Möckmühl
ist eine schöne Stadt im nördlichen Teil des Landkreises Heilbronn. Und
Möckmühl hat einen Stadtteil mit Namen Züttlingen. Dort sind Rebellen am Werk,
die eigentlich selbständig bleiben wollten. Ihren Unmut über die Beherrschung
durch das Möckmühler Rathaus machen sie gelegentlich heftig-deftig deutlich.
Zum Ärger des Möckmühler Bürgermeisters Joachim
Ehrmann. Derzeit geht es um die Züttlinger Mehrzweckhalle. Nachdem von
vielen Züttlingern schon der Standort mitten in einem Wohngebiet als verfehlt
gerügt wurde, erregt sich jetzt in den Reihen des Ortschaftsrats und einigen
Vereinen Unmut über die Art und Weise, wie Bürgermeister und Gemeinderat in
Möckmühl die Planung und Durchführung
des Hallenbaus handhaben. Vorwurf: Man
habe über ihre Köpfe hinweg entschieden, sie nicht in Entscheidungsprozesse
eingebunden. Vor allem bei der Küchenausschreibung. Denn diese wurde an den
günstigsten Bieter mit der Auflage vergeben, einige Einrichtungsgegenstände
herauszunehmen und günstiger zu planen. Mittlerweile aber liege nun ein
Ausführungsplan vor, der nach Auskunft eines Mitbieters mit der ursprünglichen
Planung nicht mehr vergleichbar sei. Auch das Nachtragsangebot sei im
Verhältnis teurer geworden und entspreche nicht mehr den Grundsätzen
öffentlicher Ausschreibungen. Der
unterlegene Mitbewerber hat nun Beschwerde bei der Stadt Möckmühl eingelegt.
Diesem Mann teilte die Stadt mit, daß
die Züttlinger Halle planmäßig weitergebaut werde, gegebenenfalls dann
ohne Küche fertiggestellt, bis feststehe, ob der zornige Mitbewerber ein
Verfahren gegen die Stadt anstrenge. Derzeit befaßt sich die
Oberfinanzdirektion Stuttgart mit dieser Angelegenheit. Und viele Züttlinger
sind voller Zorn, weil die ihnen durch Vertrag zugestandene Halle eventuell
keine Küche hat. Vereinsfeiern in Züttlingen ohne Küche, das sei doch mehr als
ein schlechter Witz. Ich kann’s nicht glauben.
25
Jahre GKN-Strom
Manche
meiner Geschlechtsgenossinnen glauben ja auch, daß der Strom aus der Steckdose
kommt. Mannsbilder übrigens auch. Und
das war’s dann. Dabei kommt der Strom
aus dem GKN in Neckarwestheim, unserem Atomkraftwerk im Unterland. Wenn ich
diese Frauen darauf anspreche, dann werden manche von denen fuchsteufelswild. Vor allem jene mit den hennagefärbten
Haaren, den Birkenstockschuhen und in Schlabberkeidern. Aber auch so manche
Dame, die nur in teuren Boutiquen einkauft, will partout ihren Strom von
Windkraft oder Sonnenkollektoren. Aber dieser Edelstrom ist doch ein wenig zu
teuer für uns Normalverbraucher. Ich meine, recht hat er, der scheidende Stuttgarter OB Manfred Manfred Rommel,
als er in Neckarwestheim den Festgästen ins Stammbuch schrieb: „Selten ist so
etwas, was so nützlich ist wie die Kernkraft, so beschimpft worden. Mich
wundert auch immer, daß jene auf der linken Ecke des Politlebens unsere
Kernkraftwerke, die sichersten der Welt,
als Teufelszeug verunglimpften, während über den gefährlichen Schrott in
den Ostblockländern kein Wort verloren wurde. Erst Tschernobyl öffnete ihnen
die Augen. Und schon waren einige, schwuppdiwupp, weg auf der vermeintlichen Gefahrenzone
Deutschland – ab auf die Kanaren. Wegen der radioaktiven Verseuchung.
Verwunderlich auch immer wieder das undemokratische und chaotische Verhalten
der Kernkraftgegner. So hoffe ich mit Manfred Rommel, daß auch in Deutschland
wieder ein rationales Verhältnis zur Kernenergie künftig möglich ist. Und ich
freue mich mit der motivierten GKN-Mannschaft um die beiden Geschäftsführer
Hans Wiedemann und Werner Zaiss über
den nahezu reibungslosen Betrieb im letzten Vierteljahrhundert. Die
Neckarwestheimer können stolz sein, dieses Kraftwerk in ihrer Gemeinde zu
haben. Hat es sie doch wohlhabend und bedeutend gemacht. Auch wenn die
kriminellen Machenschaften ihres ehemaligen Bürgermeisters sie um einen Teil
ihres Vermögens gebracht haben, so ist das GKN doch ein Garant für den
künftigen Wohlstand in dieser kleinen Gemeinde.
Lumpenball
Der
11.11. naht auch heuer wieder mit schnellen Schritten. Ab diesem Datum sind
närrische Zeiten angesagt (Advent und Weihnachten ausgenommen). Auch in Heilbronn, in dem es in den
zurückliegenden Monaten ja besonders närrisch zuging. Ich denke nur an die
vielen närrischen Skandale. Aber die eigentlich hohe närrische Zeit, die
beginnt erst im zweiten Monat des nächsten Jahres. Und dann ist auch schnell
wieder der Faschingsdienstag da. Einen Tag später, am Aschermittwoch, ist alles
vorbei – und die Narren schleichen
gesenkten Hauptes (voller Asche) zum Beichten, wenn sie rechte Narren sind.
Heilbronn – eine Karnevalshochburg? Das wird niemand, außer er ist ein Narr,
ernsthaft behaupten. Aber da gab es mal etwas, das ausgelassen und wirklich
närrisch war. Bis hinein in die siebziger Jahre. Am letzten Abend der
Narrenzeit wurde in der Heilbronner Harmonie in allen Sälen ausgelassen
getanzt, gelacht, gefeiert, getrunken, gegessen, daß es nur so eine Freud war.
Ich erinnere mich noch gut. Von fern und nah kamen die Gäste und feierten einen
der ungewöhnlichsten Narren-Bälle Heilbronns, ohne formale Narren-Riten. Und
dieses Fest der besonderen Heilbronner Art soll – wie ich hörte – 1997 wieder aufleben. Am Faschingsdienstag
ist Lumpenball angesagt. Veranstaltet von der Heilbronner Carneval-Gesellschaft CGH, präsentiert vom Heilbronner
Verkehrsverein und dem Neckar Express. Mit dabei auch Radio Ton, das im kleinen
Saal der Harmonie mit einer Disco aufwartet. Und die Karten im Vorverkauf, die
gibt es ab dem 11.11.1996. Das ist doch endlich mal eine frohe Botschaft für
alle, die die närrische Zeit im Unterland ganz faschingsmäßig-ungezwungen
ausklingen lassen wollen. Aus purem Spaß an der Freud.
Erste
Runde
Die
erste Runde zur Stuttgarter OB-Wahl ist gelaufen. Auch wenn die
Berichterstattung im Landessender S3 dürftig war, wenn schon das
zweitwichtigste politische Amt im Lande (wie Polit-Kenner meinen) durch den
Wahl-Bürger neu besetzt werden soll, so war die Information über das
altbewährte Dampfradio doch ausreichend. 35,2 Prozent für den CDU-Mann Wolfgang Schuster, 30,6 Prozent für den
Grünen Rezzo Schlauch und nur 22,6
Prozent für die Sozialdemokraten Rainer
Brechtken, in der Großen Koalition bis zum März Staatssekretär im
Wirtschaftsministerium von Dieter Spöri. Die Sozis können einem ja fast leid
tun. Jetzt liegen sie in der Landeshauptstadt auch noch acht Prozentpunkte hinter
den Grünen. Wenn das keine Schlappe für den Landeschef Ulrich Maurer ist, der nicht nur die Landtagswahl haushoch
verloren, sondern jetzt auch noch das Ergebnis seines OB-Kandidaten in
Stuttgart mitzuverantworten hat, dann weiß ich nicht, was eine Schlappe in der
Politik ist. Der Pforzheimer OB Dr.
Joachim Becker, der von seinen Genossen wegen Rechtsabweichung nicht
wohlgelitten ist, hat jetzt seinen Hut in die zweite Runde geworfen. Jetzt
könnte es noch was werden mit einem SPD-OB in Stuttgart. Das Rennen wird jetzt
wohl zwischen Becker, dem grünen Bundestagsabgeordneten Rezzo Schlauch und dem
Stuttgarter CDU-Kulturbürgermeister und Rommel-Ziehsohn Wolfgang Schuster
laufen – die SPD-Wähler müssen sich entscheiden, wem sie ihre Stimme geben – ob
Becker oder Brechtken. Denn Schlauch und Schuster sind für diese Klientel wohl
kaum wählbar. In zweieinhalb Wochen wissen wir mehr. Sinnvoller wäre es
allerdings, wenn die baden-württembergische Wahlordnung bei Bürgermeisterwahlen
in der zweiten Runde eine Stichwahl zwischen dem ersten und dem zweiten Sieger
aus dem ersten Wahlgang vorsähe. Jetzt aber kann, wer immer will, auch in den
zweiten Wahlgang neu einsteigen – wie Herr Becker.
Betrüger?
Die
einen umschreiben es vornehm und zurückhaltend. Die anderen sind direkt. Zum
Thema „Steuern“ schreibt diese Woche das
Magazin Focus unter der Überschrift
Chaos-Tage in Bonn vom Steuerstreit, bei dem die Union sich durchsetzt, die FDP
verliert und Oskar Lafontaine seinen
ersten Sieg feiert. Um den Solidaritätszuschlag geht’s, dessen Absenkung die
FDP im Frühjahr zum Wahlschlager erhoben hatte. Die Bild am Sonntag titelt da sehr direkt: Die Betrüger von Bonn. Und veröffentlicht mit Zitaten zum Thema
geschmückt („1997 kommt der Einstieg –
dann werden wir mit dem Abbau des Solidaritätszuschlages beginnen.“) die Bilder
von Wolfgang Gerhardt
(FDP-Bundesvorsitzender), Guido
Westerwelle (FDP-Generalsekretär) und Hermann
Otto Solms (FDP-Fraktionschef in Bonn). Denn die FDP hätte „es versprochen, beschlossen und in der
Koalition durchgesetzt: die Senkung des Solidaritätszuschlags! Jetzt haben sie
ihr Versprechen gebrochen und die Wähler betrogen.“ Berichtet das
Boulevardblatt. Wie wahr, wie wahr. Jetzt stehen die Damen und Herren Liberalen
als Umfaller da. Über sie schlägt eine Welle von Empörung und Spott zusammen.
Viel geschmäht werden sie jetzt durch den politischen Kakao gezogen. Und das zu
Recht. Denn mit diesem Wahlversprechen hatten die Freien Demokraten sich im
März überraschend von den Wählern in die Landtage von Kiel, Mainz und Stuttgart
hieven lassen. Aber so ist das halt in der Politik. Wie gewonnen, so zerronnen.
Noch ein paar solcher Aktionen, und das Frühlingslüftchen für die FDP
entwickelt sich zu einem Sturm gegen sie. Und der könnte tödlich sein. Die
Stuttgarter FDP-OB-Kandidatin mit dem Doppelnamen hat ihn am Sonntag schon
verspürt.
Fußball
– Wahnsinn
Sie
waren nicht in Gefahr, nicht am Verhungern, kein Feuer drohte sie zu
vernichten. Sie wollten „nur“ ein Fußballspiel sehen. Trotzdem rasteten die
8.000 Fans aus, als die Tore des Mateo-Flores-Stadions in Guatemala-City
geschlossen wurden. Als ob Leben und Glückseligkeit davon abhingen, drängten
sie wie die Irren in das schon übervolle Stadion. Eine Menschenlawine erdrückt
andere wartende Zuschauer buchstäblich zu Tode. Das Spiel mit dem runden Leder auf dem grünen Rasen hat einen hohen
Stellenwert in Lateinamerika. Es ist Volkssport Nummer eins. Opium für die
Armen. Die 22 Akteure, sprich Nationalspieler, werden gefeiert wie die Helden,
verehrt wie Heilige. Das WM-Qualifikationsspiel zwischen Guatemala und Costa
Rica sollte ein großes Fest werden. Die 8.000 Ausgeschlossenen wollten auch
dabei sein. Sind sie für die Tragödie verantwortlich? Über 80 Menschen wurden
auf dem Altar des Fußballgottes geopfert. Wer hat Schuld? Sicher die
gewissenlosen Geschäftemacher mit ihren getürkten Tickets. Sicher die unzureichenden
Absperrungen der Security. Ganz sicher aber auch Massenhysterie und blinde Ich–Bezogenheit
fanatischer Fußball-Fans. Mit Schaudern werden wir an Brüssel erinnert. Wo sich
vor einigen Jahren Ähnliches ereignete. Manchmal bin ich froh, hoch oben auf
meinem Turm zu sein. Weit weg von den Menschen.
Heilbronner Menschen
Wissen
sie eigentlich, wie viele Menschen derzeit rund um meinen Turm in Heilbronn
leben? Sie wissen es nicht? Die Stadt weiß es. Sagt sie – treu glotzend. Und
teilte die neu-esten Zahlen mit Datum vom 2. Oktober mit (Stand der Zählung:
31. August 1996). Demnach leben 119.091
Menschen in der Stadt Heilbronn, darunter 23.366 Ausländer. Das entspricht einem Anteil von 19,6 Prozent. Im Stadtteil Heilbronn
leben 56.298 Menschen, in Böckingen 21.870, in Neckargartach 9.894, in Sontheim
10.932, in Klingenberg 2.018, in Frankenbach 5.857, in Kirchhausen 3.499, in
Biberach 4.663 und in Horkheim 4.060. Im Monat August wurden 108 Menschen in
Heilbronn geboren und 101 starben. Nach Adam Riese ein Geburten-Überschuß von
sieben Menschen. 760 Menschen zogen im August nach Heilbronn, 764 zogen weg.
Innerhalb der Stadt zogen 791 Leute um.
Insgesamt sind in Heilbronn 78.298 Kraftfahrzeuge registriert, davon
68.722 Pkw, 3.868 Lkw, 146 Omnibusse, 1.306 Zugmaschinen, 879 Sonderfahrzeuge,
48 Krankenwagen und 3.329 Krafträder. Auf tausend Einwohner kommen also 657
Kraftfahrzeuge. Und was lernen wir daraus? Heilbronn ist und bleibt, was es war: eine kleine Großstadt, der es ohne Ausländer
noch nicht mal dazu langen würde. Und
die tragen auch in erheblichem Maße zu den Geburten bei. Damit unsere
Renten einst sicher sind.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen