Wasser
weg
Heilbronn
ist mittlerweile stolz auf sein Theaterschiff, das neben dem Hagenbucher
ankert. Ausverkaufte Vorstellungen auf Monate hinaus, Gäste von weither, die
sich auf dem Theaterschiff einen schönen Abend machen. Nun aber soll das
Theaterschiff für eine geraume Zeit seinen Anlegeplatz neben dem Insel-Hotel
verlassen. Der Grund: Das Wasser des Neckar-Arms soll abgelassen werden, um
Reinigungsarbeiten im Flußbett durchzuführen. Die Theatermacher sind verwirrt. Die städtischen Ämter bleiben
gelassen. Denn diese Reinigung sei ja schon seit Monaten bekannt. Nun ist die
Frage, wo kann das Schiff ankern, solange der Neckar geputzt wird.
Alternativplätze wurden von verschiedenen Seiten angeboten. Allerdings nicht im
Neckarkanal, denn dort befindet sich ein fließendes Gewässer. Und damit wären
ganz andere versicherungstechnische Gegebenheiten vorhanden. Hinzu käme das
Schwanken des Kahns, das ja jetzt schon bei einigen Besuchern seltsame Gefühle
hervorruft. Aber wahrscheinlich bleibt alles wie es ist. Mir ist zu Ohren
gekommen, daß soviel Wasser im Seitenkanal des Neckars bleiben soll, daß im
Theaterschiff weiterhin munter gegaukelt werden kann.
Wind
für Liberale?
Die
Freien Demokraten im Unterland
veranstalten irgendwann im Januar ganz traditionell ihr Neujahrs-Pressegespräch
– seit Jahren schon im Haus des Handwerks. Im laufenden Landtagswahlkampf mußte
natürlich „Butter bei die Fische“. Dr.
Walter Döring, Fraktionsvorsitzender in Stuttgart und
FDP-Landesvorsitzender, gab die Zielrichtung an: Sparen. Zum Beispiel bei den
Aussiedlern. Die Quote von derzeit rund 220.000 pro Jahr sollte halbiert
werden. Denn in Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit sei das ein Gebot der Stunde.
Vor allem griff er dabei den baden-württembergischen Finanzminister
Mayer-Vorfelder an, der gesagt haben soll: Das Tor stehe auch weiterhin für
Aussiedler offen. Außerdem sind Döring die Rentenzahlungen an Aussiedler ein
Dorn im Auge. Eine dreistufige
Leistungsrente für Menschen, die nie in die Rentenkasse eingezahlt haben, das
ist für den FDP-Mann ein Skandal.
Eine nivellierte Einheitsrente befürwortet er. Weitere Themen für den
FDP-Wahlkampf. Reduzierung des Solidaritätszuschlags, massive Steuersenkungen,
Einführung eines Pensionsfonds für Beamte. Aber bisher dümpeln die Liberalen
mit ihren Themen ohne Resonanz im beginnenden Wahlkampf dahin. Im Unterland
will man die Strukturkrise mit den Themen Stadtbahn, Hubschrauber-Landeplatz
statt Regionalflughafen und Ausstieg aus der Kalten Rotte angehen. Döring rät
seiner Partei, deutlich zu machen, was sie will, und nicht immer danach zu
schauen, wie kommt es an. Ob damit die Liberalen im Unterland am 24. März
endlich über die fünf Prozent springen oder wie beim letzten Mal kräftig
darunter bleiben, das ist die große Frage der Auguren. Denn in den einst wohlbetuchten,
mehr konservativen Wahlgebieten hat sich mittlerweile herausgestellt, daß neben
der CDU die Grünen das Rennen machen. Trotzdem ist die FDP-Spitze
zuversichtlich: Sie verspürt seit dem Dreikönigsparteitag Rückenwind. Wie heißt
der noch schwäbische Wunsch: Auf daß der Wind in Deinem Rücken nie Dein eigener
sei.
Computerkurse
Ohne
Computer sind viele heutzutage in ihrem Berufsleben aufgeschmissen. Da heißt es
ran – an die Chips, die Disketten, die Bildschirme, die Festplatten und
Hautspeicher. Arbeitslose ohne Computerkenntnisse haben es allerdings besonders
schwer, vor allem einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Das wissen die
Arbeitsämter auch. Und deshalb finanzieren sie Arbeitslosen Ausbildungskurse am
Computer – sogenannte Computerführerscheine. Ein richtiger Schritt in die
richtige Richtung. Denn in diesen Kursen lernen die Teilnehmer das gesamte
Büro-Softwareangebot des Branchenriesen Microsoft kennen, sowie Grundschritte
im Betriebssystem MS-DOS und der Benutzeroberfläche Windows, beide ebenfalls
von Microsoft. Angeboten werden diese
Computerführerschein-Kurse von Firmen, die darin manchmal auch eine Möglichkeit
sehen, preiswert ihre Kapazitäten zu nutzen. Das ist ja an sich nicht schlecht. Aber da gibt es auch Kurse,
die mit zu vielen Teilnehmern besetzt und in denen die Dozenten überfordert
sind. Zum Beispiel, wenn am ersten Tag auf mehreren Rechnern zunächst einmal
das Betriebssystem installiert werden muß, weil zuvor jemand an den Computern
herumgespielt hat. Und parallel zu dieser Reparatur muß der Dozent auch noch
seinen Unterricht abhalten. Geübt wird auf alten Rechnern, die aus dem normalen
Büroalltag wegen Altersschwäche herausgenommen wurden. Dagegen wäre auch nichts
einzuwenden, wenn nicht so manches Gerät während des Kurses seinen Geist
aufgibt und Ersatzrechner auf sich warten lassen. Oder einer der
altersschwachen Computer die Sicherung rausschmeißt und die Elektriker mit der
Reparatur auf sich warten lassen. Aber für rund 3.000 Mark Kurskosten kann man
auch nicht viel mehr erwarten. Und was meinen Sie?
Winterschlußverkauf
Schnäppchenjäger-Zeit
ist noch bis zum Wochenende angesagt. Der Handel in und um Heilbronn, ja im
gesamten Bundesgebiet klagte am vergangenen Wochenende über die Zurückhaltung
der Kunden im Winterschlußverkauf. Für mich ist dieses Zögern, trotz der
niedrigen Preise, durchaus verständlich. Wer mal als normaler Arbeitnehmer in
seine Januar-Lohntüte geschaut hat, weiß ganz genau, wer an der
Kaufzurückhaltung in erster Linie Schuld trägt. Schon klar: Alle haben es gewußt, daß Gebühren, Abgaben
und Steuern zum Jahresbeginn in die Höhe gehen werden. Daß es nun aber
gleich so dick kommen wird, das hatte kaum jemand geahnt. Außer den Profis, die
den ganzen lieben langen Tag nichts anderes zu tun haben, als über diese Dinge
nachzudenken, nachzurechnen und im System Lücken zu finden. Lieschen Müller und
Otto Normalverbraucher müssen derweil arbeiten. Und die Politik, die uns das
Kuckucksei ins Nest gelegt hat, spielt
die naive Unschuld. Das politische Geschäft wird nach den Erfahrungen von Hans
Apel, einst Finanzminister in der alten Bundesrepublik, derzeit nicht von
„interessanten, lebhaften und dynamischen Querdenkern“, sondern von
„anpassungsfähigen, pflegeleichten und nicht durchsetzungsfähigen
Parteisoldaten“ dominiert. Gelingt es nicht bald, diesen Zustand zu ändern,
„dann geht das Elend so weiter wie bisher“. Lang genug hat sich der Handel in
Heilbronn von einer innenstadtfeindlichen Politik gängeln lassen. Was dabei
herauskam? Die Leute kaufen woanders ein. Denn auch in Neckarsulm, Ludwigsburg,
Öhringen, Karlsruhe oder Stuttgart ist man dankbar für Kundschaft aus den
umliegenden Land- und Stadtkreisen. Konsequenz: Ideologie sollte auch in der
Heilbronner Verkehrspolitik keine Rolle mehr spielen. Kluge Entscheidungen sind
gefragt.
Krankenhaus-GmbH
Das
Städtische Krankenhaus Heilbronn wird ab 1. Januar 1997 als Gesellschaft mit
beschränkter Haftung – kurz GmbH geführt. Viereinhalb Jahre hatte der
Heilbronner Gemeinderat sich darüber den
Kopf zerbrochen. Eigenbetrieb oder GmbH, das war hier die Frage. Der
zuständige Dezernent, der SPD-Bürgermeister
Harald Friese, plädierte vehement für den Eigenbetrieb. Oberbürgermeister
Dr. Manfred Weinmann war ganz anderer Ansicht und zog die Zuständigkeit vom
Friese-Dezernat ab. Bei der Entscheidung im Gemeinderat zeigte sich eine
seltsame Koalition: SPD, Grüne und Republikaner stimmten für den Eigenbetrieb,
CDU, FDP und Freie Wähler für die GmbH. Die
OB-Stimme gab den Ausschlag – eine äußerst knappe Entscheidung für die
Gesellschaft mbH: 21 zu 20 Stimmen. Im Laufe der Diskussion machten die
Sozialdemokraten deutlich, daß sie die Zuständigkeiten für einen künftigen
Geschäftsführer in ein enges Korsett zwängen wollten. Das ist ein Signal, das
den OB bestimmt zweimal überlegen läßt, ob er die Zuständigkeiten für das
Krankenhaus wieder an Harald Friese zurückgeben oder weiter in seinem
Entscheidungsbereich belassen wird. Denn den vehementen GmbH-Gegner mit der
Ausgestaltung der neuen Gesellschaft zu betrauen, hieße nach menschlichem Ermessen
wieder Sand ins Getriebe zu werfen. Wenn die Krankenhaus-GmbH mal steht, dann
benötigt die Stadt einen Dezernenten weniger. In Zeiten der Sparsamkeit ist es
nur recht und billig, auch mal bei der Verwaltungsspitze den Rotstift
anzusetzen. Aber Verwaltungen haben bekanntlich ein zähes Eigenleben. Und 1999
scheiden OB Weinmann und Bürgermeister Reiner Casse aus ihrem Amt. Dann kann
auch neu verteilt werden – je nach Lage der Stadtkasse. Aber wie es heute
ausschaut, wird das Geld bis dahin genauso wenig sprudeln wie derzeit.
Stobl-Credo
Für
den Kreisvorsitzenden der CDU Thomas
Strobl war es der erste Neujahrsempfang, bei dem er seine Partei
repräsentativ vertreten mußte. Neben ihm saß der Ehrenvorsitzende der
Unterländer CDU, der Bundestagsabgeordnete Egon
Susset, der wohlwollend die klaren Worte seines Nachfolgers begleitete. Was
Thomas Strobl am vergangenen Freitag mitzuteilen hatte, glich einer
Regierungserklärung, einerseits für seine Partei, andererseits für die Region
(er ist CDU-Fraktionsvorsitzender in der Regionalversammlung) und für die Stadt
Heilbronn (als CDU-Stadtrat und stellvertretender Fraktionsvorsitzender). Auch
beim Neujahrsempfang lautete die Botschaft im Politik-Kern: Sparen, sprich
Staatsausgaben kürzen. Wie und wo die von ihm geforderte
Großveranstaltungshalle gebaut werden soll, die Heilbronn „zu einem klareren
Image“ verhelfen soll, das wurde nicht deutlich. Aber daß sie nicht in der
Stadt stehen muß, war Konsens bei allen anwesenden CDU-Politikern. Von einer engeren Anlehung an den
Stuttgarter Raum jedoch wollte Strobl nichts wissen. Die Chancen für den
ländlichen Raum nutzen, so lautet sein Credo: Hauptverkehrsadern der
Kommunikationstechnik dürfen an der Region nicht vorbeiführen, Bio- und
Gentechnik-Projekte sollten hier angesiedelt werden – kurz die vorhandene Struktur
mit neuen Techniken verknüpfen. Natürlich konnte es Strobl sich nicht
verkneifen, die CDU-Mandatsträger gegen den SPD-Wirtschaftsminiter Spöri ins
Feld zu führen. „Sie sind nicht nur hier, wenn ein roter Teppich ausgerollt
wird. Sie schreiben auch nicht Böckingen auf den Wahlzettel und wohnen in
Wahrheit in Backnang oder sonstwo. Sie haben ihr Mandat auch nicht als
Absicherung für den Sprung ins Stuttgarter Rathaus. Sondern sie arbeiten für
die Menschen und leben unter den Menschen in der Region.“ Damit dürfte der
Landtagswahlkampf im Unterland eröffnet sein. Und Dieter Spöri muß sich mit dem
Argument weiter herumschlagen, daß er sich in seinem Heilbronner Wahlkreis zu
selten hat sehen lassen.
Euro-Dieter?
Die
Sozialdemokraten sind mit Dieter Spöri als Spitzenkandidaten im vergangenen
Jahr ganz gut gestartet – meinen sie. Hatte doch der Dieter alle Konkurrenten
munter aus dem Rennen gedrängt. Nun aber macht ihm Uli Maurer, der
SPD-Obergenosse im Lande Schwierigkeiten. Der SPD-Landesvorsitzende wurde mit
einem Plakat zur Landtagswahl durch den SPD-Bundesvorsitzenden Oskar Lafontaine
gestoppt. „So nicht CDU! Stabile Währung
statt noch mehr Arbeitslose: 1999 kein Euro.“ Jetzt steht auf den
geänderten Plakaten zu lesen: „Spöri: Währungsunion verschieben.“ Die
Republikaner in Baden-Württemberg sind über die Lafontaine-Proteste glücklich.
Denn ihr Chef Rolf Schlierer hatte schon befürchtet, daß „Maurer und Spöri uns
europapolitisch rechts überholen“ würden. Für Walter Döring von der FDP macht
die SPD mit diesem Slogan eine „europapolitische Geisterfahrt“. Und für
CDU-Fraktionsvorsitzender Günther Oettinger treiben die Sozialdemokraten „das
Geschäft der Radikalen“. Dieter Spöri jedoch will weiterhin bei seinem Konzept
bleiben: „Ich werde die Notwendigkeit eines realistischen Zeitplans für die
Europäische Währungsunion und damit die Verschiebung der für 1999 vorgesehenen
dritten Stufe aus Sorge um unsere industriellen Arbeitsplätze zu einem
zentralen Wahlkampfinhalt machen.“ Beim Neujahrsempfang der SPD im Unterland wies Spöri vor allem auf
die Chancen der momentanen Wirtschaftskrise hin: Jetzt müsse man
zusammenstehen, Unternehmer, Gewerkschaften, Industrie, Handel, Kommunen und
Land, um die Zukunft zu meistern. Denn es könne nur noch aufwärts gehen. Dabei
sei das Unterland weit besser dran als die Region um Stuttgart. Man solle also
nicht immer angstvoll auf die Landeshauptstadt schauen, sondern selber
kraftvoll beginnen. Gut gebrüllt, Löwe – heißt es bei Shakespeare. Und bei uns?
Dieter, gang Du voran, Du hast größere Stiefel an. Flüstern die Genoss(inn)en -
laut und leise.
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