Überraschung
Das war schon eine handfeste Überraschung. Kaum in
den neuen Landtag Baden-Württembergs gewählt, und schon ist unsere Heilbronner
CDU-Abgeordnete, die Spöri-Bezwingerin Johanna
Lichy auch schon zur parlamentarischen Staatssekretärin im Stuttgarter
Sozialministerium ernannt. Ihren alten Weggefährten Hermann Mühlbeyer hat sie damit aus dem Rennen geschlagen. Der war
immerhin von 1984 bis 1992 in diesem Amte tätig. Kurz vor der Bekanntgabe der
neuen Minister und Staatssekretäre geisterte sein Name noch durch die
Regionalnachrichten so mancher Rundfunkanstalten. Gesteuerte Desinformation?
Wer weiß, wer weiß!? Jetzt stellt sich vielen Rathausbeobachtern in Heilbronn
die Frage. Wer wird Nachfolger von Johanna Lichy im Amt des
CDU-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat? Zwei Namen stehen da momentan zur
Debatte: Helga Drautz-Oertel und Thomas Strobl. Nachdem bei der
Landtagskandidatur Helga Drautz-Oertel der Favoritin Johanna Lichy unterlegen
war, es in Heilbronn seit Paula Fuchs schon
fast Tradition ist, daß eine Frau die Gemeinderatsfraktion führt, Thomas Strobl
den CDU-Kreisvorsitz innehat und für die Nachfolge Egon Sussets als Bundestagskandidat nahezu ausgemacht ist, dürfte
die Entscheidung in Richtung Frauenpower gehen.Aber geschwätzt ist geschwätzt
und gewählt immer noch gewählt. Das letzte Wort haben die CDU-Räte.
Heilbronner Kulturtage 1996
Wenn es um Kultur geht, dann ist Heilbronn nicht
gerade eine Perle im Lande Baden-Württemberg. Behaupten die Kritiker. Ganz
anders sieht das Harry Mergel, der
Manager der alljährlichen Heilbronner
Kulturtage auf dem Gaffenberg. Heuer finden sie zum neunten Male statt. Und
von Beginn an ist es das gleiche Team, das für dieses Ereignis geradesteht.
Ständig, auch wenn mal nicht Kulturtage sind (und das ist schließlich 51 Wochen
des Jahres so), wird an der Konzeption gefeilt, wird der künstlerische
Stellenwert überprüft, die Infrastruktur für die Besucher verbessert - die
Mannschaft um Harry Mergel ist bienenfleißig an 365 Tagen des Jahres. So
zumindest verkaufte sich das Team bei der Pressekonferenz zu den Kulturtagen 96
vor wenigen Tagen im Heilbronner Hotel Burkhardt. Ich muß schon sagen: Profis
sind sie, den Kinderschuhen der evangelischen Kinderfreizeiten schon lange entwachsen.
Die Zeiten, als man drei bis vier Zugpferde holte, die übrigen Künstler
darumgruppierte, die sollen vorbei sein. Heute will man innovativ auch im
Kulturbereich tätig sein. Darum trennt man sich von vielem Liebgewonnenen, von
Künstler-Freunden, weil der Wechsel zum Leben gehört wie Essen und Trinken. Ab
11. Mai (ab 9 Uhr) kann auf dem Kiliansplatz in Heilbronn auf Karten
zugegriffen werden. Und eine Telefon-Hotline (07131-255091)steht all jenen zur
Verfügung, die von auswärts kommen oder sich nicht in die Innenstadt begeben
wollen. Damit soll diese Hetze nach den Karten, der sogenannte Rush, ein wenig
entzerrt werden - hoffen die Veranstalter. Aber wenn ich das richtig sehe, dann
werden auch in diesem Jahr wieder die Karten binnen kürzester seit ausverkauft
sein. Denn etwas ähnlich Schönes wie die Heilbronner Kulturtage gibt es weit
und breit im Ländle nicht.
1000 Mark verschenkt
Vor einigen Tagen wurden in Eppingen tausend Mark
verschenkt. Sie sagen, das sei nichts Besonderes. Na, dann hören Sie mal. An
einem Mittwochnachmittag spaziert ein siebenjähriges Kind nach Hause. Als sie am Kaugummi-Automaten in der
Adelshofener Straße sich einen dieser süßlichen Dinger herauslassen will, steht
ein anderes Mädchen neben der Kleinen. Mit den Worten „Das kriegst Du. ich habe
noch fünf Stück daheim“, übergibt sie einen Tausendmarkschein. Die kleine
Kaugummi-Tante trottet mit dem wertvollen Schein nach Hause. Dort berichtet sie
von der seltsamen Begebenheit erst mal ihrem Bruder, der die Geschichte dann
der Mutter weitererzählt. Erst da wird offenbar, welchen Schatz die
Siebenjährige in Händen hält. Die sofort informierte Polizei läßt den Schein
dann bei einer Bank auf seine Echtheit hin überprüfen. Das Geld hatte
anstandslos diese Prüfung bestanden hat. Aber die Schenkfreudige ist spurlos
verschwunden: Elf bis zwölf Jahre soll sie alt sein, etwa 1,40 bis 1,45 Meter
groß, dunkle, kurze Haare, sie trug einen Schulranzen, war bekleidet mit einer
schwarzen Jeanshose, einem blauen Pullover (auf der Brust eine Micky-Maus) und
trug Ohrringe. Wenn die Eltern der jungen, schenkfreudigen Dame bis heute
nichts bemerkt haben, dann sollten sie mal in in ihren Geldbeuteln oder an
jenem Ort nachschauen, an dem sie normalerweise die Tausender aufbewahren.
Vielleicht fehlen ein paar.
Rang und Namen
18 Jahre gibt es sie nun, und sie ist immer noch
gut: die NeueMuseumsGesellschaft. Schwäbisches
Kabarett bieten Sabine Essinger, Volker Körner, Jörgen Zundel und Otto von
Roden. Ort der jüngsten Premiere war der Ochsensaal in Frauenzimmern. Zwei bis
drei Jahre wird die NeueMuseumsGesellschaft mit ihrem überarbeiteten Programm
nun auftreten. Wie immer geht es auch diesmal wieder ums Leben und Wirken des
Schwaben schlechthin. Zwar taucht die bekannte schwäbische Prototyp-Familie
Fleischle auch auf, doch die Kabarettisten haben im zweieinhalbstündigen
Programm viel Neues verpackt. Hingehen
lohnt sich, auch wenn die Freunde platter schwäbischer Mundart-Witze zu kurz
kommen dürften. Die NeueMuseumsGesellschaft geht heuer nachdenklicher und
kritischer zur Sache. Einen wirklichen Erfolg hat die NMG mit ihrem Programm-
und Jubiläumsheft gelandet. Denn selbst die Personen, die so oft Ziel des
beißenden Kabarett-Spottes sind, haben es sich nicht nehmen lassen, ein
Grußwort für die Jubiläumszeitschrift beizusteuern. Den Anfang macht
Ministerpräsident Erwin Teufel. Es folgt ein Verlierer: Dieter Spöri. Walter
Döring ist mit von der Partie und der Bonner Grüne Rezzo Schlauch. Und
natürlich die ganze Bürgermeisterriege württembergischer Lande: Manfred List
aus Bietigheim-Bissingen, Rolf Kieser von Brackenheim, der Horst Haug von
Schwaigern oder der Manfred Weinmann aus Heilbronn. Angenehm bei der Premiere
im Ochsensaal: Es fehlte die ganze Riege der Großkopfeten aus Politik, Kultur
und Sport. Die wirklichen Kabarett-Freunde waren unter sich.
Wer fusioniert mit wem?
Konkurrenz belebt das Geschäft. Sagt man so
leichthin. Aber letztlich schafft es Arbeitsplätze, steigert die Qualität. So
ist zu hoffen. Außer es sind Monopolisten am Werke, die alles wegradieren, was
ihnen im Wege steht. Das hat dann nicht mehr mit Wettbewerb oder freier
Marktwirtschaft zu tun. Dem Kunden kann es letztlich nur recht sein. Ob so oder
so. Im Bankenbereich des Unterlands verändert sich seit geraumer Zeit schon die
Landschaft. Nicht nur bei der Kreissparkasse, die laut eigener Aussage
Marktführer im Stadt- und Landkreis Heilbronn ist. Momentan diskutieren im genossenschaftlichen Bankenbereich die
Vertreterversammlungen über neue Fusionen. Zum Beispiel soll die Volksbank
Leingarten-Schwaigern mit der Volksbank Lauffen-Nordheim fusionieren. Und auch
im Bereich Güglingen-Brackenheim ist man schon im Gespräch. Die neuen
Volksbank-Gebäude in Heilbronn, Schwaigern und Brackenheim zeugen ja von einer
gesunden Stärke. Und Fusionen bringen eine neue Schlagkraft mit sich. Wenn die
Fusionen von Leingarten-Schwaigern und Lauffen-Nordheim über die Bühne sind,
dann hat die Volksbank Heilbronn eine starke Konkurrenz in den eigenen
genossenschaftlichen Reihen. Falls dann ab 1997 diese Bank am Markt ihre
Tätigkeit aufnehmen wird, dann frage ich mich wie aus den beiden Bandwurm-Namen
ein einheitliches Gebilde wird. Ich schlage als neues Namen vor: Volksbank
Unterland. Da weiß man, woran man ist – und leicht zu merken ist der Name auch.
Wie schrecklich wäre „Volksbank Leingarten-Schwaigern-Lauffen-Nordheim“ oder
kurz „Volksbank Leischwailaufnord“.
Heilbronns Straßenfeger
Was sich in Heilbronn nicht so alles an
Straßenfegern tummelt? Bisher hat der Normalbürger garnicht soviel davon
wahrgenommen. Denn die City-Straßen waren in letzter Zeit reichlich verdreckt.
Vor allem in den Fußgängerzonen. Aber am letzten Donnertag fegten sogenannte
Prominente die Bürgersteige und Fahrbahnen rund um die Kilianskirche. Die
kennen sie nicht? Die hätten sie kennenlernen sollen! Hans-Peter Albrecht,
Hans-Ulrich Friz, Konrad Hettenbach, Friedel Hinz, Roland Nölscher, Thomas
Walch, Claus Böhm, Karlheinz Maier, Hans-Eugen Romann, Bernd Sachsenberger,
Marcus Zimmermann, Ralph Zimmermann, Wolfgang Bok, Thomas Grandkowsky, Eva Scherotzke,
Carlo Köchel, Siegfried Schilling, Jürgen Dieter Ueckert, Bärbel Burkhardt,
Wilhelm Burkhardt, Heinrich Götz, Kösal Kilic, Klaus Möhle, Uwe Schöneck,
Manfred Strohmeier, Werner Grau, Peter Hahn, Werner Hörtling, Hans-Georg Mayer,
Gustav Muhler und Bernhard Winkler. Jetzt können Sie ganz privat in Ihrer
Familie ein munteres Personenraten veranstalten: Wer von diesen Herrschaften
ist so prominent, daß ich ihn kenne? Und wenn ich ihn kenne, ist er dann auch
prominent? Auf jeden Fall haben alle oben Genannten kräftig ihre Besen
geschwungen, damit Heilbronn ein wenig sauberer wird. Die Kaufleute, die
Medienvertreter, die Wirte, die Hotelbesitzer und selbst die Vertreter der
Stadt. Wobei der Erste Bürgermeister
recht laut darauf verwies, daß je mehr Dreck auf der Schaufel ist, die Stadt
dann umso sauberer sei. Grad so wie bei der Stadtverwaltung. Je mehr
Skandale im Rathaus nach außen dringen, in der Zeitung stehen, desto mehr wird
die Verwaltung von übler Schlamperei gereinigt. Jeder Kehr-Teilnehmer hat sogar
ein Urkunde erhalten, auf der geschrieben steht: „XY hat ehrenamtlich im Rahmen
der Aktion ‘Saubere Stadt’ an einer Kehrstaffel mitgewirkt und damit das
Straßenkehrerdiplom erworben. Hierfür wird ihm Dank und Anerkennung
ausgesprochen. Oberbürgermeister Dr. Weinmann.“
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
OB-Rücktritt?
Zunächst hatte der Republikaner Alfred Dagenbach,
Landtagsabgeordneter und Fraktionschef im Heilbronner Gemeinderat, den Rücktritt des Heilbronner
Oberbürgermeisters Dr. Manfred Weinmann wegen des Rathaus-Skandals und seiner
Folgen gefordert. Das wurde noch als Getöse im Landtagwahlkampf abgetan.
Seit einigen Tagen aber wird das Geraune unter Heilbronner Stadträten (aus
allen Fraktionen) und in weiten Kreisen der Bevölkerung immer lauter.
Irgendeine Entscheidung muß her. Einer aus der Verwaltungsspitze muß sich
verantwortlich zeigen und Konsequenzen ziehen. Die Stuttgarter Zeitung titelte
am Samstag gar in einem Kommentar „Weinmann am Ende“ und zieht aus dem
Rathaus-Skandal die Schlußfolgerung: „... ein Beharren Weinmanns auf seinem
Posten wäre für die kommunalpolitische Arbeit der nächsten Jahre katastrophal.
Der in Heilbronn aufgewachsene Manfred Weinmann hat immer beteuert, daß er
seine Stadt liebe. Jetzt wird er das beweisen müssen.“ Und in der
auflagenstärksten Zeitung Baden-Württembergs, der Ulmer Südwest Presse werden
Überlegungen angestellt, wie ein OB im Lande zurücktreten kann. Lapidare
Auskunft des Ministerialrats Albrecht Quecke (Leiter des Referats Kommunales
Verfassungsrecht im Innenministerium): „Ein Bürgermeister kann nach § 42 des
Landesbeamtengesetzes jederzeit und ohne Angabe von Gründen seine Entlassung
verlagen.“ Schwieriger wird es dann schonn, wenn es um eine Amtsenthebung
geht. Aber Heilbronns OB hat am 30. April
erst deutlich gemacht: „Es ist mein Wille, meine Verantwortung, und ich
betrachte es als eine meiner obersten Pflichten, bis zum Ende meine Amtszeit
mit meinem ganzen Engagement den Mißbrauch von Befugnissen – wo immer dieser im
Rathaus sich zeigen mag – zu verhindern und die volle Leistungsfähigkeit sowie
das Ansehen der Stadtverwaltung in der Öffentlichkeit wieder herzustellen.“ –
Wie ich höre, wollen die Sozialdemokraten am Donnerstag im Gemeinderat eine
Sonderseitzung noch vor der Sommerpause beantragen. Dabei soll dann alles zur
Sprache kommen, was bisher an Erkenntnissen aus den Vorfällen im Rathaus zutage
gefördert wurde. Einziger Tagesordnungspunkt dieser Abrechnungssitzung“:
Bewertung und Konsequenzen im Zusammenhang mit den kriminellen Machenschaften und
skandalösen Mißständen in städtischen Ämtern.“
Auf der grünen Wiese
Bisher meinte ich in meiner schlichten Denkweise,
daß nur in Heilbronn die Bürger mit ihrem Stinkerle aus der Stadt vertrieben
werden sollen. Autofrei sollen die Innenstädte werden, so das Credo der
umweltbewußten Menschen mit dem politisch korrekten Denkansatz. Mittel zum
Zweck: Ständige Bestrafung der Autofahrer durch erhöhte Parkgebühren, Wegfall
der innerstädtischen Parkplätze, Tempo-30-Zonen an allen erdenklichen Stellen
und Einengung der Fahrbahnen. Viel ist schon erreicht worden. Die Stadt sagt, durch ihre Maßnahmen seien
die Unfallzahlen gesenkt worden. Auch die Bürger reagieren. Man kauft immer
weniger im Innenstadtbereich ein. Die grünen Wiesen vor jeder Gemeinde
bieten ja genügend Einkaufsparadiese mit ausreichend Parkplätzen. Selbst in den
kleineren Kreisgemeinden ist man jetzt auf die neue
Einnahmequelle"Bestrafung der Parksünder" gekommen. Zunächst werden
Parkmöglichkeiten eingeschränkt. Dann wird der Dorfbüttel mit dem Block
losgeschickt, damit er bei den Falschparkenden ordentlich abkassiert. Und so
manche gestreßte Hausfrau sagt sich: Warum soll ich im Dorf einkaufen, wenn ich
jetzt auch noch von der Gemeinde dafür bestraft werde. Also fährt man schnell
auf die grüne Wiese vor der Gemeinde oder dem Nachbarort, wo die gesamte
Palette der Waren angeboten wird. So machen letztlich die Umweltschützer die
Tante-Emma-Läden kaputt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen