Wohin
mit dem Müll?
Wohin
mit dem Müll? Das fragen sich nicht nur unsere Politiker und hecken immer
wieder neue Pläne aus, die der Bürger dann bezahlen muß – sowohl in der Planung
und (sofern es dazu kommt) in der Realisierung. Auch die Bürger stellen sich
diese Frage, und einige probieren dann ganz seltsame Müllentsorgungstechniken
aus. In der Nähe der Anna-Linde in Heilbronn-Kirchhausen zum Beispiel wurden
auf einem Feldweg 40 Autobatterien entdeckt. Die Stadt mußte den Dreck
entsorgen, der teilweise noch ätzende Battersiesäure enthielt. In der
Pfühlstraße Heilbronns, ein anderes Beispiel, steht seit längerer Zeit ein
altes Fernsehgerät inmitten der Begrünung eines Fußgängerweges. Und in den Wäldern rings um Heilbronn sehe
ich so manchen blauen Plastiksack, wohlgefüllt mit Hausabfällen. Die hat
auch nicht der Weihnachtsmann dort vergessen. Was an den Papier- und
Glasflaschencontainern, die über die gesamte Stadt verteilt sind, abgelagert
wird, besteht auch nicht gerade aus Glas oder Pappe. Am Zustand jener Container
kann man auch sehen, in welchem Viertel man sich gerade befindet. Ist das
Wohnumfeld verwahrlost, dann sehen auch die Container und ihr Umfeld danach
aus. In anderen Vierteln glaubt man fast, die Müllcontainer unterliegen der
wöchentlichen Kehrwoche, so sauber und ordentlich schaut’s da aus. Wie der
Herr, so s’Gescherr. Heißt es im Volksmund. Wie die Politik, so der Umgang mit
dem Müll und die Müllentsorgung. Unverständlich bleibt mir weiterhin, warum jene
Menschen, die brav und sauber ihren Müll trennen, bei den Kosten dafür bestraft
werden. Ebenso unverständlich ist mir, daß der Abfall in den Gelben Säcken, den
wir alle schon beim Einkauf bezahlt haben, von dubiosen Firmen in irgendwelche
Länder transportiert wird, damit er dort weiterverarbeitet oder entsorgt wird.
Aber wahrscheinlich liegt es daran, daß ich hier oben keinen Abfall produziere,
nur den Dreck um die Ohren bekomme.
Haushalt
In
der Nachkriegsgeschichte Heilbronns dürfte die Verabschiedung des Haushalts
1997 im Gemeinderat letzte Woche – kurz vor dem Fest – einmalig gewesen sein.
Die Belastungen wiegen schwer. Bei einem Volumen von 698 Millionen Mark wird
vom ersten Bürgermeister Werner Grau mit einer Neuverschuldung von 77 Millionen
Mark gerechnet. Dann sind wir bei 342 Millionen Mark Schulden in der Stadt
Heilbronn, sprich pro Kopf sind die Heilbronner mit 2.825 Mark dabei. Allein
10,8 Millionen Mark müssen im kommenden Jahr für Schuldentilgung bezahlt
werden. Und wie kommen wir aus diesem Schlamassel wieder raus. Steuererhöhungen
behaupten die einen. Der Bürger soll geschröpft werden. Aber der stöhnt unter
der hohen Abgaben- und Steuerlast. Sparen lautet die Devise einer anderen
Gruppierung. Wobei sie unter „Sparen“
weniger ausgeben verstehen. Geld auf die hohe Kante wollen sie keines legen,
diese, unsere Politiker. Denn sie haben keines – und unseres sind sie nur
bereit, zu verteilen und auszugeben. In den Betrieben werden Stellen abgebaut,
wird rationalisiert – beim Staat dagegen werden die Arbeitsplätze auf
wundersame Art vermehrt. „Der Bürger will es so, er fordert ja immer höhere
Leistungen“, behaupten einige Politiker mit treuem Augenaufschlag. Und merken
nicht, daß ihnen keiner glaubt. Die Stadt Heilbronn beschäftigte zu Beginn des Jahres
4.936 Menschen. Vor zehn Jahren waren es 736 Personen weniger. Ich frage mich,
wie ist es möglich, daß Großkonzerne mit weniger Personal mehr umsetzen und
verdienen, eine Stadt aber – ausgestattet mit modernster Technik – immer mehr
Personal benötigt? Vor zehn Jahren kosteten uns die Stadtbediensteten 199
Millionen Mark, heute 334,8 Millionen. Das sind 68,2 Prozent mehr. Wenn
demnächst nicht radikal eingespart wird, überflüssige Stellen gestrichen werden
– und ich kenne viele –, dann werden uns unsere Enkel bitterlich verfluchen.
Weihnachtsmann
woher?
Weihnachtsmänner,
wer sind sie? Woher kommen sie? Sie sind nicht etwa Gehilfen des heiligen
Nikolaus, der zu Lebzeiten der Bischof von Myra war, was in der heutigen Türkei
liegt und dessen Festtag der bekannte 6. Dezember ist. Denn dieser wird auf
alten Gemälden immer in blauer Kleidung und mit einer bischöflichen
Kopfbedeckung dargestellt. So kenne ich ihn auch aus Kindergartenzeiten. Der
Weihnachtsmann dagegen erscheint immer in rot-weiß und auf seinem
Rentierschlitten. Dieses Outfit muß also einen anderen Hintergrund haben.
Zuerst mal im Lexikon nachsehen. Doch in Deutschlands größtem Nachschlagewerk
steht nur, daß er an Heilig Abend die Geschenke bringen soll und Züge des
Nikolaus und von Knecht Ruprecht aufweist. Das befriedigt mich nicht besonders.
Bleiben wir also bei den Farben. Rot als
Symbol der Liebe und weiß als Zeichen für Freude? Nein, so edel ist er
nicht – das ist überinterpretiert. Und ein bischöfliches oder ritterliches
Gewand ist der rote Bademantel auch nicht gerade, den der Weihnachtsmann zu
seiner Mütze trägt. Wo also kommen die Farben her? Der rotweiße Weihnachtsmann
mit weißem Rauschebart ist nichts weiter, als eine Erfindung der
Marketingabteilung von Coca-Cola.1931, rechtzeitig zu Weihnachten, zeichnete
der schwedische Maler Haddon Sundbloom für den Brausehersteller erstmals die
„weihnachtliche“ Figur. Der Erfolg war gigantisch. Die Figur die an die des
„Pelzmertel“ oder des amerikanischen „Santa Claus“ erinnert, zog ein in die Herzen
der Kinder, in das Weihnachtsbild der Erwachsenen und ist heute nicht mehr
wegzudenken. Der Weihnachtsopa taucht jedes Jahr wieder auf und nicht nur auf
Werbeplakaten von Coca-Cola. Sogar Disney und unzählige Regisseure aus
Hollywood haben sich diese Figur zu eigen gemacht. Nicht zuletzt gibt es ja
noch die Schokoladen-Weihnachtsmänner, die jedes Jahr von August bis Dezember
hergestellt werden.
Bestechungsversuch?
Wir
leben in unruhigen Zeiten. Kluge Leute, Sozial-Wissenschaftler wollen uns
klarmachen, daß es mit der Kriminalität auf unseren Straßen gar nicht so
schlimm bestellt sei. Die finde doch vornehmlich in unserem Kopf statt.
Der Straßenverkehr in Deutschland sei
viel gefährlicher. Das ist kein sonderlich hilfreicher Trost für
Verbrechensopfer. Nicht für jene Eltern, deren Kinder von Sextätern umgebracht
werden, obwohl sie schon einschlägig vorbestraft sind. Auch nicht für jene
69jährige Frau, die letzte Woche auf offener Straße niedergestochen und schwer
verletzt wurde – so wie jener Asylbewerber wenige Tage zuvor, der heute noch an
seinen schweren Verletzungen leidet. Wohnungseinbrüche
am laufenden Band, Taschendiebstähle auf Weihnachtsmärkten, begangen von
strafunmündigen Kindern, die darauf abgerichtet werden wie dressierte Hunde,
brutale Überfalle in Geschäften am hellichten Tage. Einbrüche in Serie in
Autos, Büros, Fabrikgebäude. Gestohlen wird, was nicht niet- und nagelfest ist
– und selbst das auch noch. Wenn alten Frauen die Handtasche entrissen wird,
dann können unsere Ordnungshüter nur noch mit den Achseln zucken. Denn die
Aufklärung solcher „Bagatell-Fälle“ strebt gegen Null, ebenso wie bei
Autoaufbrüchen. Und muß man dann noch mitansehen wie miserabel unsere Polizei
mit technischem Gerät ausgestattet ist, im Vergleich zu kleinen Firmen oder
Großkonzernen, dann frage ich mich, welcher seltsame politische Wille
dahintersteckt. Würden wir heute ein Sammlung für die Polzei veranstalten,
Faxgeräte, Computer, Handys, etc. – ich behaupte, es würde viel zusammenkommen.
Aber unsere Polizei dürfte diese Spenden nicht annehmen. Aus Staatsraison. Ein
Blick nach Amerika zeigt, wie man es besser machen kann. Dort sinkt die
Kriminalitätsrate. Und wer der Polizei zur Unterstützung etwas spendet, der ist
ein guter Staatsbürger. Bei uns fällt das unter Bestechungsversuch. Bürgersinn?
Weihnachtlich
Was
macht ein richtiges deutsches Weihnachtsfest aus? Bei uns im Schwäbischen
gehören zunächst einmal Weihnachtsbrötle dazu, die von der Hausfrau und ihren
„freiwilligen“ Helfern aus der Familie zu Beginn des Monats Dezember gebacken,
um dann in Gläsern, Dosen und Schachteln verstaut zu werden. An jedem
Adventsonntag gibt es ein paar wenige davon zum Kaffeetisch, am Weihnachtsfest
dann mehr, danach den Rest. Wenn sie zu gut sind, dann muß Mitte Dezember
nachgebacken werden. Jedes schwäbische
Kind kann sich daran erinnern, daß Brötle-Backen gleichzusetzen ist mit der
Feierlichkeit einer Christmette. Und Lebkuchen gehören zum Fest ebenso wie
ein festlich geschmückter Baum (möglichst mit dem in Jahren angesammelten
Traditionsschmuck der Familie und echten Wachskerzen), der Gang zur Kirche, das
kleine, festliche, aber nicht üppige Mahl am Heiligabend und das Singen von
Weihnachtsliedern vor der Bescherung. Und natürlich das Bach‘sche Weihnachtsoratorium in der Vorweihnachtszeit. Am Sonntag
war es in der Heilbronner Kilianskirche zu hören. Die Karten im Musikhaus
Sproesser waren schon eine Woche zuvor alle ausverkauft gewesen. Nur an der
Abendkasse gab es noch wenige Restkarten. Eine solche Nachfrage hätte er seit
Jahren schon nicht mehr erlebt, meinte Axel Sproesser, ein profunder Kenner der
Musikszene. Leute hätten sich um Karten bemüht, die bei geistlichen Konzerten
in der Kilianskirche ansonsten nie zu sehen sind – und in seinem Musikhaus
schon gar nicht. Offenbar wollen sich in
diesen unsicheren und stürmischen Zeiten viele wieder auf unvergängliche Werte
besinnen. Und etwas so Schönes wie das Oratorium von Johann Sebastian Bach, das
erhebt die Seele – und badet sie nicht in jenem Kakao, durch den wir täglich
gezogen werden – dank des alltäglichen Fastfood-Gedudels aus unseren
Radiolautsprechern. Und wenn Weihnachten vorbei ist? Dann ...
Dienstwagen
Es
war schon lange gefordert, aber nie in die Tat umgesetzt worden: Die
Reduzierung des Bürgermeister-Fuhrparks. Sprich: nicht jeder Bürgermeister auf
dem Heilbronner Rathaus soll künftig einen Dienstwagen samt Chauffeur zur
Verfügung gestellt bekommen. Nur dem Oberbürgermeister und dem Ersten
Bürgermeister stehen künftig noch Dienstwagen mit Fahrer zu Verfügung. Die
anderen drei Bürgermeister (Casse, Friese, Frey) müssen künftig entweder mit
dem eigenen Auto fahren, einen Wagen aus den Bereitschaftsdienst anfordern oder
per Bus ins Rathaus kommen. Warum auch nicht? Ist doch der Münchner OB Hans-Jochen Vogel für seine Straßenbahnfahrten ins Amt berühmt
gewesen. Warum sollen dann unsere Bürgermeister nicht auch mit dem Stadtbus
oder dem eigenen Wagen ins Rathaus kommen – sofern sei einen Führerschein
besitzen. Was ja nicht immer der Fall ist. Ich meine, da hat sich unser
Heilbronner Gemeinderat mal von einer wirklich sparsamen Seite gezeigt. Denn
unsere Herren Bürgermeister können für
ihre Terminfahrten, die Fahrt zum Arbeitsplatz und zurück ja auch ein Taxi
benutzen. Das würde das darbende Taxi-Gewerbeunterstützen. Und uns Steuerzahler
käme es wahrscheinlich preiswerter als die städtischen Automobile plus Fahrer
in ständiger Bereitschaft. Die Reaktion des Kulturbürgermeisters Reiner Casse
ist subjektiv verständlich. Denn jetzt gibt es – legt man Statussymbole als
Maßstab an – Bürgermeister erster und zweiter Klasse. Aber die existierten es
vorher auch schon: OB, Erster und die anderen Bürgermeister. Das rechtfertigt
objektiv gesehen noch keinen Parteiaustritt. Subjektiv kann es schon ganz schön
schmerzen und zornig machen. Aber wenn Reiner Casse austritt, dann wird die CDU
es verschmerzen. Das Verhältnis der beiden war ja oft spannungsgeladen. Vom
Sparen reden ist eine Sache, Sparmaßnahmen ertragen eine ganz andere.
365mal
Wenn
ich jetzt, kurz vor dem Jahresende 1996, hier oben auf dem Turm auf die
vergangenen Monate zurückblicke, dann wird mit ganz wehmütig ums steinerne
Herz. Rund 365 kleine Kolumnen dieser Art sind am Jahresende im Neckar Express
von mir veröffentlicht worden – mit ganz unterschiedlichem Echo bei der
Leserschaft. Einige Zeitgenossen haben sich maßlos über meine Worte geärgert,
andere nur ein wenig, wieder andere sehr gefreut. Ich hoffe, daß der Zorn
schnell verraucht und die Freude lang anhaltend war. Briefe haben mich in Hülle
und Fülle erreicht. Zustimmende und Ablehnende. Ich halte es da mit dem Rommel Manfred aus Stuttgart: „Jedermanns
Liebling ist jedermanns Dackel.“ Ein
paar der Briefe sind veröffentlicht worden. Die vielen anonymen Zuschriften
sind in einem besonderen Ordner verschwunden. Zum Wegschmeißen sind sie doch zu
schade. Allein wegen des Aufwands, den die Leut sich gemacht hatten. Und zur
Belustigung von Redaktionsbesuchern. Eine Dame (jung oder alt?) schrieb mir,
ohne ihren Namen zu nennen, vor ein paar
Tagen: „Ich weiß, daß Du auf einem sehr hohen Podest stehst, von dem Du nicht
einmal am 4. Dezember 1944 heruntergestürzt wurdest.“ Das ist richtig. Und auch
gut so. Es ist in Heilbronn in jenen Tagen viel zuviel zusammengestürzt, was
weniger schlimm wäre, wenn nicht gleichzeitig viel zuviel getötet worden wäre.
Mehr aber will ich nicht aus jenem Brief, der mit „R“ unterschrieben wurde,
zitieren. Denn da schäumt jemand. Auch das gehört zum Leben. Und dieser
Haß-Schaum muß ernstgenommen werden. Auch wenn er im „emanzipierten Kleid“
einherschreitet. Solange bei uns noch nicht – wie in anderen Ländern üblich –
unliebsame Gegner mit Waffengewalt aus dem Weg geräumt werden, dürfen wir ja
noch streiten. Und wenn dieser Streit zum fruchtbaren Nachdenken und Handeln
führt, dann hat es ja auch was genutzt. Vielleicht eine dieser 365 Kolumnen.
Also dann – auf ein Neues.
Kuriositäten
Sachen
gibt’s, die gibt’s gar nicht. So, oder so ähnlich könnte man einen sportlichen
Jahresrückblick des Jahres 1996 nennen,
und zwar den der besonderen Art des Fußballs. So erzielte zum Beispiel eine
Fußballdame in einem Spiel der Kreisliga, das mit einem unglaublichen 45:0
endete, 23 Tore. Und tatsächlich soll die gegnerische Mannschaft auf dem
Spielfeld körperlich anwesend gewesen sein. Sie dürfte wahrscheinlich Torschützenkönigin in ihrer Liga geworden
sein. Zwar schoß der nächste Fußballer nur ein Tor, aber dies eher
ungewollt. Der Torwart FSV Salmrohr baute die Führung durch ein Abschlagtor auf
3:1 aus. Er war sicherlich genauso überrascht wie sein Gegenüber, der den Ball
aus dem Netz holen durfte. Ein anderer Torwart schaffte sogar einen Hattrick.
Nein, diesmal nicht durch Abschläge. Als seine Mannschaft bei einem Heimspiel,
wiederum in der Kreisliga, mit 1:2 zurücklag, wechselte der Keeper in der
Halbzeit in den Sturm und schoß seine Mannschaft mit drei Treffern zum
4:2-Sieg. Ob er jemals wieder im Tor stand? Etwas komplizierter wird es beim FC
Erzgebirge Aue, denn dieser versucht über das Zivilgericht doch noch ins
sächsische Pokalfinale zu gelangen. Folgende Situation liegt vor: Der Verein
hatte im Elfmeterschießen gegen Dresden verloren, oder auch nicht. Der Torwart
aus Dresden parierte den Schuß, der Schütze wendete sich enttäuscht ab, und der
Schiedsrichter notierte: Gehalten. Doch der nach vorne springende Ball hatte
soviel Drall, daß er ins Tor zurückrollte. Über Seite 100 des
Schiedsrichterhandbuches streiten sich nun beide Vereine vor Gericht. Dresden zitiert: „Das Spiel ist in
dem Augenblick ...abzupfeifen... in welchem der Strafstoß eine Wirkung zeigte,
das heißt, wenn ein Tor erzielt wurde, oder wenn der Ball vom Torwart abgewehrt
wurde...“. Aue hält dagegen: „Dabei ist
ein Tor auch dann gültig, wenn der Ball vor Überschreiten der Torlinie... den
Torwart... berührt“. So, nun dürfte wohl
alles klar sein, oder?
Arme
Medizinmänner
Wir
wissen es alle: Die Zeiten, in denen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland nur so
im Geld schwammen, sind schon lange vorbei – Bundesgesundheitsminister Horst
Seehofer sei es gedankt. Doch nicht nur die Mediziner leiden unter den
Sparmaßnahmen. Den Patienten geht es ebenso. Gerade kurz vor Weihnachten werden
nur noch die allernötigsten Behandlungen abgewickelt. Denn meist sind die
Jahresbudgets der Götter in Weiß längst überschritten. Was sie jetzt zusätzlich
verordnen geht an ihrem eigenen Einkommen ab. Ganz neu aber ist folgender
Trend: So mancher Arzt in spe ist bereit, umsonst oder für einen Hungerlohn zu arbeiten.
Wie das geht? Lassen Sie mich von einem Fall, der sich derzeit in einer
Unterländer Arztpraxis zuträgt, berichten: Da
muß ein alteingesessener Allgemeinmediziner im Zuge der Sparmaßnahmen
Hilfspersonal freistellen. Das ist noch nichts Außergewöhnliches. Vielen
Fachärzten ergeht es derzeit so. Doch dieser Arzt hätte gerne zur eigenen
Entlastung einen Kollegen beschäftigt. Davon bekommt ein junger Mediziner Wind.
Er bewirbt sich, der ältere Kollege lehnt ab. Er kann den jungen Mann nicht
bezahlen. Der Arzt in spe braucht jedoch noch einige Monate praktische
Erfahrung zur Erlangung seines Facharztes und bietet an, ohne Lohn zu arbeiten.
Erst zögert der ältere Kollege – er sei ja schließlich kein Ausbeuter – auf
Drängen des jungen Nachwuchsmediziners willigt er schließlich ein. Nicht ganz
umsonst, aber für einen Minimallohn wird der junge Kollege bald in der Praxis
arbeiten. Da sage noch mal einer, alle Ärzte seien nur aufs Geld aus.
Es
piept mobil
Früher
nervten mich jene Zeitgenossen, die – kaum waren sie in einer fremden Wohnung oder einem Büro zu Besuch – sich hinters Telefon klemmten, um ihrer
Sekretärin mitzuteilen, wo sie ab sofort fernmündlich zu erreichen sind. Diese
Zeiten sind vorbei. Denn jene Typen von Menschen benutzen jetzt ihr eigenes Telefon,
ob im Auto, am Bahnhof, am Flughafen, in der Unterführung, im Restaurant oder im Theater. Bei ihnen piept
es ständig. Und dann ziehen sie ihr Handy raus und sprechen mit X oder Y. Auch
wenn das Gespräch für den, der sie anruft reichlich teuer werden kann. Das Handy, ein mobiles Telefon für
gestreßte Leute und Wichtigtuer? Dachte ich mal. Bis ich die jungen Leute,
Schüler, Studenten, Lehrlinge, etc. mit diesen Dingern durch die Gegend laufen
sah. Und da ging mir ein kleines Licht auf. Bei Mama und Papa wohnen, aber sie
nicht ständig mit den vielen Anrufen von Freunden und Bekannten nerven – da
hilft nur ein Handy. Außerdem sind die jungen Leute, die meistens sehr
umtriebig ihre Umgebung verunsichern, mit dem kleinen Gerät in der Tasche,
jederzeit erreichbar, so sie es zulassen. Und ist das Gerät abgeschaltet,
spricht man seine Nachricht halt auf einen Anrufbeantworter, den der
Handy-Halter, wenn er wieder erreichbar sein will, abhören kann. Die Zeiten, in
denen Wichtigtuer sich eine Papp-Attrappe mit ins Auto nahmen, um an der Ampel
den Nachbarn zu zeigen, wie wichtig sie sind, die sind vorbei, seit gerade in
dieser Vorweihnachtszeit ein Handy-Boom ausgebrochen ist. Zwischen einer und
zehn Mark kosten die ansonsten teuren Geräte, wenn man sie mit Freischaltungskarte
kauft. Bei den Gebühren ist es noch nicht so günstig wie beim Normaltelefon.
Aber in den Handy-Markt ist Bewegung gekommen. 1997 soll dank harter Konkurrenz
Mobil-Telefonieren erheblich billiger werden. Ich hatte mir ja geschworen, erst
dann ins Handy-Zeitalter einzutreten, wenn es genauso teuer wie das Telefon
daheim ist. Aber jetzt! Wer weiß? Mobil sein ist alles – sagen die Söhne.
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