Im Herbst 1994 schlossen sich die privaten Radiosender
der Region zusammen: Aus den beiden Regionalsendern Radio Ton in Bad Mergentheim und Radio Regional in Heilbronn wurde Radio Ton Regional – dank massiven Drucks der Landesanstalt für
Kommunikation in Stuttgart. In Heilbronn bei Radio Regional schied der
Geschäftsführer Frank Distelbarth
aus und übergab sein Amt dem Interimsgeschäftsführer Christian Frietsch von Radio Ton. Wenige Monate später wiederum
übergab dieser sein Amt an den von allen Gesellschaftern des neuen Senders
auserkorenen Geschäftsführer Edwin
Ferring aus Nürnberg. Der veränderte zunächst den Bandwurmnamen in ein
schlichtes Radio Ton - da hören Sie’s.
Aber seine zaghaften Reformen griffen nicht so recht - und bescherten dem
Heilbronner Lokalsender bei der jetzt veröffentlichten Media-Umfrage ein Minus
von rund 38 Prozent an Hörern im Vergleich zum Vorjahr. Konsequenz für Edwin
Ferring: Er scheidet zum Monatsende Juni aus seinem Amte aus. Phillip von Martius, der
Geschäftsführer des Stadtradios in Stuttgart, ist als Nachfolger vorgesehen.
Allerdings soll der vierte Geschäftsführer in zwei Jahren beim Heilbronner
Privatsender nicht nach Heilbronn wechseln, sondern in Personalunion beide
Lokalsender auf Vordermann bringen.
Kooperation heißt das Stichwort der Stunde. In welchen Bereichen der beiden
Sender zusammengearbeitet wird, das war bisher nicht zu erfahren. Aber Kenner
der Rundfunk-Szene meinen, daß bei der Musik, in der Moderation, bei der Verwaltung
und im Werbebereich durch Kooperation viel an unnötigen Kosten eingespart
werden könne.
Jetzt ein Mann
Johanna
Lichy und Paula Fuchs standen für die weibliche Macht in der Heilbronn CDU.
Beide waren über Jahre hinweg Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion im
Heilbronner Rathaus. Als die 47jährige Johanna Lichy das Direktmandat bei der
Landtagswahl im März in Heilbronn für die CDU eroberte und wenige Tage später
auch noch zur Staatssekretärin ernannt wurde, da war sie sich noch nicht ganz
sicher wie sie mit ihren Ämtern im Heilbronner Gemeinderat verfahren wird.
Jetzt ist es raus: Die Staatssekretärin im Stuttgarter Sozialministerium wird
alle ihre Ämter im Heilbronner Rathaus niederlegen, sowohl das der Stadträtin
als auch das der Vorsitzenden der CDU-Gemeinderatsfraktion. Ihr Nachfolger in
der Leitung der 13-köpfigen Fraktion ist auch schon gewählt: Artur Kübler (48),
Diplomverwaltungswirt (tätig im Stuttgarter Staatsministerium in der Abteilung
„Grundsatz und Planung“) und bisher Erster Stellvertreter von Johanna Lichy
sowie Fraktionsgeschäftsführer. Bisher galt der neue Fraktionschef der CDU als
harter und sachlicher Kärrner seiner Truppe. Er managte viele Wahlkämpfe für
die CDU in Heilbronn und war schon Wochen vor der März-Wahl felsenfest davon
überzeugt, daß seine Kollegin Dieter
Spöri schlagen wird. Auch im Lichy-Wahlkampf setzte er sich mit allen zur
Verfügung stehenden Kräften ein. Daß er ein Feuerwehrmann für seine Partei ist,
einer, den man in der SPD zu den Kanalern rechnen würde, das hatte auch Kurt Biedenkopf, der sächsische
Ministerpräsident, gewußt, als er ihn in seine Staatskanzlei nach Dresden
holte. Bei den beiden großen Franktionen hat sich jetzt der Wechsel, ohne daß
es sonderlich geplant war, vollzogen. Die Hauptkontrahenten im Heilbronner
Ratssaal heißen nun Harry Mergel
(SPD) und Artur Kübler (CDU). Das
verspricht künftig spannende Gemeinderatssitzungen.
OB-Freispruch?
Regierungspräsidium und Gemeindeprüfungsanstalt haben dem Heilbronner
Oberbürgermeister Manfred Weinmann
einen Persilschein ausgestellt. Beim Heilbronner Rathaus-Skandal sei er
schuldlos. Regierungspräsident Udo
Andriof ließ sich jedoch eine Hintertür offen: Sein veröffentlichter
Fragenkatalog, den der OB bis Ende des Montas Juni beantworten soll, hat es in
sich. Legen Andriof und seine Behörde doch ihre Finger genau in jene Wunde, die
heftig schmerzt: Die Schludrigkeiten und Versäumnisse im Heilbronner Rathaus
und vor allem im dem OB direkt unterstellten Hauptamt werden peinlich
abgefragt. Sollten bei der Beantwortung
der Andriof-Fragen wiederum Schlampigkeiten zutage treten, neue Erkenntnisse an
die Oberfläche schwappen, dann wird die Luft in der Verwaltungsspitze
Heilbronns noch eisiger. Die strafrechtlichen und disziplinarischen
Ermittlungen sind ja längst noch nicht abgeschlossen. Nichts in den
OB-Antworten der peinlichen Befragung darf also durch neue Erkenntnisse aus
Zeugenaussagen bei den anstehenden Prozessen gegen die Rathaus-Gauner ins
Wanken geraten. Jetzt muß im Heilbronner Rathaus sorgsam überlegt, was wie
geantwortet wird. Die Stuttgarter Zeitung
schrieb letzte Woche, daß auch die politischen Konsequenzen noch drohen. Denn
in diesem Monat noch wird der Gemeinderat in einer Sondersitzung erste Schlüsse
aus dem Skandal ziehen. Und dabei wird der Christdemokrat Weinmann nicht
ungeschoren davonkommen. Denn auch Heilbronns Stadträte brauchen schließlich
einen Sündenbock. Werden sie doch in der Bevölkerung für die Schlampereien
mitverantwortlich gemacht. Fazit: Die Leidenszeit des Politikers Weinmann hat
noch gar nicht richtig angefangen. Ich meine: Die Leidenszeit der Heilbronner
Bürger, die dauert schon viel zu lange.
EC-Karte defekt
Ist Ihnen das auch schon passiert? Sie stehen an der
Kasse eines Lebensmittel-Supermarktes, eines Baumarktes oder eines
Gartencenters, der Einkaufswagen ist gut bepackt – endlich kommen Sie an die
Reihe. Die Dame scannt oder tippt Ihre Waren ein, Sie zücken Ihre
Euro-Scheckkarte, aber das Erfassungsgerät piept seltsam und die Dame an der
Kasse meint lautstark, daß das Gerät Ihre Karte zurückweise. Warum, das wisse
sie nicht. Dabei hatten Sie doch erst vor zwei Tagen Bargeld aus dem
Geldautomaten Ihrer Bank rausgelassen. Sie protestieren deshalb zaghaft. Die
anderen Kunden schauen indigniert – wissen nicht so recht, was sie von Ihren
Aussagen halten sollen. Schließlich hat der Automat ja die Karte
zurückgewiesen. Und wahrscheinlich hat der nix mehr auf dem Konto, die Bank hat
die Geldausgabe gesperrt. Also lassen Sie entnervt und voller Wut den
vollbepackten Wagen zurück. Das glauben Sie nicht? Mir ist es passiert – erst
vor wenigen Tagen. Also, ab zur Bank und Geld aus dem Automaten gelassen. Hier
klappt’s komischerweise. Und zum Trotz bin ich dann in die anderen Filiale des
gleichen Unternehmens in Heilbronn gegangen, den Wagen nur mit wenigen Waren
bepackt zur Kasse. Und welch ein Wunder! Der Scheckkarten-Automat an dieser Kasse akzeptierte meine Karte. Ich
werde jene Filiale natürlich nicht mehr aufsuchen, in der ich so schnöde behandelt
wurde. Bei meiner Bank, die Dame am Beratungsschalter darauf angesprochen,
erhielt ich auch nur achselzuckend Auskünfte: Manche Geräte seien halt sehr empfindlich, andere weniger.
Vielleicht waren auch nur ein paar Staubpartikel auf der Scheckkarte. Damit
müsse ich leben. Vielleicht liegt es auch nur am Scheckkartenhersteller. Wie
dem auch immer sei: Seltsam, seltsam gehen Banken und Geschäfte mit meinem
schwerverdienten Geld um.
Kampf der Korruption
Nein, nein, ich habe den Heilbronner Rathaus-Skandal und die veruntreuten knapp sechs Millionen nicht vergessen –
und meine geneigten Leserinnen und Leser sicher auch noch nicht. Die Frage nach
der Verantwortung der ersten Männer im Rathaus wird wohl weiter gestellt werden
dürfen, auch wenn der Bericht der Gemeindeprüfanstalt einige Entlastung
gebracht hat. Erinnern Sie sich auch noch an die vollmundigen Versprechungen
aus der Rathaus-Pressestelle von einer Anti-Korruptions-Truppe, die bald ihre
vorbeugende und strafende Arbeit tun werde. Da war mal die Rede davon, zwei
Mann sollten für diese Aufgabe abgestellt werden. Sehr gut, sage ich. Es gibt
übrigens ein Beispiel für solch eine Anti-Korruptions-Abteilung.
Frankfurt am Main, die Bankenmetropole, hatte solch ein Dezernat nach den
großen Bau-Skandalen der vergangenen Jahre eingerichtet. Mit Erfolg, die Gruppe
hat große Teile von Korruption und Untreue im Amt mit Stumpf und Stiel
ausgerottet. Heilbronn täte gut daran, sich einmal mit den Frankfurtern zum
Erfahrungsaustausch zusammenzutun. Aber wie ich aus den Amtsstuben unterm
Kiliansturm gehört habe, gedenkt man bereits jetzt, sich die ganze Geschichte
beruhigen zu lassen, auf die Vergeßlichkeit der Bürger zu setzen. Schließlich
ist ja bald Sommerpause. Und da sind viele im Urlaub. Peinlich, peinlich.
Theater-Sommer in der Region
Am letzten Freitag jubelte das Publikum bei den
Neuenstädter Freilichtspielen mal wieder seinen geliebten Laienspielern zu.
Hatten sie doch zusammen mit ihrer Regisseurin Hanna Reiners mit dem
Kostümstück „Der tolle Tag oder Figaros
Hochzeit“ den Nerv des Geschmacks breiter Schichten offenbar voll
getroffen. Unbekannt ist die Geschichte ja nicht. Und die Melodien der
Mozart-Oper gleichen Namens sind den halbwegs Musikinteressierten mit ein wenig
europäischer Bildung in den Ohren. Auch wenn manche Damen, die schon einen
Volkshochschulkurs in Emanzipation hinter sich gebracht haben, meinen, daß das
Stück aktualisiert gehöre (vor allem auf Laienbühnen!), so hat der
Beaumarchais-Stoff trotz alledem seit seinem Erscheinen kurz vor der
Französischen Revolution zu allen Zeiten die Menschen angeregt, über die Liebe
und ihre Verwicklungen nachzudenken. Und daß in heutiger Zeit manch kleines
Mädchen aus der Unter- oder Mittelschicht sich sogar freiwillig einem großen
Herrn (aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaft oder Verbänden) als Geliebte
andient, weil eben nicht die Liebe, sondern der eigene Vorteil und die
ausreichende Versorgung zählt. Das ist so platt wie wahr. Es gilt halt immer
noch das schnöde Motto: Lieber reich und
gesund als arm und krank, lieber einen häßlichen Reichen als einen schönen
Armen. So sehr das auch der gängigen Romantik widersprechen mag. Dafür
gibt’s ja als Entlastung die schöne Regenbogenpresse. Da findet sich das
„Glück“ in vielen bunten Bildern und wohligen Texten. Und auch das Gegenteil
davon. Für Lehrer, Journalisten und andere Aufgeklärte gibt‘s stattdessen die
moderne Literatur mit all ihren psychischen Tiefen, Höhen und Breiten. Und wer
es populär und als Fastfood haben will, geht ins Kino oder Theater. Vielleicht
auch zu einer Freilichtbühne in der Region. Denn da wird auch die Welt in all
ihren Facetten allsommerlich ausgebreitet - und das auch noch in frischer Luft.
V(fR)erwunderliches
„Von sportlichen Leistungen wird abgeraten“, empfahl
vergangenen Donnerstag der Radiosprecher, als die Quecksilbersäule am
Nachmittag 32 Hitzegrade anzeigte und die Ozonwerte auf Rekordhöhe gestiegen
waren. Diese Empfehlung ignorieren mußten fünfzehn A-Jugendfußballer des VfR Heilbronn, die sich
um diese Zeit in Belsen auf der schwäbischen Alb den Württembergischen
A-Jugendpokal erkämpften und damit nach
dem Aufstieg in die Bundesliga der Jugendfußballer den zweiten großen Erfolg
innerhalb von 14 Tagen errangen. Die Sieges-und Freudengesänge der jungen
Burschen drangen aus der Badstraße bis zu mir herauf, so daß ich mich auf den
Weg machte und ein bißchen mitfeierte. Und dabei Überraschendes erlebte und
erfuhr. Waren doch die Sieger mit ihrem
Trainer Otto Frey, den Betreuern und
einigen Eltern quasi im kleinen
Kreise unter sich. Kein VfR-Vorstandsmitglied, der außer Landes weilende Vorsitzende Horst
Eisele war entschuldigt, kein einziger Funktionär der Fußballabteilung fand es
für nötig, den Burschen zum größten Erfolg in der Vereinsgeschichte
wenigstens zu gratulieren. Daß es
aus der Führungsetage des Klubs niemand für nötig gefunden hatte, die
Mannschaft zum Endspiel zu begleiten, paßte da ins Bild. Geradezu von der
Biergarten-Bank haute es mich jedoch, als ich erfuhr, daß der Trainer der
ersten VfR-Mannschaft, Gerd Störzer, in dieser Runde noch kein einziges Spiel
dieser erfolgreichen Jugend angeschaut hat. Nun frage nicht nur ich mich, wie
es denn mit dem Heilbronner Fußball wieder aufwärtsgehen soll, wenn man die
Talente in den eigenen Reihen so
ignoriert und links liegen läßt. Dafür drücke ich den VfR-Jugendlichen
jetzt bei den Spielen um die Deutsche Pokalmeisterschaft umso mehr die Daumen
und werde auch in der neuen Saison öfters
mal im Frankenstadion
vorbeischauen, wenn es gegen Bayern München, Eintracht Frankfurt, Karlsruher SC
und andere Großkopfete des deutschen
Fußballs um
Jugend-Bundesligapunkte geht. Und vielleicht habe ich Glück und treffe dabei
mal den Herrn Störzer und andere
VfR-Funktionäre, die sich dann sicher im Glanze dieser Jugenderfolge sonnen
werden
Erdbeeren
Wenn ich samstags oder sonntags mit dem Auto tanken
fahre, dann stehen an den verschiedenen Tankstellen Heilbronns die
Erdbeer-Bauern aus dem Unterland und verkaufen unter großen Sonnenschirmen die
Früchte ihrer Arbeit. Frisch vom Feld geerntet kommen die herrlich roten
Früchte und werden pfundweise für 3,80 Mark angeboten. Wie man mir sagte, wäre
es noch ein wenig billiger, wenn der Erdbeerfan selbst auf die Felder ginge und
pflückte. Dann kostet das Kilo nur rund sechs Mark. Der große Unterschied ist
halt zu schmecken: Ob die Beeren aus dem Kühlhaus kommen, die ich im Supermarkt
erhalte, oder direkt vom Feld, die ich beim Bauern an der Tankstelle kaufe. Und
wem die Luft an der Tankstelle zu stark mit den Benzindämpfen durchtränkt ist,
der kann auch rings um Heilbronn an den Feldern sein Pappschälchen Erdbeeren
erstehen. Allüberall stehen die
Schilder, auf denen angezeigt wird, daß hier die roten Früchte gekauft werden
können. Ich finde diese Art der Selbstvermarktung hervorragend. Der
Verbraucher genießt frische Ware und der Erzeuger umgeht den mühevollen Weg des
Zwischenhandels. Aber nicht nur für den Endverbraucher ist diese Praxis
angenehm, auch die Hotels, Gaststätten, Konditoreien oder Bäckereien bekommen
ihre Ware täglich pflückfrisch auf den Bearbeitungstisch. In den nächsten Tagen
übrigens sollen die Preise fallen: Bis zu 2,50 Mark das Pfund herrlich roter
Erdbeeren aus dem Unterland.
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