Sex-Geschäfte
Sex-Geschäfte mit Minderjährigen. Das Thema des jetzt
zu Ende gehenden Sommerlochs. Die Entführung und Ermordung von Kindern in
Belgien gaben den Anstoß. Dabei ist das Thema schon seit Monaten immer wiederkehrend
in allen Gazetten, im Rundfunk und im Fernsehen. Der belgische Fall stellt
dabei die Ausnahme dar. Kindersex und Pornographie mit Heranwachsenden scheint
vornehmlich ein Familienproblem zu sein. Habgierige Eltern befriedigen die
Nachfrage, indem sie die eigenen Kinder zu Sexspielen zwingen und sie dabei mit
der Videokamera filmen. Ein Oberstaatsanwalt charakterisierte diese Klientel
aus der untersten gesellschaftlichen Schublade mit den Worten: „Die haben kein Geld, keine Moral und keine
Intelligenz.“ Ganz im Gegenteil zu den Porno-Konsumenten. Nach
Polizeierkenntnissen kamen diese aus der gutverdienenden Mittelstandsschicht.
Und der Dezernatsleiter Jugendschutz beim Landeskriminalamt Stuttgart Werner
Merker meinte in einem Interview, daß man bisher eigentlich nur die ganz Dummen
aus diesem Milieu erwischt hätte. Die Intelligenten liefen noch frei rum. Das
Dunkelfeld sei riesengroß. Denn im
Gegensatz zur Polizei stoße der Täterkreis nie an Grenzen: „Die sind immer
einen Schritt voraus. Früher kommunizierten Produzenten, Händler und Kunden
über Magazine, BTX oder in ganz normalen Tageszeitungen. In 2000 Printtiteln
gab und gibt es die entsprechenden Anzeigen. Heute läuft das Geschäft zunehmend über die neuen Medien Internet und
CD-Rom.“ – Manchmal frage ich mich, ob die Superliberalen daran gedacht
haben, welche Auswirkungen die „sexuelle Revolution“ annimmt, wenn sie am
unteren Satz der Gesellschaft ankommt. Aber wir haben ja unsere
Therapie-Instrumente, die locker von der Allgemeinheit bezahlt werden. Jedem
Täter seinen Psychologen – und für die geschändeten Kinder das Heim, den
vorprogrammierten Abstieg in die Asozialität.
Verabschiedung
Ein Grundsatz bei der IHK Heilbronn, so der scheidende
Hauptgeschäftsführer Dr. Horst Schmalz
in seiner Dankesrede an die Festversammlung im Kleinen Saal der Heilbronner
Harmonie, laute, daß keine
Kammerveranstaltung mehr als eineinhalb Stunden dauern dürfe. Ein paar
Minuten mehr waren es dann doch. Schließlich wollte so mancher Redner auch nur
einige grundsätzliche Gedanken bei der Verabschiedung des alten und der
Einführung des neuen HGF Heinrich
Metzger loswerden. Zum Beispiel der neue Staatssekretär im Stuttgarter
Wirtschaftsministerium Dr. Horst
Mehrländer. Er stärkte der Kammer den Rücken, indem er die derzeit
umstrittene IHK-Pflichtmitgliedschaft als notwendig verteidigte. Denn ein Abbau
oder gar die Auflösung der IHKs würde bedeuten, dem Staat Aufgaben
zurückzugeben. Und da niemand mehr Staat wolle, sondern das Gegenteil,
gewährleiste die Pflichtmitgliedschaft „eine objektive und dem
Neutralitätsgebot genügende Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben“. Was immer das
auch heißen mag. Schön hat’s geklungen. Auch der Heilbronner Landrat Klaus Czernuska ließ entscheidende
Sätze fallen. Zum Beispiel den, daß die vier Landräte der Region Franken samt
Heilbronner Oberbürgermeister effektiver zusammenarbeiten und mehr bewegen
könnten als ein oft gefordertes Mammutparlament. Wie das in Stuttgart zum
Beispiel. Einerseits werde eine Verschlankung der Verwaltungs- und Entscheidungsebenen
gefordert, andererseits werden aufgeblähte neue Gremien geschaffen. Wie das
zueinander passe, wollte der Landrat wissen. Die Antwort gab er selber. Die
Stärke und die Einheit der Region hänge davon ab, wie die Verantwortlichen
miteinander können. Und zum Abschluß seiner Laudatio für Horst Schmalz übergab
er ihm fünf Becher mit den Wappen der vier Landkreise und des Stadtkreises
Heilbronn. Jetzt müsse er also nicht über sieben Brücken gehen, sondern könne
aus fünf Bechern trinken, bemerkte der
scheidende IHK-Hauptgeschäftsführer verschmitzt. Der neue hat noch keine
Becher. Ihm bleiben die Brücken, von denen es ja in der Region zwischen
Wertheim und Ludwigsburg, Crailsheim und Eppingen mehr als genug gibt. Und
darunter fließt viel Wasser.
500 Jahre Drautz
Jodukus
Drautz hieß der Mann, der 1496 von
Kaiser Maximilian das Recht erhalten hatte, mit eigenem Wappen zu siegeln. Der
ehrenwerte Heilbronner Bürger war Weingärtner und ist der Ahnherr des
FDP-Landes- und Kommunalpolitikers Richard
Drautz, der am vergangenen Wochenende zur 500-Jahr-Feier in sein Weingut in
der Heilbronner Faißtstraße geladen hatte. Man feiert bei uns im Lande halt die
Feste wie sie fallen. Und da der Richie Drautz ein begnadeter Organisator von
Festen (auch einmal im Jahr im Stuttgarter Landtag) ist, hatte er geladen, was
Rang und Namen hat. Und so ließen sich die Wichtigen des Landes, aus der Stadt,
dem Landkreis und auch andere beim Feiern unterhalb des Wartberges blicken. Zum
Beispiel die neue Landwirtschaftsministerin der CDU Gerdi Staiblin. Oder der neue Mann im Justizministerium, der vom
Südwestfunk kommende FDP-Mann Ulrich
Goll. Darüberhinaus: Helmut Haussmann (einst
FDP-Bundeswirtschaftsminister), Ernst
Pfister (Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion), Landrat Klaus Czernuska, Württembergs
Weinbaupräsident Hermann Hohl,
Gemeinderäte und viele andere.Ob der Richie mit seinen Weinen ein „schwäbischer Rothschild“ sei, wie ein
befreundeter Politiker zu bemerken pflegte, das müssen die Weinkenner selbst
entscheiden. Ein knitzer Politiker und
Wengerter ist er auf alle Fälle. Auf irgendeine besondere Art immer vorne dran,
sowohl im Weinbau als auch im politischen Geschäft. Nicht an der Spitze, wie
manche nach der letzten Wahl schon munkelten – aber kurz dahinter. Das Blut des
Jodukus scheint gut vererbt worden zu sein.
In der Halle baden
Wie üblich bringt es die Sommerpause mit sich, daß
Großputz und -renovierung auch im 25
Jahre alten Heilbronner Stadtbad am Bollwerksturm angesagt sind. Rund
800.000 Mark wurden dort in den vergangenen zwei Jahren investiert. Seit dem 2.
September sind die Tore wieder für die Badegäste geöffnet , deren Füße einen
Boden berühren, der mit Fliesenarbeiten von rund 300.000 Mark erneuert wurde.
Aber es wurde in diesem Sommer einiges renoviert. Statt der rumpelnden und
ratternden Sonnenduschen älterer Bauart soll jetzt ein 40.000 Mark teures
Solarium die Badegäste nach ihrem sonnendurchfluteten Urlaub im regenfreudigen
Unterland erfreuen. Hoffentlich werden diese „Duschen“ dann regelmäßig gewartet,
nicht nur mittels Geldentnahme. Allerdings war der von den Einnahmen her
gesehen lukrativste Bereich des Bades, die Sauna- und Dampfbadabteilung, noch
nicht in die Sommer-Sanierungskampagne einbezogen worden. Das soll später
einmal geschehen. Und so überläßt die Heilbronner Bäderverwaltung diese
Klientel weiter dem Aquatoll in Neckarsulm oder privaten Saunabetreibern in
Fitneßstudios oder Tennishallen. Geschäftspolitik? Oder nur normale Heilbronner
Verwaltungsarbeit? Sparen ist angesagt. Und deshalb sind die Öffnungszeiten des
Bades auch ein wenig verkürzt worden.
Zum Ärger einiger Badegäste, die auf ihr Schwimmerlebnis in den frühen
Morgenstunden nicht verzichten wollen. Aber der Gemeinderat hat’s
beschlossen, was jetzt im Herbst zur Tatsache wird. Das werden auch die wenigen
Frühaufsteher nicht mehr ändern können. Dafür kann jetzt sonntags gebadet
werden. Mir wäre es allerdings lieber, wenn die Hygiene im Hallenbad demnächst
einen noch höheren Stellenwert erhielte. Zum Beispiel bei der Bodenreinigung, beim
Entstauben von Heizkörpern, der Reinigung der Sonnenduschen, et cetera, et
cetera. Das ist nämlich das A und O in einem öffentlichen Bad. Vor allem heute
– in der Zeit der Pilze, Bakterien und Viren.
Maßnahmen
Unser schönes Heilbronn ist bekanntermaßen eine sehr
kunstfreundliche und kunstsinnige Stadt. Daran gibt es keinen Zweifel, haben
wir doch ein Museum, und ein historisches dazu, und eine Festhalle, und ein
Theater, und ein Kammerorchester, und was der kulturellen Aktivitäten mehr
sind. Und jetzt haben wir auch fast beinahe so etwas wie eine Kunstmeile.
Skulpturen des russischen Bildhauers Jannis
Avramidis zieren den Eingang zum Marktplatz direkt bei den Bushaltestellen.
Und zwar auf Initiative der Heilbronner Kaufleute e.V. - Sehr lobenswert, muß
ich sagen. Und wer da noch von einer
Stadt der Krämerseelen zu sprechen wagt, ist ein böser Banause. Allerdings
hat mich eines dabei gestört: Daß sich das Ganze eine „Skulpturenmaßnahme im
öffentlichen Bereich“ nennt. Das hat der Künstler, der diese Plastiken schuf,
nun wahrlich nicht verdient. Doch wer, um Himmels Willen, ist eigentlich für
derlei Wortschöpfung verantwortlich? Das Amt für Öffentliche Ordnung? Die
Städtischen Museen? Oder die Polizei? Es gibt, wie wir wissen, eine Vielzahl
von Maßnahmen – erzieherische, vorbeugende, Vorsichts-, Sicherheits- und
Gegenmaßnahmen zu Maßnahmen aller Art, aber bitte was sind
„Skulpturenmaßnahmen“? Solchermaßen gemaßregelt bleibt mir als Betrachter nur
maßloses Befremden. Es gibt schon eine Menge scheußlicher Worthülsen in unserer
Zeit. Addieren wir diese also mit der gebührenden Gänsehaut hinzu.
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