Sie
drohen, zu bleiben
Die
Verurteilung von Theatermanagern in Stuttgart, die mit den üppigen Subventionen
aus dem Steuersäckel so maßlos umsprangen, so daß Schuldenberge in
schwindelnder Höhe aufgetürmt wurden, die wiederum vom Steuerzahler beglichen
werden mußten, hat viele befriedigt. Endlich mal wurden Leute aus dem
Öffentlichen Dienst für ihre Verschwendungssucht zur Verantwortung gezogen. Das
sollte Schule machen. Einige Direktoren am Staatstheater haben dann auch gleich
Rückzieher gemacht, nachdem sie zunächst wilde Klagen gegen die neuen Sparpläne
der Landesregierung, die auch in ihre Etats kleine Löcher schnitten, angehoben
hatten. Mir sagte ein Kenner der Kultur- und Theaterszene, zunächst drohen die
Herren Intendanten bei allzuharten finanziellen Einschnitten mit ihrem
Rücktritt. Führt man die Verhandlungen eloquent und bleibt bei den notwendigen
Sparmaßnahmen, dann führen sie eine viel schlimmere Drohung ins Feld: Sie
wollen bleiben. Ist ja auch verständlich. Bei
den Gehältern, die unsere Theaterdirektoren aus Steuergeldern erhalten,
überlegen sie sich das nicht zwei- oder dreimal. Denn Posten als
Theaterleiter in Staats- oder Stadttheatern sind nicht wie Sand am Meer
vorhanden. Wenn ein Stadttheater-Direktor so um die 200.000 Mark pro Jahr
verdient, was erst verdienen die Herren an den Staatstheatern? Man spricht von
500.000 und mehr. Und wenn die Herren dazu noch aus dem Ausland kommen, dann wissen sie erst recht,
die üppigen deutschen
Theaterdirektoren-Gehälter zu schätzen. Gute Theaterarbeit hängt
bekanntlich nicht vom Geld, sondern vom lebendigen Geist ab, der aus den Köpfen
der Theatermacher sprudelt. Satte und wehleidige Theaterleute machen eben nur
sattes und wehleidiges Theater – und meinen, das müsse auch noch als große
Kunst anerkannt werden. Theaterkunst wird aber nur dort geboren, wo es ums
Überleben, wo Unterhaltung Ausruhen vom Alltag und kein Ersatz für das Leben
ist. Die Erfolge der großen Musical-Bühnen in Deutschland und aller Welt sind
Beleg dafür. Unsere Staats- und Stadttheater dagegen machen mehrheitlich
Theater für „Kenner“.
Wer
wird was?
Im
Jahre 1999 wird in Heilbronn ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Manche
zerbrechen sich jetzt schon den Kopf darüber, wer es werden könnte. Andere
wollen wissen, wer eventuell als Kandidat antritt. Auch in Stuttgart munkelte
man vor drei Jahren viel. Und dann kam alles ganz anders. In Heilbronn wird es
1999 ähnlich sein. Nachdem die SPD in Stuttgart mal wieder auf der
Oppositionsbank sitzt, hält so mancher ihrer Landtagabgeordneten, der zuvor auf
der warmen Regierungsbank saß, Ausschau nach einem schönen OB-Posten. Denn
unsere schwäbischen Oberbürgermeister sind schon kleine Fürsten – oft viel
mächtiger als mancher Staatssekretär oder Minister. Ob der 1983 gegen Manfred Weinmann knapp unterlegene Erhard Klotz, einst OB in Neckarsulm,
dann Ministerialdirektor im Stuttgarter Innenministerium und jetzt
Geschäftsführer des baden-württembergischen Städtetages, 1999 nochmals in
Heilbronn als OB-Kandidat antreten wird, das ist für viele in der SPD die
Frage. Andere wünschen ihn sich als
nächsten SPD-Bundestagkandidaten im Wahlkreis Heilbronn. Aber auch weitere
sozialdemokratische Namen werden hier gehandelt: Harald Friese, Bürgermeister in Heilbronn, oder Frank Stroh, IG-Metall-Bevollmächtigter
in Neckarsulm. Daß die neuen Fraktionsvorsitzenden der beiden großen Parteien
CDU und SPD auf dem Heilbronner Rathaus, Artur
Kübler und Harry Mergel, gern
Bürgermeister in ihrer Heimatstadt werden wollen, das pfeifen die Spatzen auf
den Heilbronner Dächern schon seit langer Zeit. War doch Artur Kübler einst
sogar gegen Reiner Casse angetreten.
Und Harry Mergel dürfte seine Augen schon lange auf das Amt des
Kulturbürgermeisters geworfen haben – als engagierter Kulturtage-Chef. Beide
sind Beamte: Mergel Handelsschulrat in Heilbronn und Kübler Oberregierungsrat
im Stuttgarter Staatsministerium. 1999 geht es ja nicht nur um den Posten des
OBs, sondern auch einige Bürgermeister-Stellen müssen neu besetzt werden.
Weihnachtsempfang
Unter
dem Motto „Neues Denken – neue Chancen“ stand der traditionelle
Weihnachtsempfang des Verbandes der Metallindustrie (Bezirksgruppe
Heilbronn/Region Franken) und des Arbeitgeberverbandes /(Region Franken e.V.)
am Montag dieser Woche im plüschigen, mit überdimensionierten Sternen
weihnachtlich geschmückten Foyer des Heilbronner Stadttheaters. Ein
Vierteljahrhundert seien diese vorweihnachtlichen Empfänge jetzt alt, so der
Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Dr.
Hans Wiedemann (Geschäftsführer beim GKN Neckarwestheim). Und im Foyer des
Stadttheaters sei man schon seit 15 Jahren zu Gast. Und mit den anwesenden
Landtags- und Bundestagsabgeordneten hatte der Vorsitzende auch gleich die
richtigen Adressaten „seiner Kritik an der Politik – positive und weniger
positive“. Und den Medien überließ er es
großzügig, „solche Kritik der Verbände aufzunehmen, zu verstärken, abzumindern,
zu verwerfen oder zu ignorieren“. Mit den Worten des Altbundeskanzlers
Helmut Schmidt rief Wiedemann der versammelten Gästeschar zum Jahreswechsel zu:
Es wird höchste Zeit, daß wir Deutsche zu Nüchternheit und Realismus
zurückfinden und solange wie es nicht Zuwachs, sondern Mangel zu verteilen
gibt, auf alle Diskussionen verzichten, die bei der schweren Schlagseite
unseres Sozialversicherungsystems und der Staatsfinanzen unser Schiff zum
Kentern bringen. Nicht der Verzicht auf den Wohlstand in Deutschland sei damit
gemeint, „sondern der Verzicht auf exzessive Nutzung unserer Soziallsysteme,
mehr wirtschaftspolitische Redlichkeit, die Rückbesinnung auf Solidarität im
Sozialkonsens und die Konzentration all unserer Kräfte, um unseren Sozialstaat
zu sichern“. – Diesen Worten kann ja eigentlich nur jeder zustimmen. Aber
niemand, weder Unternehmer noch Arbeitnehmer, dürfte eigentlich auf Kosten der
Allgemeinheit leben – so er nicht bedürftig ist. Redlichkeit ist nicht teilbar.
Die Schieflagen sind in allen Lagern zu finden. Und darin liegt das größte
Dilemma.
Abgeordneter
als Autor
Wir
kennen ihn alle von den SPD-Wahlplakaten: Hans
Martin Bury, ein junger Bundestagsabgeordneter aus Bietigheim-Bissingen.
Nun macht der SPD-Mann nicht nur noch Politik. Zusammen mit seinem
wissenschaftlichen Mitarbeiter Thomas
Schmidt hat er sich das Banken-Kartell vorgeknöpft. Und genauso lautet der
Titel seines eben erschienenen Buches. Bury geht darin in die Vollen. Er
behauptet, ein Kartell aus Großbanken und Versicherungen beherrsche
Deutschlands Wirtschaft. Mit ihren Aktienpaketen, dem Depotstimmrecht, ihren
Aufsichtsratsmandaten, mit der Vergabe von Krediten und der Begleitung beim
Börsengang entscheiden, so Bury, die Finanzinstitute über Wohl und Wehe
einzelner Unternehmen – und zunehmend der ganzen Volkswirtschaft. Starker
Tobak. Doch Bury packt die Diskussion um den Standort Deutschland mal ganz
anders an. Er behauptet, und da wird ihm
so manches Unterländer Unternehmen Recht geben, daß die Bankenmacht für
Neuerungsdefizite und den Stillstand des Standortes Deutschland verantwortlich
ist. In einem liegt er sicher richtig: Ob beispielsweise ein Mittelständler
eine neue Maschine kaufen, die Familie ein Haus errichten oder auch ein
Großunternehmen einen neue Produktionsstraße bauen kann, tatsächlich
entscheidet das die Bank. Die Bezeichnung Kreditinstitut sagt alles.
Käthchen
Sind
wir Frauen bessere Menschen?
Es
gibt sodde. Und es gibt auch sodde. Sagt man im bei uns Schwäbischen. Manche
von denen sind Machos, die uns Frauen nichts zutrauen. Andere sind Schleimer,
die uns alles zutrauen und aus Angst uns gewaltig hochloben, um uns dann
plotzen zu lassen. Elias Canetti, der große Schriftsteller, meinte einst,
Antisemitismus und Philosemitismus, das seien die beiden Seiten ein- und
derselben Medaille. Genauso ist es bei vielen Männern. Da werden wir Frauen als
die neue kraftvolle Gruppierung in der Gesellschaft entdeckt, als besonders
talentiert hingestellt – und wenn man dann genauer hinschaut, dann kommt das
Lob von jenen Mannsbildern, die mächtig Angst vor ihren eigenen
Geschlechtsgenossen haben. Es ist ja auch so einfach Frauen, zu beschäftigen,
von denen man weiß, daß sie über kurz oder lang eh aus dem Berufsleben für
geraume Zeit ausscheiden. Denn nach Schule, Berufsausbildung und ersten Jobs,
kommt bei mehr als neunzig Prozent meiner Geschlechtsgenossinen die Heirat und
das Kinderkriegen. Damit ist die Karriere erst mal unterbrochen. Die Kurve zum
Wiedereinstieg in den Beruf kommt oft
erst dann, wenn die Kinder, wie man so sagt, aus dem gröbsten raus sind. Das
dauert so seine zehn bis zwanzig Jahre. Und dann sind die hochdotierten Jobs
schon lange vergeben. Und um keine Konkurrenz im eigenen Laden zu haben, suchen
sich jene Männer, die sich mühsam auf eine Chefstelle hochgerangelt haben,
vornehmlich junge Frauen als Mitarbeiter(innen. Nicht, weil die so viel besser
sind, sie sind ja schließlich auch nur Menschen, sondern weil sie rein
statistisch gesehen weniger Sitzfleisch aufweisen. Vorsicht also vor jenen
Heuchlern aus der Herrenwelt, die Frauen nicht als gleichberechtigte Wesen
ansehen, sondern als bessere Menschen.
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