Neue
Medien
Neue
Medien braucht das Land. Aber die alten boomen auch ganz schön. Obwohl es für
die Zeitschriftenauslage am Kiosk heute sehr eng geworden ist. Aber in keinem
anderen Land der Welt gibt es ein derart vielfältiges Angebot an Zeitungen,
Illustrierten, Fachzeitschriften oder Special-Interest-Magazinen. Mehr als
1.700 auflagengeprüfte Titel sind im Angebot. Jeder Haushalt nutzt mehrere
Zeitschriften. Die verkaufte Auflage aller Zeitschriften stieg in den letzten
Jahren um mehr als 40 Prozent auf 143 Millionen Exemplare. Ein erheblicher
Anteil davon geht auf die erfolgreiche Markteinführung neuer Titel vor allem
bei Programm- und Frauenmagazinen zurück. Allerdings hat der Slogan von der
„Abstimmung am Kiosk“ für die Gattung der Publikumszeitschriften unverändert
seine Berechtigung: Zwei Drittel der verkauften Auflage werden im Einzelverkauf
vertrieben. Der immer schärfer werdende Wettbewerb um das Zeitbudget des
Konsumenten ist voll entbrannt. Hier konkurrieren Fernsehen, Kino und Hörfunk
mit den gedruckten Angeboten von Zeitschriften, Zeitungen und Büchern um das
knappste Gut des Menschen, seine verfügbare Zeit. Es wird also geworben, was das Zeug hält. Der Kunde, der Leser, der
Hörer, der Zuschauer ist der Maßstab allen Medienwirtschaftens. Und wer an
ihm vorbeiproduziert, der ist schnell weg vom Fenster. Wenn ich mir vor Augen
führe, was ich alles an Geschenken erhalte, wenn ich mich zu einem
Tageszeitungsabonnenment einer überregionalen Zeitung entschließe, dann komme
ich mir vor wie in einem Kaufhaus. Ob Fahrrrad, Koffer- oder Töpfe-Set,
Küchengeräte aller Art, elektrische Schreibmaschine, Zelt, Stereoanlage oder Hometrainer – eines
dieser schönen Sachen bekomme ich, wenn ich eine Zeitung abonniere. Und nicht
nur das. Bei manchen Zeitungen kann ich meine Verbundenheit durch den Kauf
einer Krawatte, von Manschettenknöpfen, Tischuhr, Kleiderbürste, Schlüsselring,
Schirm, Kaffeetasse, Armbanduhr, Schreibset oder Thermoskanne bekunden. Alles
edel, alles teuer, alles gut – denn dahinter steckt bekanntlich ein kluger
Kopf. So der Zeitungswerbespruch.
Weinkönigin
gesucht!
Na,
Ihr leidenschaftlichen Vierteles-Trinkerinnen und -schlotzer, die ich euch mit
Wohlwollen vom Kiliansturm beim Verkosten beobachte, schmeckt es Euch? Na klar,
sonst kämen nicht so viele trotz schlechten Wetters aufs Heilbronner Weindorf.
Und wißt Ihr, was ich dort vernommen habe, es
wird wieder eine neue Weinkönigin für Württemberg gesucht. Also auf, Ihr
hübschen, charmanten und allgemeingebildeten Wengerterstöchter, macht Euch auf
zur Bewerbung. Falsch, die meisten von Euch werden sich schon beworben haben.
Pünktlich zum 8. November ist es wieder soweit. Die jungen Damen müssen vor
einem 30köpfigen Gremium von Weinfachleuten und Journalisten Rede und Antwort
stehen. Im Klartext heißt das, es sind sach- und fachgerechte Fragen, aber auch
aktuelle Wissenfragen zu beantworten. Weiter wird erwartet, daß eine kurze
Vorstellungsrede gehalten wird. Wer die
Krone von der amtierenden Königin Anja entgegennehmen wird, ist völlig offen.
Und die Sorge mancher Eltern, daß die Tochter durch die vielseitigen
Repräsentationspflichten vielleicht Probleme in der Ausbildung oder im Beruf
bekommen könnte, ist weitgehendst unbegründet. Ich muß es wissen, habe ich doch
selbst den besten Kontakt zu einigen Ex-Weinköniginnen. Die
Bewerbungsunterlagen sind bis spätestens 15. Oktober an den Weinbauverband
Württemberg, Hirschbergstr. 2, Postfach 1148, 74183 Weinsberg zu richten. Ich
werde bei der Inthronisierung ein Wörtchen mitzureden haben. Also, auf geht’s.
Schoko-Droge
Amerikanische
Wissenschaftler haben etwas entdeckt, was Kalorien-Gegner schon lange vermutet
haben. Schokolade enthält geringe Mengen dreier Substanzen, die ähnlich wie
Haschisch die Psyche beeinflussen
können. Diese zur Gruppe der Anandamide
zählenden psychoaktiven Stoffe sollen auf die sogenannten Cannabinoidrezeptoren im Gehirn wirken. Nun, daß unsere
amerikanischen Freunde sehr viele tolle Dinge (siehe Leben auf dem Mars)
erforschen, ist ja hinlänglich bekannt, aber daß sie nun Naschkater und -katzen
indirekt als potentielle Rauschmittelkonsumenten bezeichnen wollen, ist
ziemlich dreist. Wo fängt denn die Sucht an, wo hört sie auf? Bin ich nach dem Genuß einer Tasse Kakao
schon ein Schokojunkie? Ist es möglich, daß ich nach der Einstiegsdroge
Vollmilchschokolade zu immer härteren Rauschmitteln wie Zartbitter- oder
Nußnougatschokolade greife? Fragen über Fragen, die – sollten sich weitere
Forschungen bestätigen – durchaus weitere Probleme, zum Beispiel den Genuß von
diversen Süßigkeiten im Straßenverkehr, Bestrafung von Schoko-Dealern
undsoweiter, nachziehen werden. Aber Gottseidank ist es noch nicht soweit. Es
mag ja etwas dran sein: Daß die Kakao-Pflanze aus Amerika kommt, ist
hinreichend bekannt. Daß der Genuß dieses Pulvers nur Königen und Priestern im
alten Indianerland vorbehalten war, das sagen uns die Historiker. Und daß Kakao
uns nach seinem Genuß in einen Gefühlszustand versetzt, der ans Verliebtsein
erinnert, wie uns Chemiker und Biologen weismachen wollen, auch das mag seine Bewandtnis
haben. Aber solange sich die amerikanischen Forschungen und die damit
verbundenen Rauschgift-Verdachtsmomente nicht erhärten, kann der Genußmensch
weiterhin unbedarft und unbelangt soviel der zuckersüßen braunen Masse in
seinem trauten Heim bunkern wie er will. Ob für den Eigenbedarf oder nicht, ob
in Form von Tafeln, Herzen, Osterhasen oder Weihnachtsmännern.
Betrügerisch
Unlängst
in einem Unterländer Besen: Am Tisch sitzen einige Zecher, die sich fröhlich
darüber unterhalten, wie sie immer mal wieder ihre Haftpflichtversicherung
betrügen. Der eine gab beispielsweise an, den nagelneuen Fotoapparat eines
Freundes in einen Bach fallen gelassen zu haben. Freilich alles unwahr. Der
Bekannte hatte sich eine neue Kamera geleistet, wollte die aber nicht bezahlen
– also Versicherungsbetrug. Daß dies die
Allgemeinheit und damit den Besenzecher Geld kostet, hat er nicht bedacht.
Laut Statistik hat jeder vierte Deutsche schon einmal seine Versicherung
betrogen. Das Wirtschaftmagazin „Capital“ meldete das unlängst. Demnach gaben
die Hälfte der von einem Meinungsforschungsinstitut befragten
Versicherungsnehmer an, den Schaden gegenüber der Versicherung anders
dargestellt zu haben. 40 Prozent erhöhten die Schadenssumme zu ihren Gunsten.
Am stärksten betroffen sei die die Privat-Haftpflicht, wo 40 Prozent
„Schadensmeldungen“ frisiert seien. Und das ist genau die Versicherung, die unser
Zecher betrogen hat.
Hagenbucher-Biergarten
In
Heilbronn grassiert das Kneipensterben. Stellt der Hotel- und
Gaststättenverband schon seit längerem fest. Jetzt soll auch noch im
Hagenbucher neben dem Inselhotel eine Hausbrauerei entstehen, verbunden mit dem
Namen Cluss. Tradition soll damit gewahrt werden. Aber in Heilbronn ist es kein Geheimnis mehr, daß einige Stadträte
dagegen sind. Trotz der versprochenen knapp vier Millionen (jetzt 3,5
Millionen), die als Investition in die Hausbrauerei im Hagenbucher versprochen
wurden, scheuen Gemeinderäte die Folgekosten und sehen das Cluss-Angebot als
„nicht besonders seriös“ an. Man will – wenn überhaupt – eine öffentliche
Ausschreibung. Und ein neuer Gedanke ist hinzugekommen. Der Standort
Hagenbucher wäre ideal für eine
Weinstube. Das stünde der Weinstadt Heilbronn gut zu Gesicht. Ein „Haus des
Württembergers“, meint ein CDU-Stadtrat. Auch Weinbaupräsident Hermann Hohl ist
diesem Gedanken nicht abgeneigt. Außerdem könnte man im Hagenbucher eine
„Vinothek“ einrichten, in der Räume für die Gastronomie, für Seminare und den
Verkauf von guten Unterländer Weinen untergebracht wären. Es stünde der Stadt
Heilbronn gut an, diesen ureigenen Wirtschaftszweig stärker herauszustellen,
als sich in Konkurrenz zu den vorhandenen Biergärten und -kneipen zu setzen –
und das auch noch hochsubventioniert. Heilbronn und das Unterland sind eine
Weingegend und keine Bierhochburg.
Coffein
= Doping?
Was
im alltäglichen Berufsleben gang und gebe ist, wird im Leistungssport mit
Konsequenzen geahndet. Die Rede ist von
überhöhtem Kaffeegenuß. In jeder Firma, in jedem Betrieb werden Tag für Tag
mehrere Tassen des „Aufputschmittels“ konsumiert, um wacher arbeiten zu können.
Eine Leichtathletin hingegen, die bei einer Meisterschaft drei Tassen Kaffee
gegen die Kälte geschlürft hatte, wurde aber infolge ihres erhöhten
Koffeinspiegels vom Deutschen Leichtathletik Verband für drei Monate gesperrt. Zum Schutz der
Athleten sollen diese Kontrollen dienen. So,
so, und wer schützt Arbeitgeber und -nehmer vor erhöhtem Kaffeegenuß? Ich
meine, gleiches Recht für alle. Ein Athlet, der seinen Sport als Beruf ausübt
und zudem noch alt genug ist, selber entscheiden zu können, wieviel Coffein gut
für seinen Körper ist, braucht nicht vor sich selber geschützt werden. Zumal
erhöhter Kaffeegenuß nicht unbedingt zu höherer sportlicher Leistung führt,
sondern meistens zu größerer Unkonzentriertheit. Also, sehr geehrte
Dopingbeauftragte in aller Welt, laßt Leistungssportler weiterhin ein paar
Tässchen Kaffee trinken und kümmert Euch lieber um den Nachweis anderer
leistungssteigernder Mittel. Wenn eine nigerianische Weitspringerin, die,
nachdem sie eine vierjährige
Dopingsperre abgebüßt hat und erst vor ein paar Monaten das Training wieder
aufgenommen hat, Olympiasiegerin wird, dann hat sie nicht nur Kaffee getrunken.
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