 Mark gekostet. Das
sind 74 Pfennige mehr gewesen als im April vor der BSE-Krise. Gegenüber den
August-Preisen von 1995 bedeutet dies einen Anstieg von fast acht Prozent. Bei
Schweineschnitzeln, so der Metzger, sehe der Trend ähnlich aus. Also war die
Krise für die Fleischhauer nur von kurzer Dauer. Anders sieht es natürlich bei
Bauern aus, die sich auf Rindfleischvermarktung spezialisiert hatten. Die
müssen jetzt erst einmal wieder das Vertrauen von uns Verbrauchern
zurückgewinnen. Und da stehen sie verdammt alleine in der Landschaft herum. Die Euro-Bürokraten
mahlen langsam.
Ebbes Neus
Ebbes – das heißt bei uns im schwäbischen Dialekt ins
Hochdeutsche übertragen einfach „etwas“. Hasch ebbes gsagt? Das klingt zornig –
oder auch nicht. Und jetzt heißt auch noch ein neues Monatsmagazin im Unterland
„Ebbes“. Schön bunt gemacht, grafisch ordentlich aufbereitet liegt die erste
Nummer vor mir. Auffällig nur, daß die Macher bis vor wenigen Wochen im
stärksten Szene-Blatt am Markt
namens „Moritz“ ihre Feder
schwangen. Auch wenn der Fehlerteufel sich in die Orthografie und bei
Satzzeichen ins Computersystem eingeschlichen hatte (das soll ja vorkommen),
hat der Mut und das Engagement die Macher um Marcel Friedel (einst „Moritz-Chefredakteur“) nicht verlassen. Ein
Motto der Blattmacher: „Lieber zweimal gegen den Strom als einmal mit dem Wind,
denn wer immer mit den Wölfen heult, bleibt zu Lebzeiten ein Dackel.“ Gut
gebrüllt, Löwe! Und ich kann nur sagen: Auf daß der Wind in deinem Rücken nie
dein eigener sei. Schließlich existieren in der Region um Heilbronn bisher
insgesamt vier solcher Szene-Blätter, die uns kostenlos verkünden, wo im
Monatsverlauf welche Treffen und Ereignisse stattfinden, welche Kneipen
eröffnet wurden, welche Filme in den hiesigen Kinos anlaufen und welche Bücher
oder Schallplatten in einschlägigen Geschäften gerade neu eingetroffen sind. Ob
für alle vier dieser Szeneblätter Platz am Markt ist, das wird der harte
Konkurrenzkampf in Zukunft zeigen. In anderen Großstädten haben nur jene überlebt,
die von großen Verlagen gesteuert werden. Aber das muß ja im Unterland nicht
auch so sein. Hier gibt es ja viele Ausnahmen bei den wirtschaftlichen Regeln.
Abfall beseitigen
Jetzt endlich haben die Politiker den Stein der Weisen
vor unsere Mülltonne gerollt. Denn merke: des Deutschen höchste Zier, ist
Abfall vermeiden, heut und hier. Unsere Fundis bei den Grünen und in anderen
Parteien haben als Lebensziel für jetzige und künftige Generationen das Trennen
und Sortieren von Müll verordnet. Das Ideal lautet: Möglichst überhaupt keinen
Müll erzeugen. Das wäre ja auch in Ordnung, wenn da nicht wir Menschen wären.
Aber selbst Gott hat mit uns gehadert und uns aus dem Paradies vertrieben. Der Sündenfall unserer Zeit lautet
fundigemäß: Müll. Wenn jetzt die Sauberkeit zum Gesetz erhoben ist,
vielleicht nähern wir uns dann wieder einmal paradiesischen Zuständen, nachdem
Kommunisten und Sozialisten politisch bei diesem Rennen außen vor sind. Das
neue Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht eigentlich vor, daß niemand mehr Müll
erzeugt. Wenn, dann muß er selber dafür sorgen, daß der Müll entweder
wiederverwendet wird oder mit hohen Kosten beseitigt wird. Wer also etwas
herstellt, der muß künftig auch dafür sorgen, daß es wieder verschwindet –
irgendwie. Produktverantwortung nennt man das jetzt. Um zu erreichen, daß der
Müll auch wirklich nicht erzeugt wird, werden jetzt Ausführungsverordnungen
erlassen. Zunächst soll eine Autoschrottverordnung kommen. Die SPD meint, diesem neuen Regelwerk fehlen eigentlich die Zähne.
Aber dort, wo sie in den Ländern regiert, werden die Müll-Hauer schon
eingezogen. Wir müssen uns wieder mal auf höhere Müllgebühren und höhere
Produktpreise einrichten. Denn letztlich wird kein Unternehmer das neue Gesetz
zum Gotteslohn umsetzen. Der Verbraucher zahlt. Wer denn sonst? Und was bringt
es der Politik? Mehr Beamte, die das Regelwerk überprüfen. Denn die Politiker
(in der Mehrzahl Beamte) sorgen schon für ihre Klientel.
Färrnsähn
Kennen Sie jene kurze Szene von Loriot, in der eine
recht wohlbeleibte Dame mit großer Straußenfeder in den Haaren, Knollennase
und mit wohliger Stimme im Fernseher
verkündet: „Guaden Apentt, meine Dame
und Herrn. Hier ischt das schwäbische Färrnsähn“. Eine Karikatur? Nicht
nur. So und ähnlich wird heute noch im Süddeutschen Rundfunk Fernsehen gemacht.
Trotz Privatsender und anderer Konkurrenz. Spätzles-Sender
nennen wir das, was uns dort geboten wird,
dann liebevoll. Aber das soll ja demnächst anders werden. Dann, wenn der
große Landessender im Südwesten bei uns kommt. So recht weiß noch niemand in
Stuttgart, ob wir mit denen in Rheinland-Pfalz und dem SPD-Beck zusammengehen
sollen. Nur der Manfred Rommel, der scheidende
Stuttgarter OB, will einen Sender für Baden-Württemberg. Sollen doch die
überm Rhein mit dem Landrat des Saarlandes eine neue Rundfunkanstalt bilden.
Nun behaupten einige in Stuttgart, der Rommel habe nur gesagt, was der Teufels
Erwin in der Staatskanzlei denkt. Denn wenn schon der Anachronismus aus der
Besatzungszeit beendet wird, daß die Grenze für die beiden
öffentlich-rechtlichen Sender SDR und SWF in Baden-Württemberg die Autobahn
Ulm-Karlsruhe ist, dann wollen wir auch eine Identität im Ländle beim
Quasi-Staatsgebilde-Rundfunk haben. Wie die in Bayern oder Hessen. Aber soweit
ist es noch nicht. Jetzt wird erst einmal verhandelt. Das kostet unser Steuergeld und Politiker-Nerven. Und irgendwann,
wenn die Politiker genug Geld ausgegeben haben, dann wird gehandelt. Aber davor
sind – wie in den letzten zwanzig Jahren – noch viele Kommissionen. Und die
kosten.
Unterland Ausstellung
Eine halbe Woche ist es schon her, daß die Unterland
Ausstellung auf der Heilbronner Theresienwiese ihre Tore dicht gemacht hat.
Schön war’s gewesen. Und alle, die aktiv vor Ort dabei waren, haben sich schwer
gelobt. Mußte ich am Sonntag im Radio vernehmen. Nur ein paar wenige Aussteller
haben nicht das erreicht, was sie sich erhofft und erträumt hatten. Deshalb
wollen sie in zwei Jahren nicht wiederkommen. Die anderen waren’s zufrieden.
Sagt die Ausstellungsleitung. Es hatte
ja auch seinen Reiz, durch die Zeltbauten auf der Theresienwiese zu stapfen.
Volksfest-Atmosphäre mit Überdachung. Bei 90.000 gezählten Besuchern in neun
Tagen. Hätte man die Zahlen geschätzt, alle jene hinzugerechnet, die nur
anlieferten oder dort arbeiteten, dann wäre man schnell bei weit über 100.000
Besuchern der Unterland Ausstellung gewesen. Das Konsumverhalten der
Verbraucher sei schon noch zurückhaltend, wurde an einigen Messeständen
beobachtet. Aber das hätten die Aussteller von Beginn an mit einkalkuliert und
somit die Erwartungen niedriger angesetzt. Nur 37 Prozent der Aussteller waren
mit dem Messegeschäft zufrieden, als sehr gut bis gut bewerteten sogar rund 47
Prozent die Messetage in Heilbronn. Lediglich 13 Prozent waren weniger zufrieden.
Wenn allerdings zur gleichen Zeit in Heilbronn der Hafenmarkt in der Sülmer-City
an den letzten drei Messetagen zu einem „Besuchermagnet“ geworden war, dann
werden die Besucher nicht an zwei Orten gleichzeitig sein können. 50.000 sollen
laut Schätzung des Heilbronner Verkehrsamtes in der Innenstadt gewesen sein. Da
war man dann ein wenig sauer bei der Ausstellungsleitung. Aber die nächste
Unterland Ausstellung ist schon fest geplant: vom 26. September bis 4. Oktober
1998
Sportglotze
Regelmäßig samstags um 18 Uhr ist für Millionen
Deutsche „ran“-Zeit. Man setzt sich vor seinen Fernseher, macht es sich
gemütlich und freut sich auf die Spiele der Fußballbundesliga. Die Freude währt
allerdings nur kurz, denn schon nach dem ersten Spiel kommt Werbung. Man
schwingt sich aus seinem Sessel und geht genervt zum Kühlschrank, weil man ja
nichts anderes zu tun hat. Kaum geht es
wieder los, kommt nach dem zweiten Spiel auch schon der nächste Werbeblock.
Frustration und leichter Ärger macht sich breit. Mit Wehmut denkt man an die
gute alte Sportschau zurück, bei der man die Fußballbundesliga noch ohne viel
Trara und vor allem ohne Werbung genießen konnte. Aber schon wird das dritte
Spiel angekündigt und der aufgebrachte Fußballfan beruhigt sich wieder. Selbst
weniger intelligente Interviews mit Fragen wie „An was hat’s gelegen?“ oder
„Wie haben Sie das Tor gesehen?“ werden ohne großes Murren ertragen, nur um
endlich wieder ein Fußballspiel zu sehen. Aber allmählich muß man sich fragen,
ob hier „ran“ von Werbung unterbrochen wird, oder ob kurze Fußballeinlagen als
Unterbrechung für den Kommerz dienen. Was
sich die Verantwortlichen hier erlauben, ist nicht nur pure Geldmacherei,
sondern auch eine Frechheit dem Zuschauer gegenüber. Auf dem gleichen Kanal
läuft auch das Glücksrad, und diese Sendung muß mit der Einblendung
Dauerwerbesendung versehen werden. Bei „ran“ ist das nicht so, doch lassen sich
gewisse Ähnlichkeiten nicht leugnen.
Feste Zahlen
Am Wochenende ging das Cannstatter Volksfest zu Ende.
5,1 Millionen Besucher hatte die Stadt Stuttgart gezählt, wurde am Montag
verkündet. 300.000 weniger als im vergangenen Jahr. Viel Streit hatte es um die
Schätzungen der Zuschauerzahlen schon im Vorfeld gegeben. Die Wirte und
Schausteller waren mit diesen amtlich hochgerechneten Zahlen nicht
einverstanden und ließen genauer zählen. Und dabei kamen sie auf 1,8 Millionen
Besucher. Walter Weitmann, der Präsident des Landesverbandes der Schausteller
und Marktkaufleute (LSM) behauptete sogar, daß man bis Samstag (vergangener Woche)
1.714.000 Besucher auf dem Cannstatter Wasen gezählt habe. Mit dem Sonntag als
Abschlußtag seien es dann rund 1,8 Millionen gewesen. Bis Sonntag hatte die
Stadt Stuttgart allerdings schon 5,4 Millionen Besucher gezählt, basierend auf
der geschätzten Auslastung der Bierzelte und Fahrgeschäfte. Am Montag wurde
dann die Korrektur nachgeschoben. „Wir
haben nie behauptet, daß unsere Zählung genau ist“, meinte Lothar Breitkreuz, Chef der
städtischen Marktgesellschaft VMS. Für eine genaue Zählung würden Einrichtungen
wie Eingangsverengungen oder Drehkreuze fehlen. Das sei dann mit erheblichen
Kosten verbunden und führe zu Staus an den Eingängen. Jetzt ist man in
Stuttgart auf die Schausteller sauer. Sie hätten das große Bierfest mehr oder
minder kleingezählt und Stuttgart stünde im Vergleich mit anderen Volksfesten
in der Republik schlecht da. Nun können
wir uns aussuchen welche Zahlen stimmen. Die der Schausteller oder die der
Stadt. In Heilbronn wird ja auch immer ordentlich geschätzt, wenn es um die
Feste und Märkte geht. Und die Zahlen sind jeweils großartig. Ob beim
Unterländer Volksfest, dem Pferdemarkt, dem Weindorf oder jetzt erst wieder
beim Hafenmarkt. Bislang müssen wir den Meßverfahren der Stadt glauben. Aber
vielleicht kommt auch jemand mal auf die Idee zu zählen – wie in Stuttgart.
Stuttgarter Kampf
Es geht in die letzte Runde. Stuttgart wählt am 20. Oktober einen neuen Oberbürgermeister.
Fünf ernsthafte Kandidaten und viele, viele andere stellen sich zur Wahl. Kein
leichtes Erbe nach der Rommel-Ära. Manche Beobachter meinen ja, daß auch in
Stuttgart das passiert, was sich in einigen Unterländer Kommunen ereignet hat,
als sich die alten Amtsinhaber nicht mehr zur Wahl gestellt hatten. Mittelmaß
hielt Einzug. Die alten, knorzigen,
charakterstarken Schultes-Typen von einst seien im Aussterben begriffen.
Gefragt sei demgegenüber heute ein Kommunalmanager. In Stuttgart wollen dies
alle Bürgermeisterbewerber sein – außer dem Grünen Rezzo Schlauch. Aber der hat
seine Wahlchancen wohl schon in Edelrestaurants und mit eigentümlichen
Vorstellungen zur Wirtschaftspolitik erheblich verringert. Ob denn heute das
Mittelmaß in der Politik sich heute breit mache, wollte erst am Wochenende eine
Zeitung vom noch amtierenden OB Manfred Rommel wissen? Und der antwortete den
moralisierenden Fragestellern mit den Worten: „Ich war ja auch mal mittelmäßig
– vielleicht bin ich’s sogar geblieben – aber ich bilde mir ein, ich hätte mich
im Amt etwas verbessert. In der Demokratie gibt es keine Helden, weil die
Demokratie keine Helden aushält. Sie macht vielleicht Helden, aber sie
bleiben’s nicht lange, denn die Demokratie organisiert eben die Kritik, und da
gibt’s keinen, der unkritisiert bleibt. Das ist ja auch der große Vorteil der
Demokratie. Allerdings ist das emotional ein großes Problem, weil viele wegen
dieser Kritik meinen, es gäbe keine idealen Menschen mehr. Es gibt aber
Menschen, die dem Ideal nahekommen, und solche, die weit von ihm entfernt sind.
Aber ganz das Ideal erreichen, das ist kaum möglich, zumindest in der
politischen Praxis.“ – Dann werden also die Stuttgarter einen wählen, der dem
Ideal nahekommt. Und der heißt nach Manfred Rommels Meinung Wolfgang Schuster,
ist 47, war einst sein Persönlicher Referent, danach OB in Schwäbisch Gmünd und
ist derzeit Kulturbürgermeister in Stuttgart. Am 21. 10. wissen wir, ob die
Stuttgarter den Wunsch des scheidenden OB erfüllen wollen.
Spione am Werk
VW in Wolfburg war in heller Aufruhr. Wir erinnern
uns: Da hatten Industriespione mit einer im Erdhügel verstecken Kamera an einer
Teststrecke bei Wolfburg über Monate hinweg Prototypen von VW fotografiert. Der VW-Konzern hatte sich immer wieder
gewundert, wie Fotos dieser sogenannten Erlkönige in Autozeitschriften
auftauchen konnten. Dann war klar: Industriespionage.
Ein Delikt, das nach Ende des Kalten Krieges und der Ost-West-Polarisierung
immer häufiger vorkommt. Auch wenn nach Angaben der Verfassungsschutzbehörden
die Dunkelziffer enorm groß ist. Nun fragt sich natürlich mancher Unterländer
Bürger: Wie sieht es denn hier beim Audi-Werk aus? Da kann man wohl beruhigen.
Fahrzeuge werden hier produziert. Die richtige Entwicklung geht am anderen Ort
vonstatten. Dennoch – selbstverständlich hat das Audi Werk in Neckarsulm einen
gut funktionierenden Werkschutz. Und der wird potentielle Gelegenheitstäter
abfangen. Gegen hoch-technisierte Profis der Geheimdienste ist der Werksschutz
allerdings auch ziemlich machtlos. Denn, wie sagte mir dieser Woche ein
Industriemanager: Gegen andere Firmen können sich Firmen schützen, aber kaum gegen
Geheimdienste.
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