Er
hatte ja grundsätzlich gesehen recht, der Heilbronner Stadttheater-Schauspieler
Frank Watzke, als er am Samstag in
den Kammerspielen seinen Kilian-Preis für die beste Leistung in der Hauptrolle
(Männer) ablehnte. Denn damit würde die Arbeit der anderen Kollegen abgewertet.
Aber dank nettem und charmantem Süßholzgeraspel der Laudatorin Maria Soulas (Südfunk) nahm er Geld,
Statue und Urkunde dann doch entgegen. Es wäre ja auch eine Beleidigung für die
Wähler aus dem Theaterverein und die Festgesellschaft gewesen, wäre er bei
seiner unverbindlichen Ablehnung geblieben. Vielleicht ist dieser kleine Eklat
Anregung für die Verantwortlichen beim Theaterverein, darüber nachzudenken, ob
man die Preise weniger nach dem Schulnotenprinzip durch die Wahl von
Vereinsmitgliedern vergibt, sondern sich eher an einer Auszeichnung für die
Leistung zweier Schauspieler (weiblich und männlich) in der gesamten Spielzeit
orientiert. Und da könnte dann eine fachkundige Jury gleichberechtigt neben den
Vereinsmitgliedern ihr Urteil in die Waagschale werfen. Der einzelne
Schauspieler hätte mehr Preisgeld in der Tasche und der Kilianpreis erhielte
eine stärkere Wirkungskraft. Geschmälert hat die Kilian-Preisverleihung auch der Streit zwischen Feuilleton der Tageszeitung und Theaterleitung, der vom Vorsitzenden Uwe Jacobi angesprochen wurde. Folge:
Unter den Laudatoren war kein Kritiker
aus der Heilbronner Stimme zu finden. Einigen mißfällt, daß
Freilichttheater-Aufführungen alljährlich enthusiastisch gefeiert werden,
obwohl die künstlerische Qualität dieser Inszenierungen oft zu wünschen übrig
läßt, während das Heilbronner Stadttheater in seinen Leistungen mit der
Bundesliga-Elle gemessen und reichlich lieblos beurteilt werde. Verständlich,
daß sich Intendant Klaus Wagner
seine erfolgreiche und vielfach bewunderte Lebensleistung für Heilbronn nicht
kleinreden lassen will. Mir wäre ein offen ausgetragener Streit um die Sache
allerdings lieber als das seltsame wortarme
Gezerre.
Jugendgemeinderat
18
Sitze sind im Eppinger Jugendgemeinderat zu vergeben – 30 Kandidaten, alle
zwischen 15 und 18 Jahren, haben sich um die Plätze beworben und stellten sich
im Eppinger Gemeindehaus vor. Die Vorstellungsrunde soll aber – so ist mir aus gut unterrichteten
Kreisen gesagt worden – eine recht
linkische Angelegenheit gewesen sein. Da seien die Kandidaten etwas schüchtern
dagestanden und hätten ein paar wenige Sätze über das verloren, was sie
schließlich und endlich anders machen wollen. Denn dem Jugendgemeinderat steht
ein Etat von 10.000 Mark zur Verfügung. Die Verbesserungsvorschläge
konzentrierten sich im Großen und Ganzen auf Feschtle. Ein eigener Platz zum
Feiern, an dem man von niemand gestört wird und an dem man auch niemand stört,
der Disco-Bus solle öfter und nicht nur Heilbronn anfahren. Politische Motive
für eine Kandidatur gab’s weniger: Zwei Hauptschüler wollen gewählt werden,
damit ihre Schulkameraden „nicht immer so schlecht gemacht werden.“ Verdenken
kann man’s den Jugendlichen nicht, daß sie sich vor allem für das einsetzen,
was ihnen unter den Nägeln brennt – und das sind nun mal Partys und andere
Festivitäten. Schließlich feiern „die Großen“ auch gerne: Weindorf,
Traubenblütenfest allein in Heilbronn. Und in der restlichen Region sagt auch
keiner nein, wenn Weingott Bacchus gehuldigt werden soll. Schließlich zählt die
(Fest-)Kultur ja zu den sogenannten weichen Standortfaktoren und hebt die
Lebensqualität. Ich meine, warten wir’s ab. Wenn die jungen Leut erst mal in
der Ratstätigkeit drinstecken, dann werden sicherlich auch andere Themen
diskutiert. Über die ureigensten Belange
in einem Quasi-Parlament zu diskutieren und entscheiden, das könnte bei einigen
Jugendlichen Verständnis für die langwierigen Entscheidungsprozesse in der
Demokratie fördern. Unsere Staatsform mag manchmal langweilig und öd sein,
die Diktatur aber ist tödlich für freie Bürger.
Knall-Ohrfeigen
Der
Gemeinderat hat das Gutachten seines Akteneinsichtsausschusses zur Kenntnis
genommen – und verbale Ohrfeigen ausgeteilt. Ein miserables Zeugnis wurde vor
allem dem Oberbürgermeister Manfred
Weinmann ausgestellt, auch wenn zum Schluß drunterstand „versetzt“.
Detailliert wurde dem Verwaltungsfachmann von den einzelnen
Fraktionsvorsitzenden unter die Nase gerieben, wo er überall ansetzen solle, um
die Arbeit im Rathaus effizienter, strenger überprüfbar, weniger schlampig und
zum Vorteil der Bevölkerung verbessern sollte. Jetzt hat der Regierungspräsident Udo Andriof unserem
OB mitgeteilt, daß er mit dessen Antworten auf die noch ausstehenden Fragen
zufrieden sei und keine Veranlassung sehe, „dienstrechtliche Maßnahmen“ gegen
den Heilbronner OB einzuleiten. Weil er
den Mißständen „infolge unterbliebener Information nicht entgegenwirken“ konnte.
Allerdings werde das Regierungspräsidium ein besonders wachsames Auge auf die
Stadt Heilbronn werfen – „kritisch und
aufmerksam“. Besonders bei der Aufarbeitung des Teilprüfungsberichtes der
Gemeindeprüfanstalt durch den OB, die Bürgermeister und die Amtsleiter, was ja
zu erheblichen organisatorischen Umstrukturierungen der Heilbronner Verwaltung
führen werde. Vielleicht setzt man dabei auch mal beim 480.000 Mark teuren und
drei Jahre alten EDV-Gutachten an. Obwohl das ja schon ein Treppenwitz
ist. Denn was vor drei Jahren in der
EDV-Branche modern schien, das ist heute ein reichlich alter Hut. Das ist jedem
Kleinstbetrieb klar, der mit Computern arbeitet. Ich wundere mich ohnehin: Was
in der Privatwirtschaft nicht mehr wegdenkbar ist, die EDV-Vernetzung des
Betriebes, das ist in der Stadtverwaltung erst angedacht – mit einem Gutachten,
das längst überholt ist. Wiehert da nicht ein Amtsschimmel aus Schilda?
Sommer-Töne
Es
ist doch jedes Jahr dasselbe. Der Sommer bricht über uns herein. Mal wärmere,
mal kühlere Tage. Aber an den heißen ist’s besonders schön. Und wenn es dann
gelegentlich auch noch schwül wird im Städtle, dann fangen wir Menschen an zu
schwitzen und zu stöhnen. Was Wunder also, wenn der hitzegeplagte Zeitgenosse
nichts sehnlicher erwartet als den Abend, wenn die Sonne untergeht und die
Temperaturen wenigstens um ein paar Grad fallen. Dann reißt er in seiner
Stadt-Wohnung die Fenster auf und hofft auf einen kühlen Durchzug. Was er aber
dabei manchmal übersieht oder besser überhört, das ist der Umstand, daß die
frische Luft nunmehr zwar hereingelangt, die Töne, die er in seinen vier Wänden
erzeugt, auf umgekehrtem Wege aber ungehindert nach außen entweichen. So kann sich an so manchem lauen
Sommerabend bereits ein einfaches Türenschlagen zu einem mittleren
Revolverschuß entwickeln, und auch so manches vertraulich geführte Gespräch
auf der Veranda hat bisweilen mehr unfreiwillige Zuhörer, als einem lieb sein
mag. Ist es nämlich erst einmal richtig
still und ruhig geworden ringsum, wird das Ohr wach, und die ganze Welt scheint
nur noch aus Geräuschen zu bestehen. Da klappern Messer und Gabeln, da
dudelt ein Radio, da reitet zu mitternächtlicher Stunde der Westernheld seinem
Showdown entgegen, und die Beziehungskiste von schräg gegenüber erreicht
allmählich ihren Höhepunkt (oder war es doch nur ein Pornovideo?). Was uns im
Winter nicht sonderlich berührt, das macht uns im Sommer zu Mithörern und
-wissern. Wir merken plötzlich, daß wir Nachbarn haben – und selbst welche
sind. Bleibt nur ein Trost: der nächste Winter kommt bestimmt.
Flughafen
Der
Heilbronner Oberbürgermeister Manfred Weinmann hat sich entschieden (beim
Heilbronner-Stimme-Forum) für einen Flughafen-Bau irgendwo um Heilbronn herum
ausgesprochen, ebenso wie die beiden Vertreter der Wirtschaft Hans-Peter Stihl und Reinhold Würth. Im Planungsausschuß des
Regionalverbandes Franken wird heute entschieden. Freie Wähler und CDU, die
eine Mehrheit besitzen, wollen dabei in einem Antrag „die zugrundeliegenden
Kriterien“, die vom Verband erarbeitet wurden, anerkennen. Außerdem beantragen
diese beiden Gruppierungen, daß jetzt ein Arbeitskreis gebildet werden soll, in
dem die Industrie- und Handelskammer, der Regionalverband sowie der Stadt- und
Landkreis Heilbronn und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft vertreten sein
sollen. In diesem Gremium soll dann nochmals „geklärt“ werden, ob ein
Regionalflughafen im Unterland überhaupt möglich ist. „Wenn dann eine
bedarfsgerechte Verbesserung der regionalen Verkehrsinfrastruktur durch einen Regionalflugplatz im Wirtschaftsraum
Heilbronn für erforderlich gehalten wird, sollen die potentiellen
Standortbereiche einer näheren Betrachtung unterzogen werden.“ Damit wird der
schwarze Peter an jene zurückgegeben, die wohl vehement einen Flughafen
forderten, aber in der Öffentlichkeit die Wogen der Diskussion gern auf
Politiker umleiteten. Allerdings schrieb IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Horst Schmalz erst vor wenigen
Tagen: „Jetzt müssen sich die gesellschaftlich relevanten Gruppen entscheiden,
ob wir das Land in die Pflicht nehmen oder das Risko des Verzichts auf eine
solche Option tragen.“ Momentan steht die IHK mit dieser Postion recht einsam
in der Landschaft. Bauernverband, die Mehrheit der Parteien und Gemeinden
kämpfen gegen die Flughafenpläne. Überzeugungsarbeit? Wer leistet sie?
Sauwetter
Ein
Sommer soll das sein?!? Die schönste Zeit für die Freilichtspiele bei uns in
der Region?!? Aber sicher. Denn dem Sauwetter haben die Jagsthäuser Festspieler
jetzt sogar trotzig ein Götz’sches „Leck
mich ...“ entgegengeschmettert. Selbst wenn es noch so stark regnet, soll
keine Aufführung abgesagt werden. Obwohl die Geschäftsbedingungen von einer
Absage bei „ungünstiger Witterung“ ausgehen, war die Festivalleitung am Montag
dieser Woche nicht bereit, vor dem Auftritt von „Schneewittchen“ das Handtuch zu
werfen. Bei strömendem Regen mußten
Schulkinder des Ortes als bemitleidenswerte Zwerge agieren. Das sei
Kinderarbeit unter sehr merkwürdigen Bedingungen, sagte mir ein zorniger
Zeitgenosse. Das vorwiegend aus Kindern bestehende Publikum hatte auf nassen Bänken
auszuharren, bis der Prinz die holde Braut endlich heiratet. Dick eingepackt
war unter den Plastik-Kapuzen nur wenig von dem zu verstehen, was auf der
Burg-Bühne vor sich ging. Auch erwachsene Begleiter, die sich die
Festspiel-Frischhalte-Folie als Nässeschutz überstülpten, bekamen wegen des
Trommelfeuers der Regentropfen nur allzu wenig mit. Das Verhalten der
Theaterleitung verfolge doch nur einen Zweck, sagte mir ein erzürnter Vater
eines schwäbischen Dreikäsehochs: Kein
Geld zurück wegen der eigentlich unumgänglichen Absage der Vorstellung.
Immerhin zahlten Kinder 15 und Erwachsene 21 Mark Eintritt. Vom denkwürdigen
Ausflug nach Jagsthausen hätten die Kleinen vor allem eins mit nach Hause
gebracht: Erkältung, Schnupfen, Husten.
Wenn unter solchen Umständen aus finanziellen Gründen Freilichttheater gemacht
werden muß, wenn also schnöder Mammon offenbar wichtiger als die Gesundheit der
Kinder sei, dann sollten die Jagsthäuser vielleicht doch lieber aufhören. Nicht
nur weil die Subventionen vom Land weniger üppig fließen als einst erhofft.
Brüllten mir zornige Eltern ins steinerne Ohr.
Theater-Gala
Die
zu Ende gehende Spielzeit 1995/96 des Heilbronner Stadttheaters im
Schnelldurchlauf. Highlights aus „Wartesaal Deutschland“, „Der Drang“ und
natürlich „Hello Dolly“ erlebte das Heilbronner
Gala-Publikum am Samstag beim Theaterfest. Es wurde gefeiert – vor nicht
ausverkauftem Haus. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Dafür sorgte
vor allem Nico Kemmer und sein Orchester. Allen voran Mihai Bulfinski. Mit
seinem Geigensolo zauberte er Zigeuner-Romantik ins Große Haus am Berliner
Platz. Aus den Zuschauer-Reihen vernahm
ich so manches „Ahh“ und viele „Ohhs“. Vor allem beim Minifeuerwerk zum
Schluß. Auf der Bühne tönt es immer wieder A, B, O. Gekonnt witzig werben Sabine Martin (Kilian-Preisträgerin)
und Thomas Braus als schwäbisches
Ehepaar in eigener Sache: Für das „Abonemäng“. Denn das Abo-System am
Heilbronner Theater gleicht offenbar einer Wundertüte. Es ist alles drin. Ob
mit Ballett und ohne Oper, ob Landmiete mit Bus oder Landfrauenmiete ohne Bus.
Es ist sein Geld wert, meinen die vom Theater. Wenn’s dann anschließend im
Restaurant noch das kleine Abendessen zum Abo-Preis gäbe, wäre der schwäbische
Theaterbesuch perfekt. Das wackere Ehepaar auf Theatertrip könnte den spießigen
und äußerst vermufften Fleischles
von der Neuen Museumsgesellschaft künftig echt Konkurrenz machen. King Klaus
kann sich’s ja überlegen, ob er im Spielplan 1996/97 noch Luft hat. Aber wie
ich den kenne, weiß der heute fast auf den Tag genau, was 96/97 läuft.
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