Keine
Jugendidole
Der
Deutschland-Start von Tom Cruise neuestem Film „Mission: Impossible“ soll am 8.
August sein. Die Junge Union will jetzt zu einem bundesweiten Boykott des
Streifens aufrufen, weil der amerikanische Filmschauspieler Tom Cruise
bekennender Scientologe ist. In Flugblättern will die CDU-Nachwuchsorganisation
auf die „gefährlichen Machenschaften“ der Sekte hinweisen. Für den
niedersächsischen JU-Landesvorsitzenden Burkhard
Remmers (28) dürfen „Scientologen keine Idole für die Jugend sein. Sie
gefährden unsere Demokratie. Und darüber müssen wir die jüngeren Menschen
aufklären. Selbst wenn Cruise die Mitgliedschaft als seine Privatsache
bezeichnet, bleibt er Werbeträger einer menschenverachtenden, profitgierigen
Organisation.“ Sektenbeauftragte der beiden großen Kirchen warnen junge
Menschen vor der Schwärmerei für Psychokulte. Vor allem auch für die Stars, die
sich zu Scientologie bekennen – wie Tom Cruise, John Travolta, der Pianist
Chick Corea, die Sängerin Julia Migenes oder Priscilla Presley. Die Scientologen ihrerseits gehen jetzt in
die Offensive und verteilen ein Heftchen „Fakten aktuell“ (Auflage fünf
Millionen Exemplare), in dem sie die Parlamentarische Versammlung des
Europarates zitieren (AZ:ADOC 6438), die die Bundesrepublik Deutschland wegen
fortgesetzter Diskriminierung der Scientolgen gerügt habe. In einem Bericht
über „Menschenrechte und Demokratie im Vereinten Deutschland“ habe auch die
US-KSZE Kommission die zunehmende Diskriminierung von Mitgliedern der
Scientology Kirche kritisiert. – Ich bin gespannt, wie die Heilbronner Junge
Union gegen den neuen Tom-Cruise-Film vorgehen wird, um gegen die
Scientolgen, das „menschenverachtende
Kartell der Unterdrückung“ (Norbert Blüm) zu demonstrieren.
Gartenschau
Mit
der „sechsten Landesgartenschau“ am
Neckar im Jahre 1985 konnte Heilbronn ein mehrmonatiges Fest feiern. Ganz im
Sinne des Oberfestlers, Heilbronns Verkehrsdirektor Bernhard Winkler. Eine Million Besucher wurden damals im
Wertwiesenpark, dem Gelände der Landesgartenschau, gezählt. Winkler meinte
damals, Heilbronn wäre seinerseits in
aller Munde im Ländle gewesen. Landesgartenschauen gab es seither häufig. Aber
die Städte waren deshalb nicht in aller Munde in Baden-Württemberg. Man nimmt es
zur Kenntnis – und geht zur Tagesordnung über. Die meisten der Bürger aber
wissen gar nicht, wo derzeit eine Bundes- oder Landesgartenschau gerade
stattfindet. In erster Linie ist es ja auch nur ein schönes Zuschußgeschäft für
die ausrichtende Stadt. In Heilbronn soll es im Jahre 2004 wieder soweit sein.
Die Verwaltung will den Gemeinderat überzeugen, daß die Stadt sich bis zum 1.
September 1996 um die Blumenshow bewirbt. Als Gelände ist der Bereich um den
alten Neckararm mit angrenzender Altstadt vorgesehen. Wenn Heilbronn den
Zuschlag erhielte, bekäme die Stadt 7,5
Millionen Mark Landeszuschuß für die Gartenschau. Die gleiche Summe müßte
die Stadt selbst aufbringen. Außerdem hofft man auf weitere 2,5 Millionen Mark
aus dem Förderprogramm „Mehr Natur in unsere Gemeinde/ Stadt“. Nachdem die
Heilbronner Gartenschau 1995 am Protest der Anwohner im vorgesehenen Gelände
Pfühlpark gescheitert war, hofft man jetzt den Grüngürtel bis hin zum Köpfertal
(wie einst geplant) mit der Landesgartenschau 2004 zu verwirklichen. Und wenn
dann der Neckar-Park lebt, dann würde
auch der Heilbronner Einzelhandel davon profitieren. Eine verwegene Idee, die
da der Baubürgermeister Ulrich Frey in die Welt setzte. Die Botschaft hör ich
wohl, allein mir fehlt der Glaube.
Zeugnisse
Eigentlich gehören sie ja ganz abgeschafft. Diese
lächerlichen, nichtssagenden Zahlen von eins bis sechs. Und doch sind sie
Meilensteine in jeder Schülerlaufbahn. Für einen Großteil der Schüler im Ländle
ist heute der Tag X. Es gibt Zeugnisse. Ist
der „Giftzettel“ nun eine ausgemachte Hiobsbotschaft oder kann man ihn getrost
nach Hause tragen? Sind das versprochene neue Moutain-Bike oder die
Inline-Skates in weite Ferne gerückt? Oder hatte der Lehrer doch nur einen
lichten Moment und aus der 3,5 ein „Befriedigend“ gemacht? Ein „Befriedigend“
kann sich schon noch sehen lassen. Dann entspricht nämlich „die Leistung im
allgemeinen den Anforderungen“ (laut Verordnung des Kultusministeriums über die
Notenbildung). Bei der Vier, dem „Ausreichend“, sieht’s dann nicht mehr so
rosig aus. Hier weist „die Leistung zwar Mängel auf, entspricht aber im Großen
und Ganzen noch den Anforderungen“. Na also, die Vier tut’s allemal. der Sprung
in die nächsthöhere Klasse ist geschafft. Selbst die in Bonn, unsere
Bildungsexperten, machen sich so langsam Gedanken über den Wert der
Zeugnisnoten. Können die Fähigkeiten der Jugend auf einer Skala von eins bis
sechs ausreichend beurteilt werden? Da haben sie noch viel zu diskutieren. Für
mich gilt auf jeden Fall: So mancher hatte schon schlechte Schulnoten, später
aber dafür umsomehr Banknoten.
Neue Waldheide
Die
Waldheide in Heilbronn ist seit Sonntag wieder für alle Bürger zugänglich. Viel
gestritten wurde darüber, wem wir das zu verdanken haben. Sicherlich kaum der
Friedensbewe-gung, vor allem nicht der Heilbronner. Auch nicht den
US-Amerikanern, die uns jahrelang vor der aggressiven Politik der
kommunistischen Staaten geschützt hatten. Zu verdanken haben wir es in erster
Linie der friedlichen Revolution in den osteuropäischen Staaten, den Menschen
vor allem in der ehemaligen DDR, die demonstrierend, ihr Leben riskierend auf
die Straßen gegangen sind, um für ihre Freiheit notfalls auch zu kämpfen. Den
Dank an diese Menschen haben Politiker, Militärs und Friedensbewegte am Sonntag
auf der Waldheide vergessen auszusprechen. Möglich
gemacht hat die Freiheitsbewegung im Osten die Politik der Stärke und der
Flexibilität im Westen. Dem schon lange bankerotten Kommunismus wurden mit
wirtschaftlicher Unterstützung und Krediten Zugeständnisse abgerungen, die
seine Ideologie bis hin zur Unkenntlichkeit aufweichte. Die Pershing-Raketen
auf der Waldheide waren ein fester Bestandteil dieser Politik gegen die
perversen Diktaturen im Osten Europas.
Währenddessen träumten linke Friedensbewegte auch in Heilbronn noch
davon, daß sich in der Bundesrepublik so etwas wie gemäßigter West-Sozialismus
erreichen ließ (eine Mischung aus schwedischem Sozialstaat und jugoslawischer
Arbeiter-Selbstverwaltung), während im Osten der realexistierende Sozialismus
seine Kinderkrankheiten abstreift und sich zu seiner vollen humanen Blüte
entwickelt. Schaumige Träume, die in der Realität nirgendwo einen politischen
Ansatz fanden. Jene, die uns den Gottesstaat auf Erden, ein Eldorado
versprechen, waren immer schon in der Menschheitsgeschichte die besten
Vollstrecker einer Diktatur. Weil die Menschen ihren Ansprüchen nicht genügten.
Und deshalb ist die jüngste Geschichte der Waldheide eine gute Geschichte. Und
wir haben auch jener zu gedenken, die dort bei dem schrecklichen Unglück für
unsere Freiheit gestorben sind.
Abi-Gedanken
Das
Schuljahr ist heute am Ende. Sommerferien sind angesagt. Seltsame Betrachtungen
eines Unterländer Abiturienten sind mir da zugeflogen: „Wie jedes Jahr lassen
die Oberstufenlehrer der Gymnasien in ganz Deutschland eine unkontrollierbare
Horde von Abiturienten ins Berufs- bzw. Studentenleben ziehen. So auch in
Heilbronn. Dreizehn Jahre büffeln, büffeln und nochmals büffeln. Denkste! Die
meisten Dreizehner fingen so richtig mit dem Büffeln erst drei Wochen vor den
Prüfungen an und erkannten dann schnell, daß sie für das Abitur schon einiges
früher hätten beginnen sollen. Doch auch hier zeigte sich wieder, was ein
junger Mensch imstande ist, an Leistungen zu erbringen (mit viel Kaffee und nächtlichen
Überstunden!). Hektik und Streß sind die
ständigen Begleiter eines solchen Abiturienten – kurz vor den Prüfungen.
Doch dann (fast) fertig! Schriftliches Abi geschafft – oder auch net?!? Nach
dieser Prozedur folgt die mündliche Prüfung. Spätestens jetzt beginnt für
einige die Rechnerei mit den Punkten in den einzelnen Fächern. So mancher
Mathelehrer war erstaunt, welche Typen sich als Mathegenies entpuppten, die
bisher ihr Talent schüchtern verschwiegen hatten. Zwei Tage lang stehen die
Noch-Schüler unter Hochspannung. Zwei Tage lang werden sie bis auf den letztes
Rest ihres schmalen Abitur-Wissens ausgequetscht – und sind manchmal selbst
überrascht, was sie so alles in ihrem Kopf angesammelt haben. Oder was nicht
drin ist. Wenn auch diese Tage der Gehirnfolter
überstanden sind, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Die Zeit des „Blaumachens“
ist nun endgültig vorbei. Die Vormittage werden zum Ausschlafen genutzt, obwohl
bei manchen dies auch schon zuvor der Fall war. Gedanken über die Zukunft
schwirren durch den Kopf. Zwei Wege stehen zur Auswahl: entweder steuert das alltägliche stupide Berufsleben die nächsten
vierzig Jahre oder rein in die
Universität, in der Professoren es kaum erwarten können, neue wißbegierige
Opfer zu quälen. Bis zur harten Entscheidung bleibt noch ein wenig Zeit,
die für die obligatorischen Abi-Parties genutzt wird. Nun gut, sie haben es ja
auch nicht anders verdient - die Abiturienten!“ – Meine ich doch auch.
Kaiserstraße
Für
die Autofahrer ist die Kaiserstraße gesperrt. Für Busse und Taxen nicht. und
der fromme Kinderglaube so mancher Straßen- und Stadtplaner Heilbronns, damit
würden nun auch die Kunden fröhlicher einkaufend in die Innenstadt strömen,
blieb ein frommer. Umsatzeinbußen bis zu dreißig Prozent soll es bei den Einzelhändlern
in der Kaiserstraße geben, seitdem die Autos nicht mehr in die City dürfen. So manchem Ladenbesitzer steht das Wasser
schon bis zum Halse, klagen die Heilbronner Kaufleute. Schuld daran sei in
erster Linie die Bürgermeister-Riege auf dem Rathaus, die dem Gemeinderat diese
abstruse Verkehrssituation eingebrockt habe. Allen voran der Verkehrsdezernent
Harald Friese von der SPD, dem man nun vorwirft, als notorischer und stolzer
Nicht-Führerschein-Besitzer die Sorgen von Autofahrern auch nicht nachvollziehen
zu können. Einige Geschäftsleute gehen sogar soweit, ihm vorzuwerfen, daß ein
Mann, der ständig von einem Chauffeur in einer Nobelkarrosse herumkutschiert
werde, nicht einkaufen müsse, auch keine Ahnung von den Sorgen und Nöten der
Bevölkerung habe. Das, meine ich, dürfte wohl reichlich überzogen argumentiert
sein. Allerdings überlegt es sich eine
Familie, die einkaufen möchte (ob nun Lebensmittel oder größere Anschaffungen),
mehr als einmal, ob sie die Innenstadt Heilbronns ansteuert. Taschen und
Tüten, vollbepackt mit Lebensmitteln, Kleidern, eventuell sperrigen Gütern
durch die Innenstadt bis zum Parkplatz
in einer Tiefgarage zu schleppen, das ist enervierend. Es gibt andere Plätze
zwischen Stuttgart und Heilbronn, wo man auf grüner Wiese einkaufen kann und
gute Fachgeschäfte in einem Hause hat. Im Herbst 1997 wird neben dem
Breuninger-Land bei Ludwigsburg noch ein Ikea-Möbel-Markt eröffnet. Heilbronn
muß sich sputen, um gegen diese Konkurrenz etwas Sinnvolles zu setzen.
Islam-Parkplätze
Nicht
nur in Heilbronn schlagen die Wellen hoch, wenn es um islamische Einrichtungen
geht. Auch im Landkreis-Süden, in Kirchheim sorgt ein solches Projekt für
Aufregung im Gemeinderat. Grund war keine Moschee, deren Turm höher sein sollte
als die Dorfkirche. Es ging nur um den
Dachausbau des Türkisch-Islamischen Kulturvereins. Knackpunkt für den
Kirchheimer Gemeinderat waren jedoch die Parkplätze. Für die 80 Gläubigen aus
der ganzen Region stehen nur 15 Stellplätze zur Verfügung. Und die öffentlichen Parkplätze in der Nähe (in 50 beziehungsweise 200
Meter Entfernung) seien für andere Parker gedacht, so Bürgermeister Klaus-Peter
Waldenburger. Nur frage ich mich, für was man Parkplätze denn sonst
verwenden sollte. Der Herr Bürgermeister sollte mal nach Heilbronn schauen. Da
wird so mancher Religionsgemeinschaft, die ihre „Kirche“ in einem Wohngebiet
gebaut hat, nicht im Geringsten vorgeschrieben, wo ihre Gläubigen zu parken
haben. Zum Beispiel die Neuapostolische Kirche in der Pfühlstraße Heilbronn. Mehrmals pro Woche besetzen deren Gläubigen
ganze Straßenzüge mit ihren Karossen, wenn sie ihren Gottesdienst besuchen.
Wer in der Pfühl-, Kerner-, Goethe- oder Weinsberger Straße wohnt, der darf in
dieser frommen Zeit keinen Besuch erwarten. Die Parkplatzsuche könnte sich dann
nämlich in eine kilometerlange Wanderung verwandeln. Aber was den einen frommt,
ist des anderen Leid. Nur sollte man nicht mit zweierlei Maß messen – nach dem
altbekannten Leidspruch: Was Zeus erlaubt ist, daran darf der Ochse nicht
einmal im Traume denken.
I
glotz Olympia
Auf
die Plätze fertig – einschalten! Wenn ich mich nächtens vom Turm herab so
umschaue, dann könnte dies zum Motto der 23. Olympischen Spiele in Atlanta
werden. Gigantisch ist das Spektakel um
die sportlichen Wettkämpfe. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben wie bei
den Fußball-Europa-Meisterschaften schon die Nase vorn und senden nahezu rund
um die Uhr. Mit rund 127.000 Kilometer Kabel werden dank 88 Millionen Mark
täglich 21 Stunden Fernsehen
rausgepustet. Das ist dann auch spannend, daß die Nerven flattern: Zum
Beispiel, wenn Gewichtheben angesagt ist. Ich frage mich immer, wer schaut
soviel fern, vor allem wenn es um Sport geht. Wahrscheinlich die Journalisten.
Jene, die berichten, und jene, die die Berichte entgegennehmen oder
kommentieren müssen. Übrigens sollen heuer in Atlanta pro aktivem Sportler zwei
Journalisten aufgeboten sein, mal abgesehen von denen, die in den
Heimatredaktionen das Olympia-Material sichten und verarbeiten. Bei 105.000 Athleten sind das rund 210.000
Berichterstatter. Neben dem Olympischen
Dorf gibt’s also alle vier Jahre auch ein Pressedorf, das weitaus größer sein
dürfte. Sogar ein Zuschauertelefon ließ die ARD unter der Nummer 0221/19720
einrichten. Wenn der heimische Fernseher wegen sportlicher Überhitzung in
Flammen aufgehen sollte, der Notruf der Feuerwehr lautet 112. Aber vornehmlich
geht’s ja bei den Spielen um sportliche Höchstleitungen – mit oder ohne Doping.
Heute hoffentlich ohne. Und für alle, auch die Verlierer, lautet das altbekannte
olympische Motto „Dabeisein ist alles“. Vornehmlich für jene Sessel-Sportler,
die mit dem Bierglas in der Hand Anfeuerungsrufe durch die nächtlichen Gassen
(dank geöffnetem Fenster) hallen lassen.
Bike
and Ride
„Park
and Ride“ – ein schöner englischer Begriff, der uns Autofahrern ganz langsam,
aber sicher eingetrichtert wurde. Wer es macht, der soll sich als besserer
Autofahrer fühlen. Denn der fährt nicht mit dem Auto nach Heilbronn hinein und
kurvt in der Innenstadt stundenlang auf der Suche nach einem Parkplatz herum,
sondern stellt seinen Wagen auf einem Park-and-Ride-Platz am Stadtrand ab.
Danach geht’s mit einem Park-and-Ride-Bus ab in die Stadt. Aber kennen Sie auch
„Bike and Ride“? Des Englischen Mächtige
werden gleich darauf schließen, daß dies etwas dem Fahrrad zu tun hat.
Hinter diesem Kunstbegriff jedoch verbergen sich ganz einfach
Fahrradabstellplätze. Ganze 66 an der Zahl hat die Stadt Neckarsulm am Bahnhof
eingerichtet. Denn damit, so der Gedanke der Stadtväter, könnten die
Neckarsulmer mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren und dort in einen Zug
umsteigen. Ein guter Gedanke – und der muß schließlich mit einem entsprechenden
Kunstnamen bedacht werden. Wer würde
sich denn schon über lumpige Fahrradständer freuen? Über Verluste freut
sich ja auch niemand. Nullwachstum klingt doch viel netter. Und Entlassungen
können die Betroffenen auch besser verkraften, wenn die Manager sie
Umstrukturierungen oder Regrouping handelt. Der moderne Mensch ist bekanntlich
äußerst erfinderisch, vor allem wenn es um neue Namen geht. Und Beamte sind
noch erfinderischer, weil sie ja für
jeden neuen Vorgang im Apparat auch einen neuen Namen finden müssen.
Krank
und teuer
Fordert
die Politik die gesetzlichen Krankenkassen auf, die unerträglich hohen Beiträge
zu senken, kündigen die Kassen an, die Beiträge für die Versicherten demnächst
zu erhöhen. Kopfschütteln bei den Kunden, Wut und Enttäuschung über soviel
Unverschämtheit. Unterdessen wird gemeldet, daß die wichtigsten Kassen die
Gehälter ihrer Bundesvorstände klamm und heimlich mehr als verdoppelt hätten.
So sollen die Vorstandsvorsitzenden und ihre Stellvertreter - ob bei den
Allgemeinen Ortskrankenkassen, den Betriebskrankenkassen oder den
Angestelltenkassen – Jahresgehälter von
350.000 Mark und mehr erhalten haben. Dienstwagen und Chauffeur nicht mit eingerechnet. Bis Ende 1995 sind die
Gehälter an den öffentlichen Dienst gekoppelt gewesen. Vorstandsposten wurden
nach B 4 (zur Zeit 9.700 Mark)) oder B 6 (11.000 Mark) bezahlt. Seit 1. Januar
1996 sollen die Krankenkassen nach unternehmerischen Gesichtspunkten geführt
werden. Es darf auch Mitgliederwerbung betrieben werden. Chefgehälter werden
jetzt frei ausgehandelt. Kritik wird von der Politik und den Medien zur Zeit
wegen der aufgeblähten Verwaltungskosten an den Kassen geübt. Von 1985 bis 95
stiegen diese Kosten um 72,1 Prozent – von 5,2 Milliarden auf 9,5 Milliarden
Mark. Außerdem wurde zwischen ‘85 und ‘94 von den gesetzlichen Krankenkassen 22
Prozent mehr Personal eingestellt. Die Zahl der Versicherten und mitversicherten
Personen stieg jedoch nur um 2,6 Prozent. Ich verstehe, daß jetzt die
Versicherten mehr als unruhig werden. Schließlich darf nicht unablässig
gemolken werden, das Geld der
Versicherten gleichzeitig für Pizza-Backkurse, Ausflüge zum Carneval in Venedig
oder für Bauchtanz-Kurse zum Fenster hinausgeworfen werden. Das hat mit
Gesundheitsvorsorge nun wahrlich nichts zu tun. Die Kassen sollen sich nicht
als Psychotherapeuten oder Ersatzärzte aufspielen, sondern nur ihre Pflichten
für die Versicherten wahrnehmen. Niemand verlangt jetzt von ihnen, großangelegt
zu sparen. Sie sollen nur weniger Geld ausgeben. Möglichst nur das, was sie
auch von den Versicherten treuhänderisch bekommen.
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