Dreikönig-FDP
So richtig entscheiden kann sich die FDP nicht. Einerseits will sie Rot-Grün in Baden-Württemberg verhindern, folgemäßig mit der CDU ins Koalitionsbett steigen – nach der Wahl am 24. März –, andererseits beschimpft sie die Christdemokraten als unbeweglich und von „schleichender Sozialdemokratisierung“ befallen. Beim traditionellen Dreikönigstreffen in Stuttgart unter dem Motto „FDP 1996 – Zukunft schaffen“ zeigte der als Redner nicht gerade begnadete Außenminister Klaus Kinkel seine Partei-Zuhörern, was ein schwäbischer Geist als Stoßgebet von sich geben kann: „Oh, Herr, laß Hirn ra!“. Denn laut Kinkel will die FDP „ein attraktiver Partner“ für die CDU werden, aber als „eine eigenständige Partei, die sich ihren Stolz nicht nehmen läßt“. Bisher dachte ich immer, die Liberalen seien eine eigenständige, stolze und attraktive Partei. Aber wie es scheint, haben die Wähler das bisher noch nicht so recht begriffen. Deshalb das Stoßgebet, „laß Hirn ra“, damit die Freien Demokraten im März die Fünf-Prozent-Hürde im Ländle überspringen können. Denn jetzt geht es los: Keine „Gefälligkeitsdemokratie, die allen alles verspricht“, keine „Vollkaskogesellschaft“, kein „Wettbewerb der Versprechungen“, keine „Bevormundung“ der Bürger, weniger „Bürokratie“. Denn „wer dem Staat immer mehr Aufgaben überträgt, der darf sich nicht über Steuererhöhungen wundern“. Hört sich gut an. Aber in Bonn regiert die FDP doch mit – und in einigen Ländern auch. Mal sehen, welche Taten den Reden auf dem Parteitag folgen.
So richtig entscheiden kann sich die FDP nicht. Einerseits will sie Rot-Grün in Baden-Württemberg verhindern, folgemäßig mit der CDU ins Koalitionsbett steigen – nach der Wahl am 24. März –, andererseits beschimpft sie die Christdemokraten als unbeweglich und von „schleichender Sozialdemokratisierung“ befallen. Beim traditionellen Dreikönigstreffen in Stuttgart unter dem Motto „FDP 1996 – Zukunft schaffen“ zeigte der als Redner nicht gerade begnadete Außenminister Klaus Kinkel seine Partei-Zuhörern, was ein schwäbischer Geist als Stoßgebet von sich geben kann: „Oh, Herr, laß Hirn ra!“. Denn laut Kinkel will die FDP „ein attraktiver Partner“ für die CDU werden, aber als „eine eigenständige Partei, die sich ihren Stolz nicht nehmen läßt“. Bisher dachte ich immer, die Liberalen seien eine eigenständige, stolze und attraktive Partei. Aber wie es scheint, haben die Wähler das bisher noch nicht so recht begriffen. Deshalb das Stoßgebet, „laß Hirn ra“, damit die Freien Demokraten im März die Fünf-Prozent-Hürde im Ländle überspringen können. Denn jetzt geht es los: Keine „Gefälligkeitsdemokratie, die allen alles verspricht“, keine „Vollkaskogesellschaft“, kein „Wettbewerb der Versprechungen“, keine „Bevormundung“ der Bürger, weniger „Bürokratie“. Denn „wer dem Staat immer mehr Aufgaben überträgt, der darf sich nicht über Steuererhöhungen wundern“. Hört sich gut an. Aber in Bonn regiert die FDP doch mit – und in einigen Ländern auch. Mal sehen, welche Taten den Reden auf dem Parteitag folgen.
Revolte – wer zahlt?
Am Silvesterabend 1995 berichteten Fernsehen und Rundfunk – und einen Tag
später an Neujahr waren die überregionalen Medien voll davon: In Heilbronn
hatte es am 31.12. eine Gefängnisrevolte gegeben. Besser: ein Teil der 356
Gefangenen im geschlossenen Bereich hatten Randale veranstaltet. Resultat der
Gewalttätigkeiten sind zwei verletzte Vollzugsbeamte und mehrere zehntausend
Mark Sachschaden. Genauere Angaben gibt es nicht. Auch nicht darüber, wer die
angerichteten Schäden bezahlt. Hat diese Zurückhaltung in der Information etwa
den Hintergrund, daß wieder mal die Allgemeinheit für die Schäden im Gefängnis
aufkommen soll? Für mich ist klar: Wer den Schaden verursacht hat, der muß
ihn auch bezahlen. Das heißt, die randalierenden Knackis müssen blechen.
Nicht nur für den Sachschaden, sondern auch für die Krankheitskosten der
verletzten Beamten. Auch wenn vom Personalrat der Heilbronner
Justizvollzugsanstalt jetzt die Stelleneinsparungen und die Enge im Gefängnis als
mögliche Ursache für die Randale ausgemacht werden. Nach dem Motto: Wenn der
Bürger nicht genug Steuern aufbringt, die Kriminalität steigt, dann darf man
sich nicht wundern, daß die zarten Seelen der Gefangenen ausrasten. Schuld wäre
also der Bürger, der brav seine Steuern zahlt – weil er zuwenig zahlt. Wenn ein
„Behandlungsvollzug“ wegen Überbelegung im Knast nicht stattfinden kann, dann
muß man halt andere Wege der Betreuung suchen. Manche Länder privatisieren ihre
Strafvollzugsanstalten. Und die Aufseher sind dann Angestellte und keine
Beamten mehr. Aber selbst ohne Privatisierung gäbe es im Strafvollzug viel zu
reformieren – hin zu mehr Wirkung und weniger Leerlauf.
Wohltätigkeit
Die Deutschen sind ein Volk der Spender. Vor allem in der Weihnachtszeit
wird mit viel Aufwand an die gute und hilfsbereite Seite des Menschen
appelliert. Und die Bürger zahlen gern und viel. Auch in den übrigen
Jahreszeiten wird in deutschen Landen bei jedwelcher Katastrophe gespendet. Die
Katholische Kirche weiß, daß weltweit die Deutschen das Geld bringen. Aber in
letzter Zeit sprudelt die Quelle nicht mehr so stark. Klar, wenn Abgaben und
Steuern unablässig steigen. Die Wohlfahrtsverbände aber fordern ihr Geld für
Sozialstationen und Beratungstätigkeiten. Aber die kostentreibende „Lust an
der Beratung“ mittels hochgestochener Theorien geht oft an den zu Beratenden
gründlich vorbei. Hinzu kommt eine Akademisierung der Sozialarbeiterausbildung,
fragwürdige Auswahlkriterien bei der Einstellung des Nachwuchses, Betroffenheit
und Quotenregelungen. All das scheint dann wichtiger als Eignung und
Erfahrung. Und die Vorgesetzten? Oftmals sind es Politologen mit
vulgärmarxistischen Weltbildern, die mit der geänderten Realität der neunziger
nicht mehr klarkommen. Wenn dann bei manchen Wohlfahrtsverbänden im
Verwaltungstrakt Designerlampen stehen, wertvolle Drucke an den Wänden hängen,
die Möbel vom teuersten sind – ja, dann fragt sich mancher Zivi, ob er hier
eigentlich nur ausgebeutet wird. Und einige gelangen auch zur Ansicht, daß die
Wohlfahrtsverbände nicht die Blutstiller, sondern die Blutsauger der Nation
seien. Für mich steht fest: Im härter werdenden Kampf um die finanziellen
Ressourcen der Verbände geht es mehr um die Sicherung der fetten Pfründe,
weniger um die Förderung des selbstbestimmten Handelns Benachteiligter.
Telefongebühren
Politik ist schon ein schwieriges Geschäft. In Bonn haben einige
Parlamentsausschüsse und Ministeralbeamte samt Postminister genau über die
Reform der Telefongebühren Bescheid gewußt. Und jetzt, wo in der breiten
Bevölkerung nachgerechnet wird, der Protest immer lauter wird, da will man von
seinem Wissen von gestern nichts mehr wissen und schiebt alles den
Telekom-Managern in die Schuhe. Ob SPD oder CDU, FDP oder Grüne. Nach dem
altbekannten Politiker-Motto: Was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern
an. Dabei wäre es ganz einfach zu sagen: Wir haben nicht durchgeblickt und
blicken derzeit auch nicht durch. Wie sich die komplizierte neue Tarifstruktur
mit sechs Zeitzonen und vier Entfernungszonen konkret auswirkt, das hat man uns
nicht erklärt – und wir wollten es auch nicht so genau wissen. Der noch
nicht vorhandene Wettbewerb läßt den Telefonkunden zur Melkkuh für den
Monopolisten Telekom werden. Noch zwei Jahre müssen wir warten, bis sich
private Konkurrenz auf dem Telefon-Markt bilden kann. Vielleicht entsteht dann
ein kundenfreundlicheres Verhalten bei jenen, die Kommunikationsdienste
anbieten. Wie das in den USA schon lange der Fall ist. Aber vielleicht ist der
Gebührenskandal, der am 1. Januar 1996 mit einem angeblichen Software-Fehler
begann, eine Beschleunigung bei der Privatisierung. Ich kann mich noch an
Zeiten erinnern, da mußte der Kunde mit Bücklingen um einen Telefonanschluß bei
selbstherrlichen Beamten betteln. Selbst den Telefonapparat lieh die Post nur
gegen hohe Gebühren aus. Selbst für die Bereitstellung eines
Verlängerungskabels mußte der Kunde monatlich blechen, von der hohen Gebühr
fürs Tastentelefon ganz abgesehen. Seit dieser Teilbereich frei ist, sich jeder
das Telefon seiner Wahl kaufen kann, sind die Geräte billiger und technisch
besser. Das läßt für die Zukunft nur hoffen.
Laub-Gebläse
Untergruppenbach kann sich glücklich schätzen, ein wunderschönes Freibad
mit großer Liegewiese und einigen prächtigen Laubbäumen sein eigen zu nennen.
Aber wie Bäume das eben so an sich haben, verlieren sie im Herbst ihre Blätter.
Danach wird das Laub dann meistens von städtischen Bediensteten
zusammengerecht. Rechen? Denkste! Mittlerweile hat ein ordentlich geführter
Bauhof einen Laubsauger. Untergruppenbach hat nach Angaben einiger
Freibad-Anwohner noch eine Variante zu bieten: Das Laub-Gebläse. Damit werden
die Blätter auf einen Haufen geblasen und erst dann zusammengerecht.
Umständlich? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Dennoch, den Anwohnern war das
Gebläse zu laut. Also ist nächsten Herbst wieder Handarbeit gefragt.
Eis-Chaos
Wer hätte das gedacht? Knapp eine Woche nach dem Eisregen zur Jahreswende,
der Straßen und Gehwege in spiegelglatte Flächen verwandelt hatte, wurde
das Unterland am vergangenen Dreikönigswochenende nochmals in eine Rutschbahn
verwandelt. Zur Freude vieler Kinder, die wieder ihre Schlittschuhe auspacken
konnten, und zum Leidwesen der Streudienste, von Polizei und Krankenhäusern. Rund
270.000 Mark Sachschaden gab es bei Verkehrsunfällen auf den spiegelglatten
Straßen. Und 160 Menschen wurden vornehmlich bei Stürzen verletzt. Mit dem
Salz-Streuen klappte es diesmal offenbar ein wenig besser, aber die
Nebenstraßen – vor allem an Berghängen – blieben mal wieder außen vor.
Offensichtlich hat die Stadt die Sache mit dem Sparen jetzt sehr ernst
genommen. Sollen doch die Bürger selber das Salz auf ihren Straßenabschnitt
werfen, damit die Taxen, Krankenwagen oder die eigenen Autos sicher rauf und runter
fahren können. Nur, wie wär es denn, wenn man den Leuten das vorher mal
mitteilen würde, daß in ihren Straßen kein Salz gestreut wird.
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