Karibische
Nacht
„Journal
tropical“ war das Motto des 37.
Landespresseballs in Stuttgart am Freitag der vergangenen Woche. Neben
Zeitungs-, Fernseh- und Hörfunkjournalisten war alles zugegen, was im Ländle
Rang und Namen hat, oder zumindest ein gewichtiger Teil davon. Unter
Palmenblättern sollte diese kühle Novembernacht in der Stuttgarter Liederhalle
in eine heiße karibische Nacht verzaubert werden. Der spröde Charme des
50ger-Jahre-Hallenbaus ließ das Vorhaben nicht ganz glücken. Trotz Südfrüchte
auf den Tischen als Dekoration. Aber die rund 2.000 Besucher amüsierten sich
offenbar dessen ungeachtet prächtig. Aus dem Unterland im Balltreiben unter
anderen gesichtet: Werner Grau
(Heilbronns Erster Bürgermeister), Otto
Lindner (Audi Werksleiter in Neckarsulm), Hans M. Hambücher (KSK-Vorstandsmitglied), Richard Drautz (FDP-Landtagsabgeordneter), Alfred Steininger (Heilbronner Werbefachmann und OB-Kandidat in
Stuttgart), Dr. Wolfgang Bok
(Chefredakteur Heilbronner Stimme), Iris Baars-Werner (Landkreis-Chefin der
HSt), Lutz Wagner (Chef des SDR-Frankenradios), Carlo Köchel (Programmleiter Radio Ton), Jürgen Dieter Ueckert (Redaktionsleiter Neckar Express), Susanne Jauch (Audi-Pressesprecherin)
und viele andere. Verständlich, daß das schwäbische Unterland sehr stark in
Stuttgart vertreten war. Fiel doch der hiesige Presseball anläßlich des 50.
Geburtstages der Heilbronner Stimme mangels Zuschauermasse buchstäblich ins
Wasser. Übrigens: Die Erlöse aus der Tombola in Stuttgart (Hauptpreis: ein
Mercedes 180 T – im vergangenen Jahr wurde noch ein Audi verlost) gingen wie
üblich an den gemeinnützigen Sozialfond der Landespresse. Es war übrigens
höchst amüsant mitansehen zu dürfen, wie
die ernsthaften Stuttgarter OB-Kandidaten an diesem festlichen Abend
versuchten, noch ein wenig Wahlkampf für sich ins Ballgeschehen zu bringen.
Aber da die hohe Kommunal-Politik nur als Smalltalk möglich war, ging es
letztlich um das Sehen und Gesehen-Werden. Mehr will der zahlende Ballbesucher
ja auch nicht von einem solchen Abend. Ganz traditionsgemäß.
slg
geht
In
gut unterrichteten Medienkreisen Heilbronns wurde teils darüber spekuliert,
andere konnten schon seit Monaten mit Detailkenntnissen aufwarten. Und trotzdem
schlug das Ausscheiden des stellvertretenden Chefredakteurs und Lokalchefs Siegfried Schilling aus dem Verlag Heilbronner Stimme wie eine Bombe ein.
Was unter Medienvertretern auf dem Landespresseball am Freitagabend noch für
Erstaunen gesorgt hatte, wurde in weiten Kreisen des Unterlands dann am
Samstag – nach der offiziellen
Bekanntgabe im Blatt – doch schon als kleine Sensation gewertet. Immerhin
scheidet mit dem 57jährigen Siegfried Schilling ein profunder Kenner der
kommunalpolitischen Szene bei der einzigen Tageszeitung im Großraum Heilbronn
aus. Vor 32 Jahren war der gelernte Schriftsetzer Siegfried Schilling zur Heilbronner Stimme gekommen, hatte dort
volontiert, dann als Redakteur im Ressort Sport gearbeitet, wechselte 1969 in
die Lokalredaktion, deren Leitung er 1985 übernahm. 1989 wurde seine
journalistische Karriere mit dem Posten eines stellvertretenden Chefredakteurs
gekrönt. Zum Jahresende 1996 verläßt der Mann mit dem Kürzel slg die Tageszeitung – „in gegenseitigem Einvernehmen“, wie
Verlagsleitung und Schilling gemeinsam mitteilten. „Das war’s“, war sein
lakonischer Schlußsatz im letzten „Lokal-Spiegel“, den er für seine Zeitung am
Samstag vergangener Woche geschrieben hatte. Der „Sigger“, wie ihn seine
Freunde nennen, wird jedoch dem Hause Heilbronner
Stimme weiterhin als journalistischer Mitarbeiter verbunden bleiben. Also
war’s das doch nicht ganz. Dennoch: Es tut sich viel im Medienhaus in der
Heilbronner Allee 2. Frank Distelbarth,
der HSt-Verleger, ordnet offenbar die Strukturen neu, um den Herausforderungen
der Zukunft optimal zu begegnen. Per Anzeige gesucht wird zum Beispiel ein
neuer Marketinggeschäftsführer – und auch der neue Lokalchef soll von außerhalb
kommen.
Kampagne
1996/97
Am
11. 11. um 11.11 Uhr vor dem Heilbronner Insel-Hotel. Der Präsident der Carnevalgesellschaft
Heilbronn CGH Dieter Popp schwingt sich auf und dichtet ins Mikrophon: „Der
11.11. – keine Frage – ist einer meine schönsten Tage. Da bin ich rund. Da bin
ich dick. Da komm ich gern zu Euch zurück. So spricht der Gigger, liebe Leut,
am 11. 11. Der ist heut. Am Aschermittwoch muß er gehn. Doch endlich gibt’s ein
Wiedersehn. Er war im Urlaub, das ist klar. Vielleicht gar in Amerika? Wo er
gewesen – piepegal. Wir gehn jetzt rein und fülln den Saal – zu weißer Wurst
und kühlem Cluss. Ich sag bis gleich – Ade
– und Schluß.“ Und schon saust der Gigger, ganz der närrischen
Heilbronner Tradition entsprechend, an einem Seil aus der Höhe herab. Die
Narretei-Fahnen werden hochgezogen. Der Gigger unter den Arm geklemmt. Und
schon begeben sich der Damen und Herren zum „Herrenvormittag“ ins Hotel – zu
„Weißwurstessen mit Bier“. Karnevalauftakt am Montag dieser Woche in Heilbronn:
die fünfte Jahreszeit kann beginnen. Obwohl es ja heuer in der Käthchenstadt
teilweise mehr als närrisch zuging, obwohl noch keine Faschingszeit im Kalender
zu erkennen war. Aber das ist der Stoff, aus dem dann die Büttenreden sind. Zum
Beispiel bei der Carneval-Auftaktsitzung (mit Gardetänzen, Showtänzen,
Tanzmariechen, Spielmannszügen und den obligatorischen Büttenreden) am Samstag,
den 16.11. ab 19.31 im Hofwiesenzentrum (TSV) in Heilbronn-Sontheim. Und so
geht es dann ganz närrisch weiter bis zum Faschingsdienstag, am 11. Februar
1997 – wenn das Heilbronner Faschingstreiben mit der Auferstehung des
legendären Lumpenballs in der Harmonie – diesmal unter dem Titel Lumpentreff –
furios ausklingen soll. Eine schöne Tradition, die da wieder aufleben wird. Ich freue mich schon drauf. Ganz
narrisch. Wie auch sonst?!
Unterländer
Herbst
Die
Unterländer Weinlese ist fast schon vorbei, und der Unterländer Herbst – ja,
der war auch schon. Am Dienstagabend wurde er im Stuttgarter Landtag gefeiert.
Eingeladen hatten der Unterländer FDP-Landtagsabgeordnete Richard Drautz und
Peter Klein, der Gastronom der Stuttgarter Landtagsgaststätte Plenum. Jetzt
schon zum vierten Mal. Politiker aus allen Parteien, Leute aus dem
Wirtschaftsleben, Journalisten, Beamte aus den Ministerien und ganz normale
Bürger kamen zusammen, um in geselliger Runde „Brücken zwischen der Region
Heilbronn und der Landeshauptstadt“ zu schlagen. So das erklärte Ziel von
Richie Drautz, dem Wengerter, Stadtrat in Heilbronn und Landtagsabgeordneten im
Wahlkreis Eppingen. Aus dem Unterland wurde dieses Treffen der besonderen Art
heuer von der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg, der
Schwaigerner Heuchelberg-Kellerei, der Eppinger Palmbräu-Brauerei, der Firma
Pflanzen Kölle, der Güglinger Filmproduktion Margit Elser-Haft und dem
Heilbronner Busunternehmen Gross-International, das für den Bustranfer der
Besucher aus dem Unterland sorgte, unterstützt. Musikalisch mit von der Partie
waren der Musikverein Eppingen-Rohrbach. Für den Gastronomen Peter Klein war
dieser „4. Unterländer Herbst“ in Stuttgart auch eine Art offizieller Abschied
aus der Landtagsgaststätte. Nach sechsjähriger Tätigkeit gibt er das Plenum zum
Jahreswechsel ab, um sich ganz auf die Führung der Landgaststätte Haigern
zwischen Flein und Talheim zu konzentrieren, die er im April diesen Jahres
übernommen hatte. Richard Drautz hat sich mit seinem Stuttgarter Herbst mal
wieder als umtriebiger Kommunikator über alle Parteigrenzen hinweg im Landtag
erwiesen. Wenn ich mir die letzten Wochen so anschaue, hat’s die kleine
Koalition in Stuttgart auch nötig. Denn die Bonner Koalitions-Erdbeben haben
auch im Ländle ihre kleinen Nachbeben gehabt.
Auf
der Landstraße abkassiert
Wenn
ich von meinem Turm hinabsteige, fahre ich danach gerne Auto. Ich, das
Kiliansmännle, bekenne auch, ich fahre gerne zügig. Wie jeder
Otto-Normal-Autofahrer versuche ich mich an Geschwindigkeitsbeschränkungen zu
halten. Daß dies nicht immer gelingt, gebe ich freimütig zu. Aber im großen und
ganzen bin ich ein ordentlicher, defensiver Autofahrer. Doch in der
Vergangenheit hatte ich immer wieder Pech und zwar mit den Radarfallen. Die
Kassierer der Straße stehen mittlerweile wirklich an den unmöglichsten Stellen
und sie haben sich zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten postiert. So
tuckerte ich unlängst gegen 20 Uhr bei finsterer Nacht durch den ruhigen Weiler
Söhlbach – der liegt bei Beilstein – am Ortsausgang beschleunige ich wie jeder
normale Autofahrer dies wohl tun würde. An dieser Stelle droht keinem Menschen
mehr eine Gefahr durch ein Auto, das etwas schneller fährt als 50
Stundenkilometer, schon gar nicht abends um acht Uhr. Dennoch: Blitz, wusch,
peng - rot leuchtet das Infrarotlicht. Mein Vorschlag an die Geldeintreiber der
Landstraße: Stellt euch da auf, wo es wirklich verkehrserziehend ist, nämlich
an Straßen, in denen Kinder spielen oder zur Schule gehen. Da sind eure
Blitzlichter wichtig. Aber nicht dort, wo kein Mensch unterwegs ist.
Vorsicht:
Radarfallen
Da
muß man als Hausfrau die Wohnung putzen, das Essen einkaufen und die Mahlzeiten
auch rechtzeitig auf dem Tisch haben. Weil ja die Kinder aus der Schule kommen
und pünktlich Nahrung verlangen, wie auch ihr Erzeuger, wenn er am Abend
gestreßt aus dem Büro kommt. Und da kann es dann passieren, daß ich als
gehetzte Hausfrau schon einmal ein wenig zu schnell mit unserem Zweitwagen
durch die Straßen presche. An mir hat die Stadt schon viel verdient. Sehr
angenehm empfinde ich die Radarwarnungen im Radio, die mir sagen, wo und wann
kontrolliert wird. Da weiß ich wenigstens, daß ich an dieser oder jener Straße
besonders aufpassen muß. Allerdings ist mir auch schon häufig aufgefallen, daß
die im Rundfunk angekündigte Kontrolle überhaupt nicht stattfand. Als ich mich
erkundigte, wurde mir glaubhaft versichert, daß die Polizei die Kontrollstellen
den Sendern nicht verrät. Jeder, der eine Meßstelle beobachtet, könne sie dem
Sender melden, der dann auch diese Nachricht ausstrahlt. Ob sie nun der Wahrheit entspricht oder
nicht. In manchen Landkreisen Baden-Württembergs werden von
Behördenmitarbeitern sogar gezielt Falschmeldungen an die Sender weitergegeben.
Damit der Bürger sich nie sicher ist, wo nun seine automobile Geschwindigkeit
gemessen wird und wo nicht. Zuerst habe ich mich über diesen „Betrug“ ein wenig
geärgert. Aber dann habe ich mir gesagt, besser einmal zuviel vorsichtig und
angemessen zu fahren als einmal zuwenig. Und mein sauer verdientes Geld fließ
nicht in irgendwelche Beamtenbeutel. Oder besser: das meines Gatten.
Beinahe OB
Es
fehlte nicht viel – und Rezzo Schlauch,
der Pfarrerssohn aus dem Hohenlohschen, Rechtsanwalt in Stuttgart und grüne
Bundestagsabgeordnete wäre Oberbürgermeister der Landeshauptstadt geworden. Die
Sensation: Auch im zweiten Wahlgang am vergangenen Sonntag behauptete er sich
als starker Herausforderer des CDU-Kandidaten Wolfgang Schuster. Mit 39,3
Prozent brachte Schlauch die Grünen in einen Bereich, der neue Horizonte in der
Landespolitik auftat. Zählt man die Stimmen der beiden SPD-Kandidaten Rainer Brechtken (13,5 Prozent) und Joachim Becker (3,4 Prozent) hinzu,
ergibt sich rein theoretisch eine Mehrheit für Rot-Grün in Stuttgart.
Verständlich, daß die Grünen jetzt strutsauer sind und den Sozis vorwerfen, sie
hätten den CDU-Mann Wolfgang Schuster
mit seinen 43,1 Prozent in den
OB-Sessel gehievt. Ulrich Maurer, der SPD-Landesvorsitzende hatte ja schon beim
katastrophalen Landtagswahlergebnis für seine Partei seine Hände in Unschuld
gewaschen. Auch jetzt, nach dem Desaster bei der OB-Wahl in Stuttgart,
versuchte er wieder, Sündenböcke zu finden. Der Pforzheimer OB Joachim Becker
sei schuld. Aber diese Form von
Dolchstoßlegende zieht nicht mehr. Maurer ist als Landesvorsitzender
offensichtlich kein guter Moderator in seiner Partei. Und auch ein schlechter
Stratege. Dazu noch ein ganz miserabler Wahlverlierer, der die Schuld für die
Niederlage immer zuerst bei anderen sucht. Jetzt muß sich seine Partei
besinnen, will sie nicht endgültig mit Republikanern und Freien Demokraten auf
eine Zehn- bis 15-Prozent-Partei degradiert werden. Die Sozis benötigen im Land ganz schnell einen Neuanfang, so wie in
Heilbronn. Denn es kann noch schlimmer kommen. Zeichen an der Wand gibt es mehr
als genug.
Polit-Jugend?
„Wir
haben genug von der achtundsechziger Generation, die mit ihrem Gequatsche alles
im Staat verändern will, nur nicht sich selbst.“ – „Die
haben real doch nur ihren Toskana-Urlaub und die Finanzierung der
Eigentumswohnung im Sinn.“ Diese und ähnliche Sätze fielen bei einem
Kongreß der SPD im Bonner Wasserwerk. Und als gar der Bundestagsabgeordnete
Thomas Krüger vollmundig forderte, die Jugend brauche mal wieder ein wenig
Protest, entgegnet ihm einer der Jungen unter dem rauschenden Beifall der
anderen: „Ich habe genug von den Achtundsechziger-Geschichten.“ Recht hat er.
Denn die haben vielen Jugendlichen aus der gesicherten Beamtenposition als
Lehrer mehr als genug den Kopf vollgelabert mit verquasten linken Ideen – und
konnten die Umbrüche der vergangenen Jahre nur mühsam in schiefe
Erklärungmuster quetschen, die ihnen eh niemand glaubte. Jetzt will aber die SPD ran an die Jugend. Denn verglichen mit 1974,
als noch 20 Prozent ihrer Mitglieder unter 30 Jahre alt waren, sind es heute
nur noch sieben Prozent. Die
Pforzheimer SPD-Abgeordnete Ute Vogt
(32) stellte deshalb auch resigniert fest, daß die meisten der alten
SPD-Funktionäre nur „in der eigenen
Jugend leben“, ansonsten aber wenig mit den Youngstern am Hut hätten. Und der
Bundestagsabgeordnete aus dem Neckar-Zaber-Wahlkreis Hans Martin Bury (30) beklagte, daß der Generationswechsel in der
SPD noch ausstehe, denn „Die Enkel besetzen die Positionen“. Jetzt soll eine
Kampagne der alten Tante SPD helfen. Dort wird zum Beispiel die Frage gestellt
„Warum duzt Dich die SPD?“ - Antwort:
„Weil es in der SPD Tradition hat und, nun ja, weil es irgendwie besser
klingt.“ - Irgendwie? Na sowas auch!?
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