Samstag, 22. Februar 2014

Kiliansmännle, 14.08.1996




 Autobahngebühr
Die Schweizer haben sie, die Franzosen lassen sich jeden Kilometer einzeln bezahlen und nun will auch die Republik Österreich alle Durchreisenden mit einer Vignette für die Benutzung ihrer Autobahnen blechen lassen. Nur die Deutschen  stellen ihre Hochgeschwindigkeitsstraßen kostenlos zur Verfügung. Warum eigentlich? Die meisten Bundesbürger würden vermutlich gerne eine jährliche Maut, sagen wir von 50 oder auch 100 Mark, bezahlen. Die Forderung nach einer Gebühr klingt ungewöhnlich und setzt voraus, daß In- und Ausländer im Zuge der europäischen Einigung die gleiche Gebühr berappen. Mit der biblischen Formel „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ hat dies wenig zu tun. Es geht vielmehr um Gerechtigkeit: Der Deutsche zahlt in Österreich und der Österreicher in Deutschland. Und niemand muß sich darüber aufregen, daß wir in Frankreich, Österreich und der Schweiz Autobahngebühren zahlen, während alle Ausländer unsere Straßen überfüllen und unsere Luft verpesten. Eine Abgabe, die jedem einleuchtet und keinem weh tut. Ganz zu schweigen von den Einnahmen, die unser Staat gut gebrauchen könnte. Damit ließe sich zum Beispiel der Ausbau der A6 finanzieren. Die Folge wären weniger Staus, und die Städte Bad Rappenau, Heilbronn und Weinsberg würden endlich aus den halbstündigen Verkehrsmeldungen  im Radio verschwinden. Auf solche Werbung können sie ohne Probleme verzichten.

Bier und Wein
Es war nicht ganz so wie erhofft, aber besser als erwartet. Sagten die Schausteller auf dem Unterländer Volksfest. Die Regentage kurz vor dem Ende an diesem Montag brachten einen kleinen Einbruch. Doch Bernhard Winkler, Heilbronns Verkehrsdirektor, zählte allein schon bis zum Sonntag rund 280.000 Besucher. Wie er das immer fertigbringt – mit seiner Zählerei?!? Das werde ich nie kapieren. Pi x Daumen x Quadratmeter oder so ähnlich soll die Zauberformel heißen.  Aber im Zählen  und Hochrechnen war der „Lange“ ja immer schon stark (stärker als andere Kollegen auf dem Rathaus). Zum Beispiel hat er errechnet, daß in 357 Tagen das nächste Unterländer Volksfest startet. Am 1. August 1997 um 17.30 Uhr soll es wieder heißen: „Ein Prosit auf die Gemütlichkeit beim 71. Jahr Unterländer Volksfest mit Herz 1997“. Ich kann mir nicht vorstellen, daß so ein komplizierter Spruch jemandem über die Lippen kommt. Aber angestochen wird das Faß Bier vom OB dann schon. Hoffentlich mit so wenigen Spritzern wie heuer. Und auch die Stuttgarter Dinkelacker Brauerei wird mit ihrem Cluss-Bier wieder mit von der Partie sein. Die Frage ist, ob bis dahin schon die Pläne für die Hausbrauerei im Hagenbucher vorangeschritten sind. Vier Millionen wollen die Stuttgarter investieren. Aber unsere Stadträte bleiben skeptisch und fragen sich, wieviel die Stadt als Subvention dazugibt – und ob wir uns das heutzutage noch leisten können. Übrigens: In der Nacht zum Dienstag sollen ab Mitternacht eine Million Glühbirnen abgebaut  und 200 Wagenladungen verstaut worden sein. Die Göckelesmaier-Karawane zog weiter, zum nächsten Volksfest, dem Bietigheimer Pferdemarkt. Für die Stadt Heilbronn heißt der nächste „Veranstaltungshöhepunkt“: Das 26. Heilbronner Weindorf vom 12. bis 20. September. Na dann, prost.

Bußgelder
Mit dem Knöllchen-Geld stopfen die Kommunen zunehmend ihre Löcher in den Stadtsäckeln. Das behaupten nicht nur gestreßte Autofahrer und viele Experten, sondern jetzt auch Deutschlands größte Sonntagszeitung BamS. Das Geld von Falschparkern, Rotlichtsündern und Rasern  sei schon lange fester Bestandteil im Hauhaltsplan der Städte und Gemeinden. Und einige geben das auch ganz offen und ungeniert zu. Unter der Überschrift „Heidelberg ist  Spitze, und Berlin will 100 Millionen“ wurde eine Hitliste deutscher Großstädte veröffentlicht, in der die Einnahmen an Bußgeldern pro Bürger aufgelistet wurde. Die ersten fünf Plätze belegen folgende Städte: Heidelberg (55,03 Mark Einnahmen pro Einwohner), Karlsruhe (51,08 Mark), Stuttgart (43,07 Mark), Heilbronn (40,85 Mark) und Ulm (39,19 Mark). Die Schlußlichter dieser Liste: Fürth (8,27 Mark), Nürnberg (7,00 Mark) und Bochum (5,95 Mark).Verkehrsexperten wenden sich jetzt immer mehr gegen die rabiate Abkassiererei der Städte und Gemeinden: „Die Gemeinden schaffen sich Meßgeräte an, um die eigene Kasse zu füllen, sagt Wolf-Dieter Beck, Rechtsexperte beim ADAC. „Das Ganze hat nichts mehr mit Verkehrssicherheit zu tun: Es wird vielfach dort gemessen, wo es die Verkehrslage nicht erforderlich macht.“ Dabei soll sogar für Angestellte im Außendienst in manchen Städten „eine Knöllchen-Quote“ vorgegeben sein: Pro Person und Monat 400 Tickets im Soll. Daß Heilbronn im Reigen des „Abzockens“ mit an der vordersten Stelle steht, wirft kein gutes Licht auf die Käthchenstadt, die unter starken Image-Problemen derzeit zu leiden hat. Aber wie ich die Stadtväter Heilbronns kenne, dann sehen sie in diesen Zahlen überhaupt kein Problem. In der Stadt stehe alles zum Besten. Denn schließlich habe die Verkehrsberuhigung zu „beeindruckenden Ergebnissen“ geführt. Zum Beispiel: Weniger Tote auf den Straßen. „Abzockerei“ jedoch bedeutet nur ein Auswuchern eigentlich sinnvoller Maßnahmen.

Schlußverkauf
Die Streiks im Einzelhandel haben dem Sommerschlußverkauf offenbar weniger zugesetzt als zunächst befürchtet. Vor allem die anfangs dunklen Mienen der Textileinzelhändler hellten sich im Laufe der SSV-Tage auf. Erfreulich wäre der Verkauf gelaufen, hieß es bei den Heilbronner Kaufleuten. Die Kaufhäuser in und um Heilbronn zeigten sich in ihren Äußerungen da weniger enthusiastisch. Verständlich. Denn die wirtschaftliche Situation hat sich nicht verbessert, im Gegenteil. Und eine Tendenz zu einem positiven Umschwung ist noch nicht zu erkennen. Wer demnächst noch in den Urlaub fahren wird, kann sich dieses oder jenes Schnäppchen für seinen sommerlichen Kleiderschrank sichern. Auch wenn die Regale jetzt schon mit Herbst- und Winterware gefüllt werden. Es soll ja übrigens ganz clevere Kunden geben, die zu Beginn des Sommers durch die einzelnen Läden streifen, sich dies und jenes zeigen lassen, auch mal in ein Kleidungsstück hineinschlupfen, um es sich ganz genau zu merken und dann später im SSV danach zu fahnden. Das nenne ich Sparsamkeit, die unserer Landschaft angemessen ist. Aber dazu muß man Zeit haben, viel Zeit. Und die kostet bekanntlich auch Geld. Was mich an diesem Sommerschlußverkauf jedoch gestört hat, das sind die seltsamen Streiks, die in einigen größeren Städten durchgeführt wurden. Nachdem die Gewerkschaften mit ihren Plänen bei den Ladenöffnungszeiten gescheitert sind, versuchen sie jetzt über Lohnforderungen die 20 Uhr-Grenze für große Geschäfte unattraktiv zu machen. Etwa, um die kleinen Familienbetriebe zu stärken, in denen kaum gewerkschaftlich Organisierte ihren Lebensunterhalt verdienen? Ich bin gespannt, wie attraktiv die Händler die Möglichkeit zu verlängerten Ladenöffnungszeiten für ihre Kunden gestalteten. Irgendwann, wenn  sich dieses Jahr seinem Ende zuneigt.

Sommerzeit
Sommerpause in der Politik. Die Stallwachen in den Ministerien produzieren die Schlagzeilen. Was jetzt im August so angeregt und durchdiskutiert wird, hat ein schnelles Verfallsdatum, das teilweise nach ein bis zwei Tagen schon einsetzt. Ein Teil der CDU-Spitze im Unterland (Thomas Strobl, Kreisvorsitzender, Helga Drautz-Oertel, Vorsitzende des Stadtverbands Heilbronn und Walter Schwaß, Pressesprecher des Kreisverbands) hatte zur traditionellen Pressekonferenz auf den Heilbronner Wartberg eingeladen.  Die Themen: Forderung nach einem Haushaltsstrukturgesetz des Bundes zugunsten der Länder; zügige Umsetzung des neuen Sozialhilferechts; Weiterentwicklung des Region Franken; Forderung nach einer innovativen Umweltpolitik im Lande Baden-Württemberg (im Kontrast zur SPD-Umweltpolitik in der großen Koalition); Verstärkung der Wirtschaftsförderung für die Region; Aufforderung an den Heilbronner Einzelhandel, die neuen Ladenschlußzeiten voll auszuschöpfen; alkoholbedingte Gefahren im Straßenverkehr, wobei weniger Promille nicht mehr Verkehrssicherheit garantieren; Forderung nach einer Anti-Korruptionsstelle bei der Gemeindeprüfungsanstalt; Einführung der Kronzeugenregelung bei Korruptionsdelikten; und „Pilotprojekt Kaiserstraße geplatzt“. Der zuständige Bürgermeister in Heilbronn, der Verkehrsdezernent Harald Friese antwortete dieser Tage dem CDU-Kreisvorsitzenden Thomas Strobl in einem Offenen Brief, der mit dem Satz endete: „Auf welchen Fakten und sachlichen Überlegungen beruht also ihre Forderung: „Es muß endlich Schluß sein mit Straßen-, Verkehrsberuhigungs- und Parkierungsregelung, die sich gegen die Bürger richten, und unseren Einzelhandel kaputtmachen?“. Kommunalpolitischer Schlagabtausch in der Sommerpause. Die nächste Runde bitte!

Festspiele
Festspiele im Sommer. Da denkt der unbedarfte Leser zunächst an die international bekannten und  berühmten sommerlichen Kulturereignisse – in Bayreuth oder Salzburg. Dort, wo die Reichen und Schönen teilweise im (geliehenen) Rolls-Royce vorfahren, um zu zeigen, wo sie vom Volk eingestuft werden möchten. Auf kulturellem Bundesliganiveau sind dann die Klang-Ereignisse beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival oder den Opernfestspielen in München einzuordnen. Dort reicht schlichte festliche Kleidung aus, um sich angemessen dem Kunstgenuß hinzugeben. Die Stufe danach: Die Schauspiel- und Musical-Aufführungen in Bad Hersfeld, Schwäbisch Hall, Jagsthausen, Ettlingen oder Wunsiedel. Oberliga sozusagen. Hier reichen Pullover und Straßenkleidung aus. Und darunter noch die Landesliga – Neuenstadt am Kocher, Stetten oder Möckmühl. Bei uns im Gäu dürfte Jagsthausen mit seinen Götzfestspielen im Burghof das herausragende sommerliche Kulturereignis sein. Theater mit Mimen, die man aus Fernsehserien und einem Werbespot kennt, wie Heilbronns Intendant Klaus Wagner kürzlich darlegte. Dort in der Burg wurde vor wenigen Tagen von Alexandra Freifrau von Berlichingen, der Ersten Vorsitzenden der Burgfestspiele, der „Intendant und künstlerische Leiter“ Arnold Petersen (69) nach zwei Jahren Tätigkeit verabschiedet. Ein gefragter Mann (früher Intendant des Nationaltheaters Mannheim), der in ganz Deutschland noch als Interimsleiter von Staatstheatern gehandelt wird. Mit den Burgfestspielen hatte er Neuland betreten, wollte im Freilichttheater ein wenig vom wilden Interpretations-Geist der Staatstheater-Inszenierungen einfließen lassen. Aber damit war in Jagsthausen kein Staat zu machen. Mal sehen, was der neue Mann Jochen Striebeck den Jagsthäusern und ihrem Publikum zu bieten hat – ab der kommenden Spielzeit 1997.

City-Trouble
Der Berliner Platz soll überbaut werden. Seit der Einweihung des Heilbronner Stadttheaters im Jahre 1982 ist ein Teil des Platzes zur Schotterwüste verkommen. Geparkt werden darf dort nicht. Die Bewohner Heilbronns und die Gäste aber können dieses Zeichen Heilbronner Ohnmacht als Indiz für Unfähigkeit seit Jahren bewundern. Zunächst sollte das Kaufhaus Breuninger dort ansiedeln. Aber dieses erfolgreiche Unternehmen schaute sich die Querelen in der Stadt nur eine kurze Zeit lang an – und verzichtete. Jetzt soll ein Stuttgarter Unternehmen einen Komplex mit Geschäften, Großkino und Theater dort bauen. Und die klugen Stadtväter Heilbronns unterrichteten den vorhandenen Kinobetreiber noch nicht einmal über die Pläne, geschweige denn befragten ihn, ob er dort einziehen wolle. Jetzt verhandelt der mit der Stadt Neckarsulm über ein Großkino auf der grünen Wiese – und das Heilbronner Berliner-Platz-Projekt gerät bedenklich ins Wackeln. Wen wundert’s, wenn so „klug“ Kommunalpolitik gemacht wird. Die Neckarsulmer brauchen überhaupt keine Gewissensbisse zu haben. Die Zeiten sind hart. Jeder muß in der Wirtschaftskrise gucken, wo er bleibt. Und Heilbronn befragt seine Umlandgemeinden auch nicht, wenn es großfliegende Pläne hegt, die nicht nur zum Vorteil für die kleineren Städte und Gemeinden sind – siehe Regionalflughafen. Da stellt sich der Heilbronner OB hin und verkündet seine Befürwortung, ohne sich groß mit den Bürgermeistern im Landkreis abzusprechen. Und hinzu kommt: Die Heilbronner Innenstadt ist ein Krankheitsfall. Das können selbst wohlmeinende Stadträte nicht mehr bestreiten. Sie jammern aber nur, klagen darüber, daß nicht alle in Heilbronn an einem Strang ziehen. Ja, wenn's keinen Strang gibt und keiner ihn herstellt, dann kann man auch nicht ziehen.

König Fußball
Es ist mal wieder soweit. Wer jetzt nicht weiß, wovon ich rede, der werfe einen Blick in die Glotze. König Fußball hat uns wieder. Am kommenden Freitag beginnt für viele endlich wieder die Fußball-Bundesliga. Zwar wurde den Enthusiasten das lange Warten durch Bertis Buben und den Gewinn der Europameisterschaft versüßt, die Cola-Olympiade versuchte ebenso das Fußball-Sommerloch zu stopfen, doch was sind schon mehrwöchig andauernde Sportereignisse gegen das Fiebern über 34 Wochen Nettofußball? Außerdem: Ist unsere Fußballbundesliga nicht ein bißchen wie das richtige Leben? Lindenstraßenmäßig kommen doch auch hier alle Probleme, die durch unsere Gesellschaft wabern,  zur Geltung: Zum Beispiel das Thema Überalterung. Kann der „Rentnerverein“ aus Bielefeld (das Durchschnittsalter der Arminia soll so rund 67,4 Jahre betragen) im sportlichen Vergleich der jungen Hüpfer mithalten? Schaffen es die Bayern aus München, mittlerweile fest in italienischer Hand, endlich einmal wieder Deutscher Meister zu werden, oder gelingt es Dauerintrigant „Loddar“, Haß und Zwietracht innerhalb der Mannschaft zu säen und den Titelgewinn zu vereiteln? Ganz ehrlich gesagt: Freuen würde es uns doch fast alle, wenn wieder einmal das schwarzgelbe Lazarett aus Dortmund oder noch besser unser schwäbischer Dribblerverein VfB Stuttgart – hoffentlich verläuft die Verpflichtung eines neuen Trainers (Fringer geht ja in die Schweiz) nicht ähnlich wie der Fall Andreas K. – Titelgewinner werden würde. Die Antworten auf diese Fragen werden Sie und ich im Laufe der Spielzeit sicherlich erhalten. Da ich vom Turm live nur den VfR Heilbronn sehe, muß mein Blick auch gelegentlich voyeurhaft in die Wohnzimmer wandern – zu den Altären, auf denen das Allerheiligste der Fußballzeit steht: ein Farbfernsehgerät (möglichst mit Premiere).

Es herbstelt
Von der Sonne verwöhnt –  wurden wir im Unterland bis zum Wochenende. Dann kam der große Regen. Nach diesem Sommer in deutschen Landen verstehe ich durchaus, daß es meine Landsleute in den sonnigen Süden zieht, wenn sie Ferien machen. Vornehmlich in Gebiete, die sonnensicher sind. Ins nördliche Afrika, auf die Kanaren, in die Türkei, in die Karibik. Die Meteorologen behaupten, der Sommer neige sich jetzt seinem Ende zu. Aber den Wetterfröschen zu glauben, das ist eben eine Sache des Vertrauens. Es kann durchaus noch in unseren Landen schön werden, jetzt in der zweiten Hälfte des August oder im September. Aber darauf zu bauen, das ist eine wackelige Sache. Der germanische Urwald ist in Teilen halt immer noch präsent. Vor allem beim Regen. Nicht so schlimm wie auf den britischen Inseln, aber schlimm genug. Dann lieber gleich in den sonnensicheren Süden, wenn es an die Urlaubsplanung geht. Trotz aller Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Klima in deutschen Landen  – unsere Landwirte scheinen mit dem Wetter zufrieden zu sein. Auch wenn Klappern zum Geschäft gehört. In manchen Bereichen, höre ich, sei die Ernte sogar zu gut ausgefallen. Die Preise purzeln. Zum Vorteil des Verbrauchers. Der Trost: Aus der Schönheit des Sommers wird im Herbst Marmelade gemacht. Bei uns „Gsälz“. Und das auf einem frischen Brötchen – das schmeckt, vor allem nach dem Urlaub im Süden.

Döring unter Tage
Der neue Wirtschaftsminister, ein Lehrer aus Schwäbisch Hall, läßt die Stadt Heilbronn nicht hängen. War doch der Walter Döring, FDP-Landesvorsitzender und Stellvertreter Erwin Teufels in der schwarz-gelben Stuttgarter Koalition, gleich an zwei Treffpunkten Heilbronns in den letzten Wochen stark präsent: Einmal beim Wengert-Fescht seines Partei- und Landtagskollegen Richard Drautz; zum anderen unter Tage bei den Südwestdeutschen Salzwerken, die zu je 45 Prozent dem Land und der Stadt Heilbronn gehören. Da Walter Döring in seiner Ministerfunktion auch „oberster Bergmann“ des Landes ist, hatte er den Salzbergwerkern einiges zu sagen. Um die Abfallabgabe des Landes ging es. Die würde nicht nur die Erzeuger, sondern auch die Deponiebetreiber benachteiligen. Meinte Ekkehard Schneider, Vorstand bei den Salzwerken. Und deshalb wäre in der Heilbronner Deponie noch ausreichend Platz. Bislang werden überwiegend Rauchgasrückstände aus Müllverbrennungsanlagen in Heilbronn eingelagert. Demnächst sollen noch  Schlacken, Gießereisände, Galvanikschlämme und anderes eingelagert werden – so das entsprechende Planfeststellungverfahren  akzeptiert wird.  Die Privatisierung, das heißt der Verkauf des 45-Prozent-Anteils des Landes an die Südwestdeutschen Salzwerke, stünde demnächst an, teilte der neue Wirtschaftsminister mit. Schließlich hätte man im Koalitionsvertrag ein Privatisierungsgebot hineingeschrieben. Und das gälte auch für die Heilbronner Salzwerke. Mit der Stadt Heilbronn müßte allerdings noch verhandelt werden. Deshalb stünde aktuell keine Entscheidung an. Fragt sich wann. Denn auch die Stadt braucht dringend Geld in der Kasse.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen