Donnerstag, 20. Februar 2014

Kiliansmännle, 08.05.1996



Überraschung
Das war schon eine handfeste Überraschung. Kaum in den neuen Landtag Baden-Württembergs gewählt, und schon ist unsere Heilbronner CDU-Abgeordnete, die Spöri-Bezwingerin Johanna Lichy auch schon zur parlamentarischen Staatssekretärin im Stuttgarter Sozialministerium ernannt. Ihren alten Weggefährten Hermann Mühlbeyer hat sie damit aus dem Rennen geschlagen. Der war immerhin von 1984 bis 1992 in diesem Amte tätig. Kurz vor der Bekanntgabe der neuen Minister und Staatssekretäre geisterte sein Name noch durch die Regionalnachrichten so mancher Rundfunkanstalten. Gesteuerte Desinformation? Wer weiß, wer weiß!? Jetzt stellt sich vielen Rathausbeobachtern in Heilbronn die Frage. Wer wird Nachfolger von Johanna Lichy im Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat? Zwei Namen stehen da momentan zur Debatte: Helga Drautz-Oertel und Thomas Strobl. Nachdem bei der Landtagskandidatur Helga Drautz-Oertel der Favoritin Johanna Lichy unterlegen war, es in Heilbronn seit Paula Fuchs schon fast Tradition ist, daß eine Frau die Gemeinderatsfraktion führt, Thomas Strobl den CDU-Kreisvorsitz innehat und für die Nachfolge Egon Sussets als Bundestagskandidat nahezu ausgemacht ist, dürfte die Entscheidung in Richtung Frauenpower gehen.Aber geschwätzt ist geschwätzt und gewählt immer noch gewählt. Das letzte Wort haben die CDU-Räte.



Heilbronner Kulturtage 1996

Wenn es um Kultur geht, dann ist Heilbronn nicht gerade eine Perle im Lande Baden-Württemberg. Behaupten die Kritiker. Ganz anders sieht das Harry Mergel, der Manager der alljährlichen Heilbronner Kulturtage auf dem Gaffenberg. Heuer finden sie zum neunten Male statt. Und von Beginn an ist es das gleiche Team, das für dieses Ereignis geradesteht. Ständig, auch wenn mal nicht Kulturtage sind (und das ist schließlich 51 Wochen des Jahres so), wird an der Konzeption gefeilt, wird der künstlerische Stellenwert überprüft, die Infrastruktur für die Besucher verbessert - die Mannschaft um Harry Mergel ist bienenfleißig an 365 Tagen des Jahres. So zumindest verkaufte sich das Team bei der Pressekonferenz zu den Kulturtagen 96 vor wenigen Tagen im Heilbronner Hotel Burkhardt. Ich muß schon sagen: Profis sind sie, den Kinderschuhen der evangelischen Kinderfreizeiten schon lange entwachsen. Die Zeiten, als man drei bis vier Zugpferde holte, die übrigen Künstler darumgruppierte, die sollen vorbei sein. Heute will man innovativ auch im Kulturbereich tätig sein. Darum trennt man sich von vielem Liebgewonnenen, von Künstler-Freunden, weil der Wechsel zum Leben gehört wie Essen und Trinken. Ab 11. Mai (ab 9 Uhr) kann auf dem Kiliansplatz in Heilbronn auf Karten zugegriffen werden. Und eine Telefon-Hotline (07131-255091)steht all jenen zur Verfügung, die von auswärts kommen oder sich nicht in die Innenstadt begeben wollen. Damit soll diese Hetze nach den Karten, der sogenannte Rush, ein wenig entzerrt werden - hoffen die Veranstalter. Aber wenn ich das richtig sehe, dann werden auch in diesem Jahr wieder die Karten binnen kürzester seit ausverkauft sein. Denn etwas ähnlich Schönes wie die Heilbronner Kulturtage gibt es weit und breit im Ländle nicht.



1000 Mark verschenkt

Vor einigen Tagen wurden in Eppingen tausend Mark verschenkt. Sie sagen, das sei nichts Besonderes. Na, dann hören Sie mal. An einem Mittwochnachmittag spaziert ein siebenjähriges Kind nach Hause. Als sie am Kaugummi-Automaten in der Adelshofener Straße sich einen dieser süßlichen Dinger herauslassen will, steht ein anderes Mädchen neben der Kleinen. Mit den Worten „Das kriegst Du. ich habe noch fünf Stück daheim“, übergibt sie einen Tausendmarkschein. Die kleine Kaugummi-Tante trottet mit dem wertvollen Schein nach Hause. Dort berichtet sie von der seltsamen Begebenheit erst mal ihrem Bruder, der die Geschichte dann der Mutter weitererzählt. Erst da wird offenbar, welchen Schatz die Siebenjährige in Händen hält. Die sofort informierte Polizei läßt den Schein dann bei einer Bank auf seine Echtheit hin überprüfen. Das Geld hatte anstandslos diese Prüfung bestanden hat. Aber die Schenkfreudige ist spurlos verschwunden: Elf bis zwölf Jahre soll sie alt sein, etwa 1,40 bis 1,45 Meter groß, dunkle, kurze Haare, sie trug einen Schulranzen, war bekleidet mit einer schwarzen Jeanshose, einem blauen Pullover (auf der Brust eine Micky-Maus) und trug Ohrringe. Wenn die Eltern der jungen, schenkfreudigen Dame bis heute nichts bemerkt haben, dann sollten sie mal in in ihren Geldbeuteln oder an jenem Ort nachschauen, an dem sie normalerweise die Tausender aufbewahren. Vielleicht fehlen ein paar.



Rang und Namen

18 Jahre gibt es sie nun, und sie ist immer noch gut: die NeueMuseumsGesellschaft. Schwäbisches Kabarett bieten Sabine Essinger, Volker Körner, Jörgen Zundel und Otto von Roden. Ort der jüngsten Premiere war der Ochsensaal in Frauenzimmern. Zwei bis drei Jahre wird die NeueMuseumsGesellschaft mit ihrem überarbeiteten Programm nun auftreten. Wie immer geht es auch diesmal wieder ums Leben und Wirken des Schwaben schlechthin. Zwar taucht die bekannte schwäbische Prototyp-Familie Fleischle auch auf, doch die Kabarettisten haben im zweieinhalbstündigen Programm viel Neues verpackt. Hingehen lohnt sich, auch wenn die Freunde platter schwäbischer Mundart-Witze zu kurz kommen dürften. Die NeueMuseumsGesellschaft geht heuer nachdenklicher und kritischer zur Sache. Einen wirklichen Erfolg hat die NMG mit ihrem Programm- und Jubiläumsheft gelandet. Denn selbst die Personen, die so oft Ziel des beißenden Kabarett-Spottes sind, haben es sich nicht nehmen lassen, ein Grußwort für die Jubiläumszeitschrift beizusteuern. Den Anfang macht Ministerpräsident Erwin Teufel. Es folgt ein Verlierer: Dieter Spöri. Walter Döring ist mit von der Partie und der Bonner Grüne Rezzo Schlauch. Und natürlich die ganze Bürgermeisterriege württembergischer Lande: Manfred List aus Bietigheim-Bissingen, Rolf Kieser von Brackenheim, der Horst Haug von Schwaigern oder der Manfred Weinmann aus Heilbronn. Angenehm bei der Premiere im Ochsensaal: Es fehlte die ganze Riege der Großkopfeten aus Politik, Kultur und Sport. Die wirklichen Kabarett-Freunde waren unter sich.




Wer fusioniert mit wem?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Sagt man so leichthin. Aber letztlich schafft es Arbeitsplätze, steigert die Qualität. So ist zu hoffen. Außer es sind Monopolisten am Werke, die alles wegradieren, was ihnen im Wege steht. Das hat dann nicht mehr mit Wettbewerb oder freier Marktwirtschaft zu tun. Dem Kunden kann es letztlich nur recht sein. Ob so oder so. Im Bankenbereich des Unterlands verändert sich seit geraumer Zeit schon die Landschaft. Nicht nur bei der Kreissparkasse, die laut eigener Aussage Marktführer im Stadt- und Landkreis Heilbronn ist. Momentan diskutieren im genossenschaftlichen Bankenbereich die Vertreterversammlungen über neue Fusionen. Zum Beispiel soll die Volksbank Leingarten-Schwaigern mit der Volksbank Lauffen-Nordheim fusionieren. Und auch im Bereich Güglingen-Brackenheim ist man schon im Gespräch. Die neuen Volksbank-Gebäude in Heilbronn, Schwaigern und Brackenheim zeugen ja von einer gesunden Stärke. Und Fusionen bringen eine neue Schlagkraft mit sich. Wenn die Fusionen von Leingarten-Schwaigern und Lauffen-Nordheim über die Bühne sind, dann hat die Volksbank Heilbronn eine starke Konkurrenz in den eigenen genossenschaftlichen Reihen. Falls dann ab 1997 diese Bank am Markt ihre Tätigkeit aufnehmen wird, dann frage ich mich wie aus den beiden Bandwurm-Namen ein einheitliches Gebilde wird. Ich schlage als neues Namen vor: Volksbank Unterland. Da weiß man, woran man ist – und leicht zu merken ist der Name auch. Wie schrecklich wäre „Volksbank Leingarten-Schwaigern-Lauffen-Nordheim“ oder kurz „Volksbank Leischwailaufnord“.



Heilbronns Straßenfeger

Was sich in Heilbronn nicht so alles an Straßenfegern tummelt? Bisher hat der Normalbürger garnicht soviel davon wahrgenommen. Denn die City-Straßen waren in letzter Zeit reichlich verdreckt. Vor allem in den Fußgängerzonen. Aber am letzten Donnertag fegten sogenannte Prominente die Bürgersteige und Fahrbahnen rund um die Kilianskirche. Die kennen sie nicht? Die hätten sie kennenlernen sollen! Hans-Peter Albrecht, Hans-Ulrich Friz, Konrad Hettenbach, Friedel Hinz, Roland Nölscher, Thomas Walch, Claus Böhm, Karlheinz Maier, Hans-Eugen Romann, Bernd Sachsenberger, Marcus Zimmermann, Ralph Zimmermann, Wolfgang Bok, Thomas Grandkowsky, Eva Scherotzke, Carlo Köchel, Siegfried Schilling, Jürgen Dieter Ueckert, Bärbel Burkhardt, Wilhelm Burkhardt, Heinrich Götz, Kösal Kilic, Klaus Möhle, Uwe Schöneck, Manfred Strohmeier, Werner Grau, Peter Hahn, Werner Hörtling, Hans-Georg Mayer, Gustav Muhler und Bernhard Winkler. Jetzt können Sie ganz privat in Ihrer Familie ein munteres Personenraten veranstalten: Wer von diesen Herrschaften ist so prominent, daß ich ihn kenne? Und wenn ich ihn kenne, ist er dann auch prominent? Auf jeden Fall haben alle oben Genannten kräftig ihre Besen geschwungen, damit Heilbronn ein wenig sauberer wird. Die Kaufleute, die Medienvertreter, die Wirte, die Hotelbesitzer und selbst die Vertreter der Stadt. Wobei der Erste Bürgermeister recht laut darauf verwies, daß je mehr Dreck auf der Schaufel ist, die Stadt dann umso sauberer sei. Grad so wie bei der Stadtverwaltung. Je mehr Skandale im Rathaus nach außen dringen, in der Zeitung stehen, desto mehr wird die Verwaltung von übler Schlamperei gereinigt. Jeder Kehr-Teilnehmer hat sogar ein Urkunde erhalten, auf der geschrieben steht: „XY hat ehrenamtlich im Rahmen der Aktion ‘Saubere Stadt’ an einer Kehrstaffel mitgewirkt und damit das Straßenkehrerdiplom erworben. Hierfür wird ihm Dank und Anerkennung ausgesprochen. Oberbürgermeister Dr. Weinmann.“  Ein Schelm, der Böses dabei denkt.



OB-Rücktritt?

Zunächst hatte der Republikaner Alfred Dagenbach, Landtagsabgeordneter und Fraktionschef im Heilbronner Gemeinderat, den Rücktritt des Heilbronner Oberbürgermeisters Dr. Manfred Weinmann wegen des Rathaus-Skandals und seiner Folgen gefordert. Das wurde noch als Getöse im Landtagwahlkampf abgetan. Seit einigen Tagen aber wird das Geraune unter Heilbronner Stadträten (aus allen Fraktionen) und in weiten Kreisen der Bevölkerung immer lauter. Irgendeine Entscheidung muß her. Einer aus der Verwaltungsspitze muß sich verantwortlich zeigen und Konsequenzen ziehen. Die Stuttgarter Zeitung titelte am Samstag gar in einem Kommentar „Weinmann am Ende“ und zieht aus dem Rathaus-Skandal die Schlußfolgerung: „... ein Beharren Weinmanns auf seinem Posten wäre für die kommunalpolitische Arbeit der nächsten Jahre katastrophal. Der in Heilbronn aufgewachsene Manfred Weinmann hat immer beteuert, daß er seine Stadt liebe. Jetzt wird er das beweisen müssen.“ Und in der auflagenstärksten Zeitung Baden-Württembergs, der Ulmer Südwest Presse werden Überlegungen angestellt, wie ein OB im Lande zurücktreten kann. Lapidare Auskunft des Ministerialrats Albrecht Quecke (Leiter des Referats Kommunales Verfassungsrecht im Innenministerium): „Ein Bürgermeister kann nach § 42 des Landesbeamtengesetzes jederzeit und ohne Angabe von Gründen seine Entlassung verlagen.“ Schwieriger wird es dann schonn, wenn es um eine Amtsenthebung geht. Aber Heilbronns OB hat am 30. April  erst deutlich gemacht: „Es ist mein Wille, meine Verantwortung, und ich betrachte es als eine meiner obersten Pflichten, bis zum Ende meine Amtszeit mit meinem ganzen Engagement den Mißbrauch von Befugnissen – wo immer dieser im Rathaus sich zeigen mag – zu verhindern und die volle Leistungsfähigkeit sowie das Ansehen der Stadtverwaltung in der Öffentlichkeit wieder herzustellen.“ – Wie ich höre, wollen die Sozialdemokraten am Donnerstag im Gemeinderat eine Sonderseitzung noch vor der Sommerpause beantragen. Dabei soll dann alles zur Sprache kommen, was bisher an Erkenntnissen aus den Vorfällen im Rathaus zutage gefördert wurde. Einziger Tagesordnungspunkt dieser Abrechnungssitzung“: Bewertung und Konsequenzen im Zusammenhang mit den kriminellen Machenschaften und skandalösen Mißständen in städtischen Ämtern.“



Auf der grünen Wiese

Bisher meinte ich in meiner schlichten Denkweise, daß nur in Heilbronn die Bürger mit ihrem Stinkerle aus der Stadt vertrieben werden sollen. Autofrei sollen die Innenstädte werden, so das Credo der umweltbewußten Menschen mit dem politisch korrekten Denkansatz. Mittel zum Zweck: Ständige Bestrafung der Autofahrer durch erhöhte Parkgebühren, Wegfall der innerstädtischen Parkplätze, Tempo-30-Zonen an allen erdenklichen Stellen und Einengung der Fahrbahnen. Viel ist schon erreicht worden. Die Stadt sagt, durch ihre Maßnahmen seien die Unfallzahlen gesenkt worden. Auch die Bürger reagieren. Man kauft immer weniger im Innenstadtbereich ein. Die grünen Wiesen vor jeder Gemeinde bieten ja genügend Einkaufsparadiese mit ausreichend Parkplätzen. Selbst in den kleineren Kreisgemeinden ist man jetzt auf die neue Einnahmequelle"Bestrafung der Parksünder" gekommen. Zunächst werden Parkmöglichkeiten eingeschränkt. Dann wird der Dorfbüttel mit dem Block losgeschickt, damit er bei den Falschparkenden ordentlich abkassiert. Und so manche gestreßte Hausfrau sagt sich: Warum soll ich im Dorf einkaufen, wenn ich jetzt auch noch von der Gemeinde dafür bestraft werde. Also fährt man schnell auf die grüne Wiese vor der Gemeinde oder dem Nachbarort, wo die gesamte Palette der Waren angeboten wird. So machen letztlich die Umweltschützer die Tante-Emma-Läden kaputt.




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