Jugend vor
Jugend vor, noch ein Tor. Scheint der Spruch der Sozis
zu werden. Denn so langsam aber sicher haben die Damen und Herren aus der „GenossInnen-Partei“
entdeckt, daß mit den Karrieristen aus der Vor- und Nach-Achtundsechziger-Generation
allein kein Staat zu machen ist, geschweige denn Wahlen zu gewinnen sind. Siehe
Baden-Württemberg und Stuttgart. Das waren doch grandiose Eigentore. Und auf
diesem Wege wird kraftvoll dahingetrampelt, nach dem alten Motto: „Wenn wir
schreiten Seit an Seit ...“ Und währenddessen mobilisieren die
Konservativen oder Grünen mehr Jugend als die alte Tante SPD. Auf einem
Parteitag in Köln sollte speziell die Youngsters angesprochen werden – unter
dem einfallsreichen Motto: „Der Vertrag mit der Zukunft – neue Chancen für die
Jugend“. Jetzt gehe es nicht mehr um Rot-Grün oder eine andere
Farbenlehre, jetzt gehe es um das Wahlalter ab 16 Jahren, um den staatlich
garantierten Ausbildungsplatz für jeden Jugendlichen – und um viele andere
schöne Parteiversprechen. „Wer nicht ausbildet, wird umgelegt!“ Mit diesem
Spruch drohte die dynamische Juso-Bundesvorsitzende den deutschen Arbeitgebern.
Diese Aussage ernstgenommen, so sind wir verbal ganz schnell in der Nähe
gewisser Terroristen-Debatten der Siebziger Jahre. Und wer will dahin zurück?!
Flott formuliert ist noch lange nicht human gedacht. Aber darauf kommt es bei
einer Parteijugend wohl nicht mehr an, deren Verankerung in der Jugend unter
Fernerliefen rangiert. Erschreckend ist eine solch brutale Wortwahl allzumal.
Auch wenn einige Parteivordere dezent dagegenhalten. Eine neue
Abgabenverordnung bringe überhaupt nichts, nur eine weitere Verteuerung
des Faktors Arbeit in Deutschland. Aber warum sollten Jungsozialisten auch
etwas von Wirtschaft verstehen. Sie sind Gutmenschen, die einst selbst die
DDR für reformfähig gehalten hatten. Sozialismus pur, also den Gottesstaat
auf Erden. Und dafür lohnt es sich schon „umzulegen“, die nicht ausbilden
wollen. Was immer damit auch gemeint sein mag. Oh Herr, bewahre uns vor
solchen Wiedertäufern.
Skandal-Region?
Zunächst war Neckarwestheim an der Reihe.
Millionenbeträge aus der Gemeindekasse flossen ungeprüft durch des
Bürgermeisters Hände auf Konten irgendeines Staates im Pazifik. Als die Aufsichtsbehörde
Horst Armbrust auf die Schliche kam, war das Geld schon versickert, wie das
Wasser am Strand. Die kleine Gemeinde, bekannt durch das Atomkraftwerk, war
bundesweit dank negativer Schlagzeilen in aller Munde. Aber Heilbronn ließ sich
nicht lumpen. Ein kleiner Angestellter aus dem Hauptamt bestellte und bestellte
– Büroartikel. Nachgerechnet wurde später, daß mehr als fünf Millionen dabei
veruntreut wurden. Luftbuchungen gab’s, überteuerte Hüllen, etc. Staatsanwalt
und Richter konnten beim ersten Prozeß die Schlamperei im Rathaus nur staunend
zur Kenntnis nehmen. Der Skandal ist noch nicht ausgestanden. Der
Hauptangeklagte ist krank. Gegen ihn wird später verhandelt. Dann kam
Güglingen an die Reihe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Bürgermeister
Klaus Dieterich wegen des Verdachts der Untreue, Bestechung und
Urkundenunterdrückung. Hat er nun einer Baufirma Vorteile verschafft oder
nicht. Akten wurden beschlagnahmt – im Rathaus, im Privathaus des
Bürgermeisters und in der Baufirma. Schlammschlacht ist jetzt angesagt, bis
hin zur Aufdeckung von Liebesverhältnissen im Güglinger Rathaus. Und dazu
noch die heftigen Anschuldigungen der Evangelischen Kirche gegen den ehemaligen
Vorstand der Beschützenden Werkstätte in Heilbronn Pfarrer im Ruhestand Hans-Dieter
Bechtstein. Wenn ich mir den Verlauf all dieser Skandale so vor Augen
führe, dann scheint das nur die Spitze des Eisberges zu sein. Denn jetzt
schwirren die Gerüchte auch um andere Vorkommnisse, jetzt sind jene ermutigt,
die schon lange Zeit viel wußten, sich aber nichts zu sagen trauten. Die
Wirtschaftsregion Heilbronn, die sich schwer tut mit ihrem Standort, bekommt
landesweit langsam aber sicher den Ruf, eine Skandal-Region zu sein. Das
ermutigt nicht, das läßt potentielle Investoren zögern.
Wer ist die Schönste?
Um Schönheitsköniginnen geht es momentan bei uns im Unterland
nicht. Der Karneval ist ausgebrochen: Prinzessinnen und Prinzen bevölkern
derzeit Bühnen und Rathäuser. Und in einem Ilsfelder Tanztempel wird der
Mister Heilbronn gekürt – ein 25jähriger Jungmann namens David Palasie
aus Oppenau im Schwarzwald. Ich warte jetzt nur noch darauf, daß sich
Männergruppen zusammenfinden, die Misterwahlen als Angriff auf die Mannesehre
ansehen, und dafür kämpfen, daß solche Lustshows verboten werden. Wie vor
wenigen Tagen in Indien bei der Wahl zur schönsten Miss der Welt. Indische
Frauengruppen kämpften verbissen gegen diese Miss-World-Wahl – mit
Protestkundgebungen und den heißen Drohungen, daß sich ganze Frauengruppen
selbst verbrennen werden. Aber dazu kam es nicht. „Nur“ ein junger indischer
Fanatiker setzte sein Fanal, indem er sich anzündete und verstarb. Indische
Behinderte, die einen Teil des Erlöses aus dem Spektakel als Spende erhalten
sollten, protestierten in Rollstühlen gegen eine solch infame Beleidigung durch
die Miß-World-Veranstalter. „Frauen nur als Sexobjekte“ zu betrachten,
das sei gegen das Selbstverständnis der indischen Kultur. Wir kennen diese
Argumente aus deutschen Landen zur Genüge. Nur bei uns werden sie bisher noch
nicht so radikal und fundamentalistisch vorgetragen. Aber was nicht ist, kann
ja noch werden. Wenn sich unsere christlichen Kirchenfundis einmal mit den
Fundis der anderen beiden monotheistischen Religionen (Juden und Moslems)
verbünden, dann ist es aus mit Miss- und Mister-Wahlen in deutschen Discos –
und die Ehre von Mann und Frau wieder hergestellt. Harte Zeiten kommen auf uns
zu. Und das mit der Ehre, auch das kennen wir schon.
Beschützte Werkstätte
Wer etwas für Behinderte tun wollte, der spendete
bisher reinen Gewissens den Beschützenden Werkstätten. Bis in den September
diesen Jahres hinein regierte Pfarrer Hans-Dieter Bechstein dieses
Behindertenunternehmen der Evangelischen Kirche. Nachdem der 69jährige sein Amt
als Vorstand an Pfarrer Rainer Hinzen (37) übergeben hatte, schien alles
in bester Ordnung. Bis zur letzten Woche. Schwere Vorwürfe prasselten aus
Kreisen der Kirche auf den Vater der Werkstätten, Pfarrer im Ruhestand
Bechstein ein. Nicht ein recherchierender Journalist, sondern ganz offiziell
das Informationsamt der Evangelischen Landeskirche Württemberg tat kund,
was dem Herrn Pfarrer vorgeworfen wird. Schon im Oktober soll der Heilbronner
Prälat Hans Kümmel die möglichen Verstöße gegen kirchliches Recht
mitgeteilt haben. Nun ist es öffentlich, daß Pfarrer Bechstein seit seiner
Pensionierung im Januar 1995 für 21 Monate ein Beraterhonorar in Höhe von
200.000 Mark erhalten hatte – neben seiner Pension. Das macht rund 9.523,81
Mark monatlich. Außerdem sollen seit 1977 Behinderte aus seinen
Werkstätten regelmäßig für Garten- und Malerarbeiten im
Bechstein-Privathaus eingesetzt worden sein. Damit seien der Firma 250.000 Mark
verlorengegangen. Bechstein rechnet dagegen seine unbezahlten Überstunden und
Urlaubsverzicht mit einem Gegenwert von 1,7 Millionen Mark in den vergangenen
17 Jahren – somit 100.000 Mark pro Jahr. Bei Kirchens ist man
bekanntlicherweise mit Vorwürfen zurückhaltend, vor allem, wenn sie nicht
ausreichend begründet werden können. Jetzt sollen auch noch die
Beziehungsgeflechte der Familie Bechstein und der Beschützenden Werkstätte
durch eine Wirtschaftsprüfungsfirma geklärt werden, um die Rechtmäßigkeit der
Einkünfte zu überprüfen. Wenn die Kirche, so sagen Kenner der Materie, so hart
und unerbittlich rangeht, dann muß da einiges im Busche sein. Denn wäre es
anders, hätte sie ihre Sorgfaltspflicht gegenüber Pfarrer Bechstein aufs
Gröbste verletzt. Was bislang auf den Tisch kam, ist schon Schaden genug.
Um weiteren abzuwenden, muß alles auf den Tisch – oder die Kirche steht
blamiert da.
Grüner Pfeil
In den neuen Bundesländern findet der
Verkehrsteilnehmer ihn an fast jeder Straßenecke. Nun soll er auch bald an 38
Kreuzungen im Stadtgebiet Heilbronn das Rechtsabbiegen bei rotem Ampellicht
ermöglichen. Die Rede ist vom sogenannten grünen Pfeil. Mit seiner Hilfe wollen
das Regierungspräsidium Stuttgart und die Stadt Heilbronn verkehrsbedingte
Abgasausstöße verringern. Und das natürlich ohne großen Kostenaufwand, denn 38
Verkehrsschilder – die einen grünen Pfeil auf schwarzem Grund zeigen –
anzubringen, ist so teuer nicht. Eine gute Idee, aber leider hat die Sache einen
kleinen Haken. Im Schwabenländle ist der Autofahrer nicht mit dem grünen Pfeil
aufgewachsen wie in Ostdeutschland. So bleibt die Abbieg-Möglichkeit trotz
Rotlicht, die seit Jahresanfang ein Testpfeil an der Kreuzung
Urbanstraße/Südstraße gewährleistet, doch weitestgehend unbeachtet und -genutzt.
Wenn Stadt und Land also wirklich etwas für einen besseren Verkehrsfluß und
weniger Schadstoffemissionen tun wollen, sollten sie doch ein bißchen tiefer
ins Säckel greifen und Informationsbroschüren zum grünen Pfeil drucken lassen.
Freund Biotonne läßt grüßen.
s'Käthchen
Wo ist der Nikolaus?
Am Donnerstagabend werde ich den Schuh vor die Tür
stellen, um zu sehen, was der Nikolaus in der Nacht zum Freitag da
hineinsteckt. Einen Brillantring, ein Paar schöne Ohrringe mit Diamanten
besetzt, einen goldenen Armreif, ein Paar Strümpfe, ein Halstuch, Dominosteine,
Nüsse, Marzipankartoffeln oder nur sein
Abbild in Schokolade. Wer weiß, wer weiß. Er wird sich wieder so verhalten
wie im vergangenen Jahr. Erst guckt er in den Geldbeutel meines Mannes, dann
greift er nach jenem Gegenstand in seinem Sack, der den Verhältnissen
angemessen scheint. Das ist bei Ihnen doch ähnlich, oder? Auch wenn Nikolaus
bei uns mehr auf die Kinder abonniert ist, Erwachsene freuen sich ebenso, wenn
am 6. Dezember für sie etwas im Strumpf, in den Hausschlappen oder im Stiefel
steckt. Nicht auf die Größe, den finanziellen Wert des Geschenkes kommt es an,
sondern nur darauf, daß es etwas drinsteckt. Wer will schon die großen
Geschenkkartons, die wertvollen Dinge des Lebens am Nikolaustag auspacken.
Weihnachten steht vor der Tür. Am 24. oder 25. Dezember werden die entscheidenden Präsente des Jahres
verteilt. Krawatten für den Hausherrn, Küchengeräte für die Hausfrau,
Computerspiele für die Kleinen, Schuhe, Mäntel, Hemden für die großen Kinder.
Oder langt es diesmal doch für ein neues Auto, den Computer für die ganze
Familie, das neue Fernsehgerät, den Hifi-Turm oder gar die Eigentumswohnung?
Viele werden sich jetzt die Köpfe zerbrechen, was sie ihren Lieben schenken
können, wozu das Geld reicht - und wozu nicht. Wohlmeinende Zeitgenossen erzählen
ja immer, daß es darauf gar nicht ankommt. Auch die kleinen Aufmerksamkeiten
würden die große Freude bringen. Und die Riesen-Aufmerksamkeiten? Sie bringen auch Freude, wenn man sie
sich leisten kann. Lieber einen häßlichen Ehemann haben - aber dafür reich, als einen schönen, armen Akademiker... sagte die doofe Mannequins unter dem Weihnachtsbaum.
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