Feschtleskönig
Wenn
Weindorf und Karneval vereint grüßen und ein Feuerwerk so farbenprächtig
glitzert, daß selbst Volksfestwirtin
Josefine Maier beim Vergleich zu ihrem Lichterzauber vor Neid erblassen
würde, dann ist die Heilbronner High-Society aus dem Häusle. Weg von daheim, im
Hof der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg. Auserwählte 250
durften dem Geschäftsführer August Muhler zum 50. Geburtstag zuprosten. Die
Heilbronner Bürgermeister-Riege gehörte nicht dazu. Entweder glänzte sie durch
Abwesenheit, oder sie war von „Gustl“ erst gar nicht eingeladen. Das hat dem
Abend wenig geschadet. Bevor der Cleebronner Feuerwerks-Guru Walter Zink die
Raketen aus dem Wengert feuerte, ging’s im Hof heiß her. Kanevalsvereine aus
Heilbronn und Ellhofen, langbeinige Tanzgirls von Sigrid Lipp, Sänger und
Musiker, Bauchtänzerin und Jaghornbläser heizten an diesem lauen Sommerabend
nicht nur dem „Programmdirektor“ Lutz
Wagner (SDR) mächtig ein. Auch spanisch war die Nacht, und rot der
Württemberger. Günter Erlewein ließ die
Flamenco-Mädchen antanzen, die alle Jahre wieder beim Heilbronner Europafest in
Carmens Fußstapfen treten. An Speis und Trank hat’s auch nicht gemangelt. Der
Knochenschinken war mager, die Spanferkel-Fülle exzellent und das Reh-Gulasch
aus eigenem Abschuß des Geburtstagskindes. Weingenossen, die sonst im
Heilbronner Weindorf einschenken (wo waren eigentlich deren Chefs?), ließen
sich nicht lumpen. Gleich kistenweise kamen die Musterflaschen an, und der Sekt
aus dem Keller der WG floß in Strömen. Auffallend auch hier: Wenn’s nix koscht,
dann langen auch die Promis kräftig zu. Der Wunsch des Geburtstagskindes ging
auf jeden Fall in Erfüllung: Er bekam den Gewehrschrank und einen Abend, von
dem in gewissen Unterländer Kreisen noch lange gesprochen wird. Für so manchen
kommenden Jubilar wird’s wohl schwierig werden, den Feschtles-König August Muhler in den Schatten zu
stellen. Aber wie ich meine Mitbürger hier im Gäu kenne, wird jetzt von
Jubiläumsfest zu Jubiläumsfest die Phantasie neue Kreationen liefern. Nur
preiswert muß es sein.
Entsorgung
Das
Salzgeschäft der Südwestdeutschen Salzwerke in Heilbronn boomt. Eine Dividende
von 22 Prozent ist den Aktionären sicher. Heute bei der 25. ordentlichen
SWS-Hauptversammlung können die beiden Vorstände Ekkehard Schneider und Heinz
Heckmann stolz auf das florierende Salz- und Entsorgungsgeschäft in Heilbronn
und Kochendorf verweisen. Um die 50
Millionen hat man dazuhin noch auf der hohen Kante. Vielleicht wird das Geld
benötigt, um Teile der vom Land zur Privatisierung anstehenden
„Sonderabfallentsorgung Baden-Württemberg GmbH“ zu erstehen (Sitz der SBW ist
Fellbach; mit knapp einhundert Mitarbeitern wird ein Umsatz von 40 Millionen im Jahr
erwirtschaftet; in Billigheim betreibt die SWB eine Übertage-Sonderabfalldeponie). Nachdem sich der Wunschpartner des Landes,
die beiden großen baden-württembergischen
Energieversorgungsunternehmen EVS und Badenwerk samt ihrer
Entsorgungstöchter Evas und Useg bisher für eine Übernahme nicht begeistern
konnten, blieben nur noch die Unterländer Salzwerke. Und dem Land könnte es
recht sein, wenn die SWS zugreift. Hält es doch zusammen mit der Stadt
Heilbronn neunzig Prozent der Salzwerke-Aktien. Wie las ich kürzlich: Das im
Entsorgungsgeschäft sehr engagierte Unternehmen SWS könnte damit seine
Möglichkeiten arrondieren. Aber was soll da abgerundet, vervollständigt werden?
Mit den Salzstöcken verfügt die SWS über gewaltige Kapazitäten in der
Untertage-Deponie in Heilbronn und Kochendorf. Mit der hinzukommenden
Billigheimer Deponie hätte die SWS dann eine Übertage-Deponie. Aber wieviel ist die dem Heilbronner
Unternehmen wert? In Stuttgart heißt es, wenn der Finanzminister beim Verkauf
fünf Millionen Mark sieht, dann könne er sich glücklich schätzen. Andere
meinen, es ginge auch für den symbolischen Wert von einer Mark. Mal sehen, wie
geschickt die Heilbronner Vorstände die Wünsche des Landes zum Vorteil ihres
Unternehmens ummünzen. Und so ist halt das Leben: Davon partizipieren die
Eigentümer - Heilbronn und Baden-Württemberg – dann auch wieder kräftig. Honi
soit qui mal i pense. Ein Schelm ...
Rot-Grün?
Eine
rotgrüne Koalition sollte es nach den Landtagswahlen in Stuttgart geben, ein
Bündnis für den sogenannten Fortschritt bei uns in Baden-Württemberg. Wurde
aber nichts draus. Der Wähler machte den Politikern mit dieser Absicht einen
gehörigen Strich durch die Rechnung. Dieter
Spöri, Heilbronner SPD-Landtagsabgeordneter, war als Ministerpräsident für
eine derart farbenschillernde Koalition ausersehen. Ihn straften die Wähler mit
25 Prozent für seine Partei nicht nur im Lande ab, er verlor darüber hinaus
auch noch sein Heilbronner Direktmandat. Und jetzt wird spekuliert, wann er
sein über die Zweitauszählung erlangten Sitz im Stuttgarter Landtag aufgibt. Da
Friedrich Niethammer als Zweikandidat
aus gesundheitlichen Gründen nicht antreten kann, würde das Heilbronner Mandat
dann nach Schwäbisch Gmünd abgegeben. In der Käthchenstadt hat sich Spöri seit
der Wahl nicht mehr blicken lassen. Und darob sind die Heilbronner Genossen
strutsauer. Auch beim Treffen der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden aus dem Ländle in
Wernau wurde er nicht gesichtet. Dort hatte man sogar den einstigen politischen
Lieblingspartner zum Lieblingsgegner erklärt. Munter wurde auf die Grünen
eingeprügelt, daß es nur so rauchte im sozialdemokratischen Karton. Selbst Oskar Lafontaine geißelte die
Sonnenblümler als eine „Partei des Zeitgeistes“. Und auch Ulrich Maurer, der Sozi-Landeschef, sah im Wunschpartner a. D. nur
noch den Gegner pur. Mehr als die Hälfte der SPD-Wähler, teilte er den
Funktionären mit, würde eine Koalition mit den Grünen ohnehin ablehnen.
Selbstkritisch stellte er fest: Die SPD habe den Grünen „zuviel Platz
gelassen“. Das habe die SPD-Wahlchancen erheblich gemindert. Aber nicht die
Grünen haben bei der März-Landtagswahl verloren, sondern die SPD. Fehler müssen
die Genossen also zuerst bei sich selbst suchen, nicht bei anderen Parteien.
Billige Entschuldigungen ersetzen noch lange keine gute Politik, sind höchstens
Pflaster für die noch offenen Partei-Wunden.
Standort-Fragen
Die
Region Stuttgart soll Vorbild für andere Regionen bei uns in Baden-Württemberg
sein. Sagt der Unternehmer Hans Peter Stihl aus Waiblingen, der hart für diesen
Zusammenschluß des Ballungsraumes um die Landeshauptstadt gekämpft hatte. Deshalb
ist der Rat des Unternehmers für die Region Franken, das heißt den
„Wirtschaftsraum Heilbronn“, nicht zu warten, bis sich irgendwann mal die
Landräte und Oberbürgermeister aus der Region mit ihrem Interessengeklüngel
geeinigt haben. Vielmehr sollte diesen
Herren „Feuer unter den Hintern“ gemacht werden. Aber wer spielt den Zündler? Es gäbe ja genügend Interessengruppen:
Unternehmer, Gewerkschafter, Kommunal- und Kreisparlamente. Denn es ist höchste
Zeit. Die Region um Heilbronn steht zu vielen anderen im Lande in Konkurrenz.
Und darüberhinaus auch zu den Regionen im den benachbarten Ländern der
Europäischen Gemeinschaft. Zentrum des Landes aber solle der Stuttgarter Raum
bleiben. Das stellte der IHK-Präsident aus Stuttgart Hans Peter Stihl auch klar. Er habe diese läppischen Streitereien
in Baden und Württemberg um die Landeshauptstadt satt. Das schade uns allen im
ganzen Ländle. Wer diese Hauptstadt nicht haben wolle, der solle sie doch
verlegen. Nach Westen oder Osten. Beeindruckt von diesen und anderen Worten
schlug der Neckarsulmer IG-Metall-Chef Frank
Stroh vor, man solle wie in Stuttgart ein „Forum Heilbronn“ gründen.
Schraubenmilliardär Reinhold Würth aus Künzelsau war gleich Feuer und
Flamme. „Machen Sie mit. Ich mach auch
mit“, schlug er dem Gewerkschafter vor. Denn für Reinhold Würth muß sich jetzt
etwas bewegen, weil sonst die Region in 10 bis 15 Jahren weg vom Fenster ist.
Deutliche Worte beim Heilbronner-Stimme-Forum in der Kreissparkasse, die
ansonsten hier in der Provinz kaum zu hören sind. Warum wohl?
Rotlicht
Der
Mann hat Heilbronn saubergehalten. So wurde mir aus dem „Milieu“ mitgeteilt.
Wäre er nicht gewesen, hätte irgendeine Mafia, ob aus Rußland, Polen, Italien,
dem ehemaligen Jugoslawien oder Rumänien schon längst den Heilbronner Markt
brutalisert. Heilbronn habe dem jetzt als „Zuhälterkönig“ beschriebenen
44jährigen Mann viel zu verdanken. Neben der Trauer um den auf tragische Weise
tödlich Verunglückten war auch Zorn zu hören: Über einen Satz in der
Berichterstattung. Er sei „dank des
Regens“ beim Klettern von einem Balkon zum anderen in der Oststraße abgestürzt,
hatte es geheißen. Genugtuung und klammheimliche Freude über den Tod war
dem Berichterstatter wegen dieser Wortwahl unterstellt worden. Dem ist
garantiert nicht so. Der Verunglückte war natürlich „wegen des Regens“
ausgerutscht. Und ob er eine tragische
Figur in der Szene gewesen war, das kann eigentlich nur das „Milieu“ selbst,
die Kenner und die Polizei beurteilen. Wenn er ein Beherrscher, der für
„anständige Zustände“ in Heilbronn gesorgt hatte, gewesen war, dann stellt sich
ja jetzt die Frage: Wie geht es weiter? Anständig oder Unanständig? Wer nimmt
seinen Platz ein? Wer hat die Autorität dazu? Bei der Berichterstattung hier im
Blatte waren für mich die Folgen bemerkenswert. Auf dem
Redaktionsanrufbeantworter waren Sätze zu hören wie diese: „Seien Sie froh, daß wir das Jahr 1996 schreiben. Vor zehn Jahren
hätten sie damit viel Ärger bekommen – und ihr Redakteur auch.“ Von den
üblichen Beschimpfungen mal abgesehen, ist für mich feststellbar: Jetzt ist
Unruhe im „Milieu“. Niemand weiß so recht, wie es weitergeht. Aber die Frage
lautet auch: Interessiert es jemanden? Die Polizei vielleicht, das Milieu sehr
stark, den Normalbürger erst dann, wenn es Auseinandersetzungen gibt, die wie
in anderen Städten Deutschlands zu beobachten, blutige und tödliche Kämpfe
beinhalten. Niemand will das in Heilbronn.
Lottoglück
Bei
einer staatlichen Lotterie haben die Gewinner nach Artikel 763 BGB einen
Anspruch auf ihre Preise. Behauptet die Juristin der Verbraucherverbände Sabrina Ziebur-Kühn. Denkste. Bei
Sonderauslosungen im deutschen Lotto- und Toto-Block verfallen immer mehr große
Gewinne. Von 50 Reisen, die ausgespielt wurden, bekamen 17 Gewinner, die mit
dem Online-System (also per Computer) gespielt hatten, ihre Preise nicht. Laut einer Statistik aus Hessen, wo die
Spieler seit 1994 in allen Annahmestellen nur noch per Computer spielen können,
stieg die Zahl der nichtabgeholten Gewinne (1994: 16,7 Millionen Mark) seit Einführung
von Online um acht Prozent, zum Jahr 1995 noch einmal um 9,6 Prozent. Vor der
Online-Einführung wurden Gewinner von 1000 Mark an automatisch informiert. Online-Spieler bekommen jetzt eine
Computer-Quittung mit einer eigenen 27stelligen Identifikationsnnummer.
Gewinne gibt es nur, wenn sich die Inhaber dieser Quittung melden. Nach
Schätzungen verfallen dadurch in diesem Jahr inklusive Geld- und Sachpreise im
Wert von 200 Millionen Mark. Abhilfe soll demnächst eine Lotto-Card für die einmalige Gebühr von zehn Mark bringen. Wer
gewinnt, der bekommt dann sein Geld automatisch überwiesen. Bei uns im Ländle
sind wir momentan noch nicht soweit. Lottoscheine tragen weiterhin die volle
Anschrift des Spielers. Aber über kurz oder lang müssen wir uns dank Automatisierung
diesem Spieler-Problem stellen. Da bleibt den Lotto-Entusiasten wohl nicht
anderes übrig, als sich die Card zu holen. Beim Glücksspiel verdient halt immer
nur einer. Und den kennen wir alle.
Amadeus
Schwäbisch
Hall hat eine 54stufige Treppe vor der Kirche Sankt Michael, auf der
alljährlich zur Sommerszeit Theater gespielt wird. Und das jetzt schon im 71.
Spieljahr. Saisoneröffnung war mit dem Schauspiel „Amadeus“, das vielen ja
schon aus dem Fernsehen bekannt sein dürfte. Denn nachdem der Film vor Jahren
erfolgreich im Kino gelaufen war, hatten öffentlich-rechtliche und private
Fernsehsender den sehenswerten Streifen regelrecht durchgenudelt. Es ist also
hinlänglich bekannt, was uns da in Hall auf der Treppe über das Leben des
großen Wolfgang Amadeus Mozart geboten wird. Und warum nicht mal die
abenteuerliche Geschichte, die ja auch von Tourneetheatern immer wieder
aufbereitet wird, unter freiem Himmel an einem Sommerabend genießen. Bei der
Premiere allerdings blieben viele Stühle leer. Das Spiel Deutschland-Italien
bei der Fußball-Europameisterschaft in Großbritannien dürfte auch potentielle
Freilichttheaterfans in den Bann geschlagen haben. Damit kann ein Amadeus
publikumsmäßig eben nicht konkurrieren. Und so mancher Fan, den die Holde ins
Theater schleppte, hatte im Ohr einen kleinen Stöpsel, über den er akustisch
das Spiel, optisch die müden Theaterszenen verfolgen konnte. Multimedial
sozusagen. Aber das Fußballspiel dürfte begeisternder gewesen sein. Denn Mozart-Musik aus dumpfklingenden Lautsprechern,
ein action-armes Erzählstück, das wirkte erst eindringlicher, als die Nacht
hereingebrochen war und eine geschickte Licht-Choreografie das Dunkel aufteilte.
Aber wer’s noch nicht kennt, der lernt viel über Mozart. Auch wenn historisch
kaum etwas von dem, was im Stück gesagt wird, zu halten ist. Es ist halt nur
Theater. Wenn auch reichlich langweiliges.
Ausschuß-Ergebnis
Wenn
ein Untersuchungsausschuß tagt, ob im Bonner Bundestag, im Stuttgarter Landtag
oder im Heilbronner Rathaus, dann ist beim Ergebnis das Ringen um parteiliche
Positionen entscheidend. Beim Heilbronner „Akteneinsichtsausschuß“ (welch ein
Wortungetüm, der Erfinder sollte wegen Vergewaltigung der deutschen Sprache
angeklagt werden) sollen sich die beiden großen Parteien CDU und SPD kein
Gerangel geliefert haben. Harmonie war angesagt. Dabei zeigten sich die Sozialdemokraten mehr als Behüter und Beschützer
der ach so armen Rathausangestellten, die Christdemokraten wollten volle
Aufklärung, trotz ihres OB-Parteifreundes Manfred Weinmann. Am Ende des
70-Seiten-Berichts hofft der Heilbronner OB für seine Stadtverwaltung
flehentlich, „daß wir bald wieder eine leistungsfähige Verwaltung sind“. Schuld
an der Misere hat ja auch die Presse, denn: „Es tut weh, wie alle über 5.000
Mitarbeiter der Stadt von der Presse diffamiert werden.“ Nicht deutlich zu
lesen ist in diesem Bericht, daß es weh tut, wie im Heilbronner Rathaus die
Bürger der Stadt Heilbronn jahrelang betrogen wurden, obwohl man den
Kriminellen hätte leicht auf die Schliche kommen können. Ansätze, Hinweise –
auch das zeigt der Bericht – hatte es in Hülle und Fülle gegeben. Im
Ausschußbericht schimmert oft durch, daß alle im Rathaus sich korrekt verhalten
hätten, nur ein paar wenige seien große Schlamper gewesen. Mit scheint aber,
daß es zuviele Paragraphenreiter in der Stadtverwaltung gibt. Wenn ein
Mitarbeiter auf die Frage von Artur Kübler (CDU-Stadtrat), ob er auch eine
Rechnung für die chinesische Mauer begleichen würde, sollte eine ordnungsgemäße
Zahlungsanweisung (mit zwei Unterschriften) vorliegen, und dieser Mann mit „Ja“
antwortet , dann ist eigentlich schon viel gschwätzt. Der Heilbronner OB muß
jetzt deutlich machen, daß er in den vergangenen Jahren von seinen Mitarbeitern
nicht zum Frühstücksdirektor degradiert worden ist. Man kann ja auch durch
zuviel Delegation von Aufgaben (ohne ausreichende Kontrolle) zur einer
tragischen Gestalt werden. Mal sehen, was die Fraktionen am Donnerstag im
Gemeinderat an Bewertungs-Munition aus dem Bericht gesammelt haben.
Wo
bleibt der Sommer?
Die
Bäuche der Flugzeuge gen Süden sind prall gefüllt. Wer immer kann, entflieht
dem kühlen Sommer bei uns im Ländle in wärmere Gefilde. Ob am Mittelmeer, in
Übersee oder auf den Kanaren. Dorthin halt, wo es um diese Tage und Wochen
angenehm sommerlich warm ist, die Sonne tagtäglich scheint und man einen netten
Badespaß haben kann. Wir aber bleiben im Lande (ich auf dem Turm ohnehin) und
nähren uns redlich. Ich verstehe schon,
daß die alten Römer keinen allzugroßen Gefallen an diesen Gefilden gefunden
hatten. Was soll auch in den angeblich so schönen Sommerwochen der dauernde
Regen, die kühle Witterung und die damit einhergehende miese Stimmung. Mag
schon sein, daß sich darüber unsere Landwirte freuen oder andere, die Hitze
weniger mögen. Die Sehnsucht der meisten
Menschen – auch in unseren Breitengraden - ist gen Süden gerichtet, weil es
dort so ist, wie man sich es bei uns gelegentlich wünscht. Bisher war ja der
Sommer 96 nichts als ein grünangestrichener Herbst. Aber einen Trost habe ich:
Die Meteorologen behaupten derzeit, zum Wochenende würde es besser werden. Wir
dürften mal wieder auf dem Balkon oder der Terrasse grillen, die Kinder könnten
nur mit Höschen bekleidet im Garten spielen. Aber was haben die Wetterfrösche
uns nicht alles schon erzählt. Glauben tu ich’s erst, wenn die Sonne so richtig
prall vom Himmel brennt.
Wir
sind Meister
Das
war schon eine tolle Europameisterschaft, die uns von den Fußballern da im
Fernsehen geboten wurde. Das Spiel gegen England - ein Krimi. Das Endspiel gegen
die Tschechen fast genauso spannend. Und dann die Entladung: Hupende Autos auch
in Heilbronn bis spät in die verregnete Nacht hinein. Sieger sind wir jetzt
alle. Gespielt und den Sieg errungen haben nur wenige. Nämlich jene
hochdotierten Männer, die als Gladiatoren mehr als zwei Stunden dem Leder
nachjagten, um es im Tor des Gegners ordnungsgemäß zu plazieren. So ist das nun
mal im Fußball-Leben. Gefreut haben wir uns wie die Schneekönige, als die
seltsam grün-weiß-berockte Königin (der Wembley-Rasen sah weitaus weniger
leuchtend aus) den Berti-Buben den Pokal aushändigte, jedem brav die Hand
entgegenstreckte und mit süßsaurem Lächeln huldvoll gratulierte. Unser gelernter Bäcker Klinsi dankte
formvollendet. Schließlich hat er ja seine britischen Lehrjahre schon hinter
sich, der schwäbische Bayern-Mann. Die Feier in London bei den deutschen
Tretern war feuchtfröhlich, wie zu hören war – und in der Unterlandmetropole
legten währenddessen die Fans den Verkehr in der Innenstadt lahm. Was mich
immer so verwundert: Da gewinnen elf Mannen ein Spiel mit dem Ball – und
Hunderttausende tun nachher so, als hätten sie mitgespielt und müßten sich
danach von der Anstrengung ausgiebig feiernd erholen. Allerdings ist es immer
noch die beste Form und Austragung von Krieg und Sieg (oder Niederlage). Sport
hat ja oft sehr viel mit Kräftemessen zu tun. Der eine ist stärker und siegt –
oder hat nur das Glück auf seiner Seite, und der andere ist der Looser. Wie im
richtigen Leben.
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