Advent,
Advent
Und
schon geht’s wieder los. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – am Sonntag, am
1. Dezember 1996. Also nichts wie hin und einen Adventskranz besorgt. Und dann
noch vier Wochen Hektik bis der geschmückte Baum im Wohnzimmer leuchtend (in
Wachs oder elektrisch) das Weihnachtsfest verkündet. Mir tun die Mütter leid, die in den kommenden Tagen den
vorweihnachtlichen Launen ihrer Kinder und Ehemänner ausgesetzt sind. Da
müssen die obligatorischen Weihnachtsbrötle gebacken werden. Und die von der
Ehefrau des Arbeitskollegen oder jener der Freundin/des Freundes schmecken ja
eh immer besser. Selbst die vom Bäcker sind zarter im Geschmack. Ich rate allen
Müttern: drückt Euren Familienmitgliedern ein Backbuch und die Zutaten in die
Hand. Sollen sie doch selber an irgendeinem Adventswochenende ihre Brötle
backen. Aber wie ich meine schwäbischen Hausfrauen kenne, frißt sie der Ehrgeiz
nahezu auf. Sie müssen in diesen Wettbewerb einsteigen, das ist ihre Natur - und
eine Frage der Ehre. Und das ist gut so. Denn ich kenne viele Hausfrauen, die
backen Weihnachtsbrötle, nach denen ich mir alljährlich die Finger schlecke.
Dagegen kann man die vielen bunten Naschwaren aus Bäckereien oder Konditoreien
einfach vergessen. Echte schwäbische Weihnachtsbrötle, mit Liebe und Schweiß
von schwäbischen Hausfrauen gebacken, da laß‘ ich jedes Nürnberger Lebküchle
glatt links liegen. Auch in diesem Jahr – wenn der Glühwein-Duft auf dem
Heilbronner Weihnachtsmarkt meinen Turm in süße Nebel einhüllt. Dann schwankt
die Lanze und der Hut sitzt schief. Gucken sie mal hoch!
Tiefgarage
in Schwaigern
Parkplätze
in der Innenstadt, das ist offenbar nicht nur eine Thema für die Großstadt
Heilbronn. Auch in Schwaigern wird jetzt heftig um eine Tiefgarage auf dem
Frizplatz gestritten, die im Zuge der Renovierung der Frizhalle geplant war.
Freie Wähler und CDU haben jetzt im Gemeinderat einen Beschluß durchgebracht,
der 500.000 Mark für das Projekt im nächsten Jahr bereitstellt – gegen den
Willen des Bürgermeisters Horst Haug,
die Räte von SPD und anderen Gruppierungen. Massive Gründe werden jetzt
vorgebracht, um den Bau einer Schwaigerner
Tiefgarage zu verhindern. Erstens sei kein Geld im Stadtsäckel. Zweitens
sprechen die Bodenverhältnisse dagegen. Denn der Untergrund in der Nähe zum
Leinbach sei schlammig und damit eine teure Grundwasserpfanne erforderlich.
Bisher seien überhaupt nur Skizzen vorhanden, die noch nicht einmal als
Vorentwurfsplanung taugten. Meint der Stadtbaumeister. 1,7 Millionen für 45 Stellplätze, wer soll das bezahlen? Wenn sich
die benachbarte Volksbank
Leingarten-Schwaigern und andere an den Kosten beteiligen würden, dann käme
man schon hin. Versichern die Tiefgaragenbefürworter. Aber Gespräche mit den
Anliegern wurden von der Stadt – offenbar wegen Sparmaßnahmen – schon vor
langer Zeit eingestellt. Und die Gegner der Tiefgarage versichern jetzt
vollmundig, es gäbe überhaupt keine
Parkplatznot in der Innenstadt von Schwaigern. Sinnvoller wäre es, die
Parkdauer auf dem Frizplatz auf zwei Stunden zu begrenzen – sagt der
Schultes. Und er will auch gleich vom
Heilbronner Landratsamt prüfen lassen, ob die Abstimmung in seinem Gemeinderat
überhaupt rechtlich in Ordnung war. Vielleicht überlegt man sich die Sache in
Schwaigern nochmal in stiller Stunde sehr genau – und prüft, ob alle, die in
letzter Zeit gebaut haben, auch die notwendige Anzahl von Stellplätzen zur
Verfügung stellen können. Da wäre ja auch noch einiges zu holen. Ansonsten sind
die Gemeindeväter und -mütter ja auch nicht zimperlich, wenn es beim Bürger was
zu holen gilt.
Lang
oder kurz
Eine
große deutsche Illustrierte ließ eine junge Redakteurin ran, um die Zierde des Mannes mal richtig
auszuloten. Kurz und dick, der
Frauen Glück – oder lang und schmal,
der Frauen Qual. Oder umgekehrt: lang
und dick, kurz und schmal. Den Variationen sind keine Grenzen gesetzt. Und
was kam dabei heraus? Ein uraltes Thema, fortwährender Gesprächsstoff für
aufgeklärte Stammtischrunden, für emanzipierte Kaffeekränzchen und
pubertierende Möchtegernmachos, geistert durch die Medien. Harald Schmidt biegt sich das Thema zurecht, Zeitschriften
erkennen, daß nicht nur nackte Busen und Pos, sondern auch das Gehänge so
manchen Mannes die Umsatzzahlen nach oben treiben kann. Was die vielen Frauen
aus den Männer-Striptease-Shows in
diversen Discos und Festhallen des Unterlandes schon längst wissen, wird hier
nochmals ausgewärmt: Mit der Schönheit
der Körperteile hat es seine besondere Bewandtnis. Was viele entzückt,
davon werden die wenigsten beglückt. Die Natur ist halt recht verschwenderisch
mit ihrer Ungerechtigkeit – auch in diesem speziellen Fall. Bei RTL, unserem
Info-Sender für alle Bereiche von Kopf bis Fuß,
hatten sich die „Expertinnen“ für das Mittelmaß entschieden: Im ausgefahrenen Zustand zwanzig Zentimeter.
Und der Experte im Studio, ein echter Urologe, verkündete, daß alles um die
zehn Zentimeter echt zu klein sei. Selbstbewußte Frauen verkünden ja schon
lange, daß die Märchen der linken und pseudoliberalen Machos (nur das Gefühl
entscheidet beim Orgasmus der Frau, nicht die Länge des männlichen Gliedes)
nichts als ideologische Lügen zur Tyrannisierung der Frau seien. Aber wie sagt
der Volksmund so schön. Jedes Töpfchen findet sein Deckelchen, und auch jeder
Zuber. Oder: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was ...
findet.
Neue
Fahr-Zeiten
Das
ist schon ein völlig neues Gefühl. Fährt man an irgendeinem Tag der Woche – von
montags bis freitags – in die Stadt, dann sind die Straßen noch voller Autos,
die Straßen belebt und in den Geschäften wird man als Kunde freundlich bedient.
Ein völlig neues Einkaufserlebnis, das auch für manche Leute Schattenseiten in
sich trägt. Vor allem für jene, die dieses Erlebnis gar nicht anstreben. So
erzählte mir doch neulich ein Bekannter, der mit seiner Frau an einem Freitag gen Stuttgart zum Landespresseball
strebte, sich wie gewöhnlich aus der Käthchenstadt so gegen 18.45 Uhr mit
dem Auto aufmachte, um rechtzeitig vor dem Beginn um 20 Uhr in der Liederhalle
zu sein, daß es auf der Autobahn noch recht gut voranging, aber in Stuttgart
benötigte er von der Autobahn bis zum Presseball dann eine geschlagene Stunde,
so daß er erst ein wenig entnervt gegen 20.30 Uhr dort eintraf. Die Straßen in
der Landeshauptstadt waren dicht, zumindest bis zum Hauptbahnhof. Da heißt es
auch für alle Opernliebhaber und Menschen, die eine für sie wichtige
Veranstaltung, deren Beginn zwischen 18 und 20 Uhr in Stuttgart angesetzt ist,
sich frühzeitig auf den Weg zu machen. Denn der Feierabendverkehr hat sich seit
den neuen Ladenschlußzeiten um mehr als zwei Stunden in den Abend hinein
verlagert. Früher war man nach 18 Uhr doch relativ schnell über die Autobahn
und die Einfallstraßen nach Stuttgart hineingefahren. Selbst nach Heilbronn. Aber all das hat sich jetzt radikal verändert.
Die Gewohnheiten müssen also überprüft werden: Denn Pünktlichkeit ist eine
Zierde der Könige. Und bekanntlich ist der Kunde König – nach wie vor. Auch in
Heilbronn.
Tollitäten
Heilbronn
ist keine Faschingshochburg. Das wissen wir nun langsam alle – in Heilbronn und
um Heilbronn herum. Es wird uns ja auch immer wieder – von Jahr zu Jahr –
deutlich gesagt. Aber die Carnevalgesellschaft Heilbronn gibt sich alle Mühe,
aus dem festlesfreudigen Heilbronn auch eine karnevalistische Normalstadt zu
machen. Der erste Bürgermeister der Stadt, Werner
Grau, zitiert in seinem Grußwort zur „Saison 1996/97“ den alten Herrn
Goethe (immer gut angebracht bei Grußworten)mit dem Satz: „Weißt du, worin der Spaß des Lebens liegt? Sei lustig! – Geht es
nicht, so sei vergnügt.“ Also sind wir vergnügt. Denn der Spaß des Lebens
wird uns ja durch tägliche Hiobsbotschaften aus der Politik in Bonn und
Stuttgart madig gemacht. Ein weites Feld für Büttenreden – so man will. Unser Prinzenpaar Mirina I von Dermajetica
und Michael I von Herbalivien
(Marina und Andreas Schumann) hatten bei ihrer Inthronisierung am Ordensabend
im Insel-Hotel am vergangenen Samstag ja schon einige kritische Töne in
Richtung Rathaus anklingen lassen. Und auch der CGH-Ehrenbürgermeister Bernhard Winkler, Verkehrsdirektor der
Stadt Heilbronn, ließ durchblicken, daß wegen des Rathausskandals das Geld im
Heilbronner Stadtsäckel knapp geworden sei. Mit dem Motto „Das Narrenschiff der
CGH fährt schunkelnd durch Amerika“ soll die laufende Saison angegangen werden.
In den nächsten Jahren werden weitere Kontinente in Heilbronn närrisch erobert.
Den Sinn hab ich noch nicht ganz verstanden. Aber wenn ich mich demnächst ins
Narrentreiben werfe, vielleicht begreife ich dann, was die Heilbronner
Karnevalisten schunkelnd durch die Welt treibt. Dem Lumpenball am
Faschingsdienstag in der Harmonie, den werde ich mir auf jeden Fall nicht
entgehen lassen. Denn diese schöne Heilbronner Tradition, die so lange
unterbrochen war, das dürfte ein Karnevals-Höhepunkt werden.
Der
gute Trollinger
Das
war scho a Hetz – nachdem Weinexperten bei einer Anhörung der Grünen unseren
Württemberger schlecht gemacht hatten. In seiner Qualität stelle er ein
Schlußlicht in Deutschland dar. Und der preisgekrönte Sommelier des Stuttgarter
Nobelrestaurants Wielandshöhe Bernd
Kreis kritisierte gar den übermäßigen Trollinger-Anbau in Württemberg. Und
damit stellte er sich fast auf die gleiche Stufe des Salman Rushdie. Nur mit einem Unterschied: Unsere Wengerter und
ihre Verbandsfunktionäre sind keine Ayatollas, die Todesurteile aussprechen
können. Die Trollinger-Rebe, anspruchsvoll und nur in Spitzenlagen anbaubar,
die dann anderen Rebsorten nicht mehr zur Verfügung stehen. Und heraus käme
nichts als ein „guter Schoppenwein“. Flankenschutz erhielt dieser Großstädter
von der Nummer Eins unter den schwäbischen Wengertern Ernst Dautel aus Bönnigheim, für den der Trollinger einfach zu dünn
sei. Burgunder in diese Lagen ergeben einfach einen besseren Wein. Nun bin ich
ja nicht repräsentativ, gottseidank. Aber mir schmecken viele Weine besser als
der Trollinger. Wenn ich die Wahl hab, lieber einen Burgunder oder einen guten
Weißen. Aber da ist unser Weinbaupräsident Hermann
Hohl aus Willsbach ganz anderer Ansicht. Für ihn ist der Württemberger
qualitativ höher stehend als die Veranstaltung, auf der diese Angriffe gefahren
wurden. Vermarktungsprobleme mit dem Württemberger und dem Trollinger habe man
ohnehin nicht. Wäre der Trollinger so schlecht wie man ihn macht, dann wäre die
Nachfrage nach diesem leichten Rotwein nicht so groß. Meint der Präsident. Daß
er damit keine Aussage über die Qualität gemacht hat, das weiß er selbst. Aber
daß man gleich die Kritik eines Sommeliers als dummes Geschwätz darstellen muß.
I woiß net?! Schließlich ist der Weinmarkt nicht starr. Und unsere Wengerter
und Genossenschaften haben sich ja in den letzten Jahren viel einfallen lassen,
um am Marktgeschehen munter mithalten zu können. Denn aus vielen Landstrichen Europas kommen gute Weine in unsere
Gläser. Dort – vor allem rund ums Mittelmeer – läßt der liebe Gott die Reben
von der Sonne verwöhnen. Einfach so. Und das seit mehr als 2.000 Jahren.
Trauerspiel
der Eintracht
Der
Verdacht, daß die Frankfurter Eintracht wie die meisten Vereine der
Fußball-Bundesliga mehr Zirkusunternehmen als Sportvereine sind, besteht seit
langem. Nach dem Rücktritt von Eintracht Präsident Otto und dessen
Schatzmeister Thate sollte ein gewisser Johnny Klinke als neuer Chef den
Zweitligaclubs aus der Not retten. Klinke sei „begeisterter Fußballer“,
außerdem „geübter Millionenjongleur“. Kurzum: Er ist der geborene Präsident der
Eintracht. Mit diesen Eigenschaften kann man auch kaum widersprechen. Aber
trotzdem wählte man den alten Vizepräsident Rolf Heller zum Oberhaupt im
Frankfurter Fußballclub. Der letzte Präsident hieß Otto und kam aus der
„Wirtschaft“. Er arbeitete ehrenamtlich,
aber angeblich mit der Zusage, im Falle der Rückkehr in die erste Bundesliga
ordentlich, Gerüchte besagen 350.000 Mark zu verdienen. Aber nur ehrenamtlich!
Der Aufstieg scheint mittlerweile außer Reichweite zu sein, und nicht nur böse
Zungen behaupten, daß Ottos Ehrenamt dadurch an Attraktivität verloren habe.
Und so kam es, daß nach vierwöchiger Amtszeit Otto’s Zeit als Präsident schon
wieder Vergangenheit war. Auch Geld hat sie keines mehr – und das einzige was
die Eintracht derzeit bekommt ist Spott und Hohn. Cohn-Bendit, Gründer der
Frankfurter Eintracht und Neu-Präsident Heller wären ein Team, das den Club
einen Schritt weiter bringen könnte. Die Richtung ist zwar noch ungewiß, aber
viel weiter kann man nicht mehr sinken, oder doch? Zur Steigerung der
Attraktivität des Fußballs in Frankfurt könnte man, nichtsdestotrotz, Klinke
als Varieté-Leiter zum Beispiel in den
Halbzeitpausen der Heimspiele mit ein paar Varieté-Nummern einsetzen, um das
unvermeidbare Gekicke vor und danach einigermaßen erträglich zu gestalten. Dann
wäre rund um das Waldstadion wenigstens für Unterhaltung gesorgt. Da alles
leider nur ein Scherz ist, bleibt alles wie gehabt: das Trauerspiel der Eintracht
geht weiter. Nur einer ist die Ruhe selbst, Trainer Stepanovic: „Lebbe geht
weiter, solange noch elf Spieler da sind.“
Schulgeld
Was
nix koscht, isch nix recht`s! Oder anders ausgedrückt: Dinge, die wir umsonst
bekommen, schätzen wir weit weniger. Im Bildungswesen beispielsweise: Neue
große Schulen, kleine Klassen. Ausreichende Lehrer – und Unterrichtsversorgung.
Fahrkostenzuschuß. Lernmittelfreiheit sowieso. Früher für Eltern und Schüler
selbstverständlich. Mittlerweile ist manches in weite Ferne gerückt. Oder in
jedem Viertel ein Kindergarten. Mit Besuchsgarantie für den Nachwuchs.
Möglichst noch mit Parkplätzen davor. Damit die jungen Mamis mit ihren flotten
Flitzern bis vor die Schulpforte fahren können! Sie sind die Mütter der
Schulkinder von morgen. Aber werden sie ihren Kindern sagen: „Sei froh, daß Du
in die Schule gehen darfst!?“ Werden sie sagen: „Es ist keine Selbstverständlichkeit im trockenem, warmen Klassenzimmer
lernen zu können. Nur für Dich, zum Nulltarif!“ Bis jetzt noch! Auch auf
dem Schulsektor werden die Spar-Schrauben angezogen. So sollen zum Beispiel ab
dem neuen Schuljahr die Förderklassen an den Grundschulen gebührenpflichtig
werden. Im Schulamtsbezirk Heilbronn gibt es fünf solcher Fördereinrichtungen.
Bis zu je 16 Minis werden dort aufgenommen. Wenn sie für die erste Klasse noch
nicht geeignet sind. Ein ganzes Jahr lang unterrichtet – gratis. Vielleicht
müssen ihre Mamis und Papis bald 80 Mark monatlich dafür hinlegen. Herzlich
wenig im Vergleich zu englischen oder amerikanischen Familien. Bis zu tausend
Mark Schulgeld ist dort keine Seltenheit. Mein Vorschlag: Ein paar Designer-Klamotten weniger für den Filius. Das reicht
schon für zwei Monate Gebühr.
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